Meerschweinchen (Cavia porcellus)

Herkunft

Ursprünglich sind unsere Meerschweinchen in Mittel- und Südamerika beheimatet. Wildmeerschweinchen leben dort in Höhlen, was ihnen den lateinischen Namen "Cavia aperea" (Cave = Höhle, Aper = Wildschwein) einbrachte. Allerdings graben sie die Höhlen nicht selber und sind sie keine Tiere, die unterirdisch leben. Sie nutzen auch dichte Gebüsche als Versteck. Meerschweinchen sind Dämmerungsaktiv, in der Morgen und Abenddämmerung verbringen sie einen großen Teil mit der Nahrungsaufnahme. Die Hauptnahrung von Meerschweinchen in ihrer Heimat sind Gräser, Kräuter sowie andere Grünpflanzen. In Peru wurden sie von den Menschen schon vor langer Zeit (ungefähr vor 3000 Jahren) domestiziert und als Fleischlieferanten und Opfertiere genutzt. Auch heute noch ist das Meerschweinchen ein wichtiger Fleischlieferant und der Verzehr eines Meerschweinchens gilt als so normal, wie hier der Verzehr eines Brathähnchens (allerdings steht Fleisch seltener auf dem Speiseplan der dort ansässigen Bevölkerung, denn das Land ist Arm und nur selten können die Menschen sich Fleisch leisten).

Buntgescheckte und Tiere mit Rosetten gibt es schon sehr lange. Es kann nicht genau gesagt werden, wann diese Fell- und Farbvarianten auftraten. Aber gerade dreifarbige Tiere mit Rosetten werden seit langer Zeit als Opfertiere bevorzugt und von daher wird angenommen, dass diese Varianten schon lange existieren und teilweise auch bevorzugt vermehrt wurden.

Neuen genetischen Untersuchungen zufolge stammen unsere Hausmeerschweinchen evtl doch nicht vom Wildmeerschweinchen (Cavia aperea) ab sondern sind enger mit dem Tschudi-Meerschweinchen (Cavia tschudii) verwandt.

Es wird behauptet, dass holländische Kaufleute die niedlichen Meeries aus der "Neuen Welt" zum Spielen für ihre Kinder mitbrachten (über das Meer - also Meerschweinchen). Einige meinen, sie hießen Schweinchen, weil sie wie Schweine quieken. Wir Meerschweinchenliebhaber nennen unsere Tierchen gern liebevoll Meeries, was ich in den folgenden Texten auch häufiger tun werde.

Klassifizierung:

Meerschweinchen gehören zur Klasse der Säugetiere (Mammalia), Ordnung Nagetiere (Rodentia), Familie Meerschweinchen (Caviidae), Unterfamilie Meerschweinchenartige (Caviidae), Gattung Wildmeerschweinchen (Cavia aperea) als Stammform von Hausmeerschweinchen (Cavia porcellus).

Da die Rasse eines Tieres kaum eine Rolle für die tiergerechte Haltung spielt, gehen wir auf unseren Seiten nicht näher darauf ein. Sie können sich aber auf den Seiten vom DMSL - Meerschweinchenrassen ausführlich über Rassen und Farben informieren.

Über eine "Rasse" möchten wir informieren:
Nacktmeerschweinchen?

Soziales

Meerschweinchen sind echte Gruppentiere. Wie ihre wilden Verwandten, so möchten auch unsere domestizierten Meerschweinchen immer mindestens einen Artgenossen um sich haben. Zusammen erkunden sie eine ungewohnte Umgebung, geben sich Sicherheit, muigen sich an und reden miteinander und fressen zusammen. Wie schrecklich ist hingegen der Anblick eines einzelnen Meerschweinchens, dass seine Zeit im Käfig absitzt, bis der Besitzer mal wieder Lust hat, es heraus zu lassen und mit ihm zu spielen?

Meerschweinchen haben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Meerschweinchengesellschaft!
Deshalb dürfen sie niemals allein gehalten werden!

Einen sehr ausführlichen Artikel zu dem Thema finden Sie hier:

Nie allein! / Gibt es Argumente, für die Einzelhaltung von Meerschweinchen sprechen?

schweinzelhaltung.de

Meerschweinchenrudel

Entscheiden Sie sich also von Anfang an für mindestens zwei Meerschweinchen und nach Möglichkeit für zwei gleichgeschlechtliche Tiere. Vergesellschaften Sie ein Meerschweinchen niemals allein mit einem Kaninchen, mehr dazu können Sie hier nachlesen.

Böckchen sind in ihrer Haltung etwas anspruchsvoller, am besten verstehen sich Brüder, die zusammen aufgewachsen sind, aber auch Altböckchen vertragen sich im Normalfall gut mit Jungböcken (mehr Informationen zur reinen Bockhaltung hier: hier).

Am wohlsten fühlt sich eine Gruppe von mehreren Weibchen mit einem kastrierten Bock, da sie dort ihr Sozialverhalten voll ausleben können. Aber natürlich können Sie auch reine Weibchengruppen halten. Sind diese allerdings sehr zickig untereinander, kann ein Kastrat Ruhe in die Gruppe bringen.

Zwar ist es in Ausnahmefällen auch möglich, mehrere Böcke mit mehreren Weibchen zusammen zu halten: aber nicht alle Böcke sind entsprechend sozialisiert und diese Variante der Haltung erfordert sehr viel Erfahrung und Fachwissen.

Achten Sie bei der Gruppenzusammensetzung auch auf das Alter der Tiere. Babys sollten mindestens bis zum Abschluss der 10. Lebenswoche Kontakt zu erwachsenen Tieren haben, um das Sozialverhalten zu lernen und durch die älteren Tiere Sicherheit und Schutz zu erfahren.

Ausführliche Informationen zur Gruppenstruktur, Voraussetzungen zur Gruppenhaltung sowie zum Alter der Tiere, die miteinander vergesellschaftet werden sollten, finden Sie hier: Meerschweinchen in der Gruppe.

Geschlechtsbestimmung

Meerschweinchen sind zwischen der 4. und 6. Woche geschlechtsreif und müssen dann nach Geschlecht getrennt werden. Man kann das Geschlecht sehr gut unterscheiden, bei den Weibchen sieht man ein deutliches Y, bei den Böckchen/Männchen ein umgedrehtes i. Drückt man den Böcken kurz vor der Geschlechtsöffnung auf den Bauch, tritt der Penis hervor. Zitzen haben allerdings Bock und Weibchen, sie sind kein Unterscheidungsmerkmal.

Weibchen

Weibchen

    Mannchen

Böckchen

    Männchen

Böckchen ausgefahren

Viele weitere Fotos und eine ausführlichere Beschreibung finden Sie hier:
Cavy Spirit / Sexing

Kastration

Sollten Sie sich für ein Pärchen entscheiden, muss der Bock kastriert werden, da er sonst natürlich das Weibchen deckt, und so viel Muckerchen wollen Sie bestimmt nicht ... oder?

Oft bekommt man schon kastrierte Böckchen im Tierheim! Mitunter wird eine Frühkastration empfohlen, vor der Geschlechtsreife (mit ca. 200 -300 g). Ich persönlich denke, das ist zu früh und eine unnötige Belastung für das Tier. Eine Frühkastration sollte nur dann durchgeführt werden, wenn es keine anderen Möglichkeiten der Vergesellschaftung gibt, sie ist nur dann angeraten, wenn ein Babybock bei der Mutter oder bei Schwestern bleiben soll. Unserer Erfahrung nach kommt es bei Frühkastraten mitunter zu Verhaltensstörungen, sie entwickeln nicht das "normale" Bockverhalten, besteigen und bebrommseln die Damen nicht. Allerdings kann ein Frühkastrat ohne Trennung wieder in seine Familie integriert werden, was natürlich ein Vorteil ist.

Ideal ist es, einen Bock mit ca. 6 Monaten und min. 600 g kastrieren zu lassen, am besten mit Inhalationsnarkose oder Drei Stufen Narkose. Unverträgliche Böcke können allerdings bis ins hohe Alter kastriert werden, solange sie sonst gesund sind.

Vor der Narkose sollte das Tier kein Gemüse und nur wenig gärfähiges Grünfutter, aber trotzdem viel Heu bekommen. Meerschweinchen können nicht erbrechen und sollten auf keinen Fall vor der OP ausgenüchtert werden, das würde zu einer fatalen Verdauungsstörung führen. Frischfutter könnte zu Fehlgährungen im Darm führen, wenn es kurz vor der Narkose gegeben wird.

Der frischoperierte Bock sollte beim Tierarzt während der Aufwachphase, auf dem Heimweg und auch Zuhause bis zum vollständigen Aufwachen gewärmt werden. Legen Sie dazu eine Wärmflasche mit in die Transportbox. Die Wärmflasche muss fest in ein Handtuch gewickelt werden, damit das Meerschweinchen die Wärmeflasche nicht annagt. Gut geeignet um den Tieren Wärme zuzuführen sind auch spezielles Wärmekissen wie das Snuggle Safe. Bieten Sie die Wärme vor allem im Winter ruhig auch im Gehege über einen längeren Zeitraum an. Werden die Tiere nicht gewärmt, kommt es häufiger zu Lungen-, sowie Nieren- und Blasenentzündungen.

Nach der OP sollte der Patient noch etwa eine Woche auf Handtüchern, Fleecedecken oder Einstreukissen gehalten werden. Selbstverständlich sollte der Bock während der Zeit gut beobachtet werden, die Narbe sollte täglich kontrolliert werden, und beim geringsten Anzeichen von Verdickungen an der Narbe oder starker Abnahme oder sonstigen Krankheitsanzeichen sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Vorsorglich wird der Bock zusätzlich mit Vitaminen und Mineralien versorgt. Weitere Anweisungen bekommen Sie vom Tierarzt! Der Bock bleibt ca. 6 Wochen zeugungsfähig und sollte von daher erst nach 6 Wochen zu den Weibchen.

Eine Kastration ist nur wirklich erforderlich, wenn ein Bock mit Weibchen gehalten werden soll. Eine Kastration, bei reinen Bockgruppen ist leider oft sinnlos, wenn sich Böcke nicht vertragen, wird eine Kastration daran nichts ändern, nur Frühkastrationen können evtl. zu einer Beruhigung führen. Wenn Böcke sich auf großem Raum nicht vertragen, kann zwar eine Kastration versucht werden, innerhalb von ca. 2 - 6 Wochen sollte das Tier sich beruhigt haben und das Rudel wieder zusammen finden. ist das nicht der Fall, dann hilft nur eine neue Gruppenzusammenstellung. Eine Kastration um Geruch, Brommseleien oder Markieren zu verhindern, ist ebenfalls sinnlos, eine Kastration verändert das Rudelverhalten eines Meerieböckchens häufig nicht! Allerdings kann eine frühe Kastration mitunter massiven Rangordnungsproblemen bei Jungböcken vorbeugen: Regeln zur Haltung von Bockgruppen.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema Kastration bei Meerschweinchenböcken finden Sie hier:
Die Kastration beim Meerschweinchenbock von Dr. med.vet. Wenzel

Gewicht

Meerschweinchen haben eine durchschnittliche Körperlänge von ca. 20 - 35 cm. Folgende Gewichte gelten als normal: Weibchen zwischen 700 - 1200 g und Böckchen zwischen 800 - 1600 g, natürlich gibt es auch Leichtgewichte und sehr robuste Damen und Herren. Vor allem Cuymixe können durchaus auch viel mehr wiegen. Es gibt also kein Idealgewicht für Meerschweinchen.

Ob ein Meerschweinchen zu viel oder zu wenig wiegt, hängt nicht vom Gewicht, sondern von seinen Proportionen ab!

Untergewicht:
Zeichen für Untergewicht sind:

  • Das Schweinchen fühlt sich knochig an, wenn man es umfasst.
  • Die Knochen können leicht ertastet werden, vor allem sieht und fühlt man die Wirbelsäule, diese sticht hervor (da die Muskeln sich bei Unterernährung zurück bilden, ist der Rücken auch häufig gekrümt).
  • Das Becken steht spitz ab und ist knochig.
  • Die Nase steht spitz hervor.

Meerschweinchen mit deutlichen Untergewichtszeichen sollten dringend langsam zunehmen. Dies wird natürlich vor allem mit einer hochwertigen Ernährung erreicht, das Tier wird langsam an eine gesunde Ad libitum Fütterung herangeführt. Die vermehrte Gabe von Kräutern und Grünfutter liefert Proteine, Knollengemüse wie Möhren, Fenchel, rote Beete und Wurzeln liefern Kohlenhydrate, Fettfutter wie Samen und Kerne bauen das Fettgewebe auf. Es wird aber nicht vermehrt Trockenfutter/Fertigfutter gegeben, das lähmt den Darm, ist schwerer zu verdauuen und führt bei alten Tieren sogar mitunter zur Gewichtsabnahme. Nimmt das Tier über einen längeren Zeitraum ab, oder nimmt es nicht zu, dann sollte dringend eine Kotprobe beim Tierarzt auf Hefen und Darmparasiten untersucht werden.

Übergewicht
Zeichen für Übergewicht sind:

  • Das Tier fühlt sich schwammig und weich an wenn man es anfasst.
  • Es hat ein übergroßes, wabbeliges Kinn (eine Wamme).
  • Der Bauch bis zum Boden und über den Füßchen hängen Fettwulste (man kaum noch unten durch schauen wenn es läuft).
  • Die Hinterfüßchen biegen stark zur Seite weg und sind mitunter auch nach Außen fehl gestellt.

Tiere mit solchen Merkmalen sind eindeutig fett. Solche Tiere benötigen vor allem eine ausgewogenere Ernährung (Heu, Grünfutter, wenig Fettfutter, kein Trockenfutter) und meist vor allem viel Bewegung. Meerschweinchen, die sich viel bewegen werden selten zu fett.

Meerschweinchen sollten einen festen, länglichen bis leicht birnenförmigen Körperbau haben und sich fest anfühlen.
Auch wenn die Tiere groß sind, der Bauch rund ist und sie schwerer als die angegebenen Gewichte sind, heißt das nicht, dass sie auch zu fett sind. Bekommen die Tiere viel Bewegung, dann bekommen sie auch Muskelmasse. Gerade jüngere, ausgewachsene Tiere zwischen 1,5 und 4 Jahren sind häufig sehr schwer und groß, was kein Fehler ist - sie müssen dann auf keinen Fall auf Diät! Ältere Tiere ab 5 - 6 Jahre nehmen dann meist ohnehin wieder ein wenig ab.