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Vergesellschaftung

Hatten Sie bisher ein Meerschweinchen in Einzelhaltung oder wollen Sie ein neues Meerschweinchen in eine bestehende Gruppe eingewöhnen? Dann können die Tipps auf dieser Seite sicher weiter helfen.

Welche Kombination passt?

Die natürlichste Haltungsform für Meerschweinchen sind mehrere Weibchen mit einem Bock. Mehr dazu können Sie hier nachlesen: Meerschweinchen / Soziales.

Weibchen
Zwei und mehr Weibchen verstehen sich in der Regel gut miteinander. Deshalb sind Gruppen mit mehreren Weibchen fast immer möglich und ihre Vergesellschaftung geht häufig relativ problemlos von statten. Junge Weibchen ordnen sich normalerweise unverzüglich den älteren Tieren unter, das Alter ist also bei einer solchen Vergesellschaftung unrelevant. Es sollte aber bedacht werden, dass es in Zweiergruppen keinen Sinn macht, zu einem sehr alten Tier ein Baby dazu zu setzen, das Baby würde sich mit dem alten Tier langweilen und das alte Tier evtl. auch überfordern. Hier sollte darauf geachtet werden, dass Jungtiere zusammen sind und ältere Tiere zusammen sind. Bei größeren Gruppen darf und sollte es gern gemischt sein. Mehrere Jungtiere können hier die älteren Damen ein wenig auf Trab bringen. Mitunter sind Weibchen etwas zickig untereinander, ein Kastrat kann Ruhe in so eine Gruppe bringen. Allerdings muss klar gesagt werden: "kann", das heißt, es ist ebenso möglich, dass der Kastrat von dem ranghohen Weibchen nicht akzeptiert wird und so vorrübergehend noch mehr Unruhe in die Gruppe kommt.

Böcke
Bockgruppen sind möglich. Zwei Böcke die von klein auf (vor der 10. Lebenswoche) zusammen sind, vertragen sich häufig gut miteinander. Allerdings kommt es mitunter im Alter von ca. 2 - 2,5 Monaten, mit ca. 6 Monaten und manchmal auch mit einem Jahr noch zu Rangstreitigkeiten. Werden alle Regeln zur Bockhaltung eingehalten, dann verlaufen diese Streitigkeiten häufig harmlos. Die Regeln zur Bockhaltung sind hier zu finden: Reine Bockhaltung bei Meerschweinchen?. Einzelne ältere Böcke lassen sich kastriert gut in eine reine Weibchengruppe integrieren. Es ist ebenfalls möglich, älteren Böckchen einen jungen Bock bis 8/10 Wochen dazu zu gesellen. Mitunter kommt es dort aber auch zu Rangproblemen, wenn der Jungbock in die Pubertät kommt. Größere Bockgruppen sind im Grunde auch möglich, allerdings sind diese für Laien nicht zu empfehlen. Sie benötigen sehr viel Platz viel Fachwissen, viel Meerschweinchenverstand für so eine Gruppe. Bei großen Bockgruppen hat es sich durchaus auch als sinnvoll erwiesen, die Böcke kastrieren zu lassen, die Rangstreitigkeiten verlaufen dann harmloser. Es ist allerdings nicht sinnvoll, einmal zerstrittene Altböcke kastrieren zu lassen, meist hilft die Kastration da nicht mehr. Die meisten Bockprobleme werden durch ungeeignete Gehegeeinrichtungen (siehe z.B.: Häuser) hervorgerufen!

Gemischte Gruppe
Grundsätzlich ist es fast immer möglich, einen kastrierten Bock mit mehreren Weibchen zusammen zu halten. Unkastrierte Böcke sollten nicht mit Weibchen zusammen gehalten werden, siehe auch ->Nachwuchs.

Die Kombination mehrere Böckchen mit mehreren Weibchen ist für Laien nicht zu empfehlen. Die Böcke streiten sich im Normalfall um die Weibchen und es kommt zu tödlichen Revierkämpfen zwischen den Böcken. In sehr großen Gehegen (ab 10 m²) ist es mitunter möglich, zwei Böcke mit mehreren Weibchen zu halten. Drei Weibchen pro Bock sollten vorhanden sein, die Böcke müssen sehr gut sozialisiert und in Rudeln aufgewachsen sein. Mitunter klappt sowas wenn Jungböcke vor der Geschlechtsreife kastriert wurden und dann in der Gruppe bleiben. Aber das klappt nur selten, leider passiert es sogar da häufiger, dass es zwar kaum massive Kämpfe gibt, aber der unterlegene Bock unter der Haltung und der Dominanz des überlegenen Bockes so sehr leidet, dass er anfälliger auf Krankheiten ist und massiv gestresst wirkt. Mehr Infos zu Gemischtgruppen bekommen Sie hier: Nadia`s Gartenzwerge / Verhalten von männlichen Hausmeerschweinchen

Kaninchen oder andere Tiere zum Meerschweinchen?
Grundsätzlich gilt - ein Meerschweinchen braucht immer einen Artgenossen. Halten Sie deshalb niemals ein Meerschweinchen einzeln mit einem anderen Tier wie z.B. einem Kaninchen zusammen! Unter bestimmten Umständen können Sie Meerschweinchen mit anderen Tieren im gleichen Raum halten. Mehr Informationen dazu bekommen Sie hier: Meerschweinchen und andere Tiere.

Vor der Vergesellschaftung

Neue Meerschweinchen, welche in eine größere Gruppe vergesellschaftet werden sollen, gehören vorab für mindestens zwei Wochen in Quarantäne. Auch wenn Ihr Meerschweinchen aus einem gutem Stall kommt, kann es Krankheitskeime in sich tragen, die in Ihrem Stall nicht vorkommen. Durch Nichteinhaltung der Quarantäne hat sich leider schon so mancher Meerschweinchenbesitzer schlimme Krankheiten in die Gruppen geholt. Meerschweinchen aus unbekannter Herkunft (Fundtiere) müssen leider für vier Wochen in Quarantäne. Während der Quarantäne haben die Meerschweinchen keinen Kontakt zueinander und sind räumlich getrennt. In der Quarantänezeit haben Sie die Möglichkeit das/die neuen Meerschweinchen besser kennenzulernen. Es ist notwendig, auf jedes Krankheitszeichen besonders gut zu achten: ist der Kot gut geformt, die Nase trocken, benimmt sich das Tier normal, ist das Fell dicht und glänzend? Die einzige Ausnahme sind Babys, diese sollten auf keinen Fall einzeln in Quarantäne gehalten werden, ein erwachsenes Tier sollte ihnen dazu gesellt werden! Zwei Einzeltiere, die als Kleingruppe zusammen leben sollen, können auch sofort vergesellschaftet werden.

Das Wichtigste bei der Zusammenführung ist, dass die Meerschweinchen ausreichend Platz haben um sich aus dem Weg zu gehen und dass keine Fallen im Gehege vorhanden sind!

Leben die Meerschweinchen dauerhaft in einem Gehege, das kleiner als 0,5 m² Bodenfläche (Etagen werden nicht mitgezählt!) pro Tier ist, hat es sich als sinnvoll erwiesen, die Zusammenführung außerhalb des Geheges im Auslauf durchzuführen oder zumindest noch einen großen Auslauf an das Gehege anzubauen. Benötigt wird idealerweise ein Auslauf mit mindestens 1 m² Grundfläche pro Tier (-> Klappauslauf). Ist das Gehege größer als 0,5 m² pro Tier, sollten Sie es vor der Zusammenführung einfach nur gründlich säubern. Empfehlenswert ist dafür Essigwasser oder Zitronensäure: Das reinigt, desinfiziert und verdeckt Gerüche. Verwenden Sie keine Chemie, diese wirkt sich eher ungünstig auf die empfindlichen Tiernasen aus!

Das vorbereitete Vergesellschaftungsgehege wird ausschließlich mit Einrichtungsgegenständen bestückt, durch welche die Meerschweinchen hindurch rennen können. Korkhalbröhren, Weidenzweigröhren, Etagen und große Häuser, die auf jeder Seite einen großen Eingang haben, sind optimal (dazu können einfach unbedruckte Kartons, in denen vorher Lebensmittel gelagert waren (also keine Waschpulver oder Seifenkartons) zurecht geschnitten werden). Häuser mit nur einem Eingang sind hingegen völlig tabu! Weshalb Häuser gefährlich sind, können Sie hier nachlesen: Kritischer Faktor Haus.

Im Gehege verteiltes Futter weckt Aufmerksamkeit und lenkt ein wenig vom Neuling ab. Verteilen Sie also großzügig Gemüse und Grünfutter im Gehege. Bieten Sie mehrere Heuberge an, damit gestresste Tiere sich immer mit Futter ablenken können.

Mitunter wird dazu geraten, den Neuling mit dem urinnassen Streu der vorhandenen Meerschweinchen abzureiben, damit er einen bekannten Geruch annimmt. Das brachte hier aber zumindest keine Verhaltensänderung.

So nicht!

Wir möchten dringend davon abraten, Parfüms, Puder oder Sprays einzusetzen, diese enthalten Alkohol und andere giftige Stoffe, welche den Tieren sehr schaden können. Außerdem irritieren Duftstoffe die Meerschweinchen sehr was wiederum auch zu Aggressionen führen kann.

Die Meerschweinchen sollten im Normalfall nicht Gitter an Gitter untergebracht werden, was leider noch geraten wird. Die Tiere sind dann nur noch verwirrter und könnten Aggressiv werden, weil sie ihren Rang auskämpfen möchten und das durch das Gitter nicht können, so sehen sie nur den Fremdling und können nicht mit ihm kommunizieren.

Mitunter wird dazu geraten, zwei Meerschweinchen die zusammen geführt werden sollen, vorab auf den Schoss zu nehmen und nebeneinander sitzend zu streicheln. Auf dem Schoss kommt es für die Meerschweinchen zu einer Stresssituation, in der sie in Starre verfallen und vor Angst kuscheln sie sich sogar zusammen. Ebenso kuscheln sich die Meerschweinchen ängstlich zusammen, wenn sie einfach in einen kleinen Transporter verfrachtet werden, der womöglich noch bewegt wird. Aber diese Form der eher gewaltsamen Zusammenführung lehnen wir als unnötig ab.

Es ist auch nicht ratsam, die Meerschweinchen einfach in ein vorhandenes kleines Gehege oder nur einen vorhandenen Kaufkäfig zu setzen. Bei kleineren Gehegen kann das zu großem Stress führen. Sicher beißen sich die Tiere nur selten und es kommt häufig nur zu massiven Jagerreien - aber stressfreier ist eine vorsichtige Vergesellschaftung mit viel viel Platz auf jeden Fall für die Tiere! Bei Etagengehegen sollten die Etagen erst einmal nicht verbunden werden, denn an den Rampen kommt es häufig zu Streit.

Die Vergesellschaftung - zusammen im Gehege oder Auslauf

Auf alle Fälle sollten Sie bei der ersten Begegnung dabei sein und bleiben, für minestens 6 - 8 Stunden sollten Sie das Geschehen im Auge behalten. Vertragen sich die Meerschweinchen bis dahin, werden wohl auch im folgenden keine größeren Kämpfe mehr stattfinden. Zwar kommt es häufig noch später zu kleinen Reibereien und manchmal knallt es auch erst nach ein oder zwei Tagen, aber das bleibt für gewöhnlich harmlos. Echte Probleme zwischen den Tieren - also klare Abneigung - zeigt sich häufig in den ersten Stunden sehr deutlich. Der ideale Zeitpunkt für eine Vergesellschaftung sind also die Morgenstunden, da das Gehege dann den ganzen Tag beobachtet werden kann. Nehmen Sie sich für die Vergesellschaftung zwei Tage frei oder führen Sie diese am Wochenende durch.

Bevor Sie mit der Vergesellschaftung beginnen, machen Sie einen umfassenden Gesundheitscheck. Schreiben Sie die Gewichte der Tiere auf, kürzen sie bei Bedarf die Krallen und schreiben Sie sich Besonderheiten auf. Beim nächsten Gesundheitscheck können sie dann besser fest stellen, ob Tiere aus der Gruppe stark unter Stess stehen (Gewichtsabnahme) oder ob neue Gesundheitsprobleme aufgetreten sind. Langhaarigen Meerschweinchen sollte das Fell auf ein normales Maß gekürzt werden, so wirken sie nicht zu imposant und das Fell kann sich nicht beim Streit verknoten.

Lassen Sie die Neulinge ein paar Minuten vor den alteingesessenen Meerschweinchen in das frisch gereinigte Gehege. So können die neuen Tiere das Terrain kennen lernen und Fluchtwege erkunden. Setzen Sie dann möglichst gleichzeitig alle Tiere zusammen, verteilen Sie Futter und beobachten Sie das Geschehen.

So könnte es während einer Vergesellschaftung aussehen:
Nicht selten tun die Schweinchen erstmal so, als wäre gar nichts geschehen und versuchen, das Problem regelrecht wegzuignorieren. Aber schon bald werden die Tiere aufeinander treffen, der Neuling wird beschnüffelt und versucht ebenfalls, die ihm fremden Meerschweinchen zu beschnüffeln. Zuerst treffen sich die Nasen und die Tiere schnüffeln im Gesicht, sobald bemerkt wird, dass ein Fremdling gegenüber steht, schlagen die Schweinchen meist mit ihren Köpfen hoch und fangen dann mitunter auch an, mit den Zähnen zu klappern. Entweder laufen sie dann los, häufig sogar in verschiedene Richtungen und die Konfrontation ist erstmal beendet. Manchmal läuft auch eins der Tier dem anderen hinterher und versucht aufzureiten. Vor allem ranghohe Weibchen und Böcke versuchen aufzureiten, sie laufen häufig lange und intensiv brommselnd hinterher, während das gejagte Tier meist zeternd davon läuft. Gelingt dem Meerschweinchen das Aufreiten, ist der Rang für gewöhnlich geklärt und das neue Meerschweinchen ist ins Rudel aufgenommen (bzw. ist der Bock neu, hat er die Sache dann für sich entschieden). Meerschweinchenweibchen heben bei allzuaufdringlichen anderen Weibchen und vor allem bei nervigen Böcken die aufreiten wollen oft den Po und pinkeln den Verfolger an. Das ist harmlos und kommt recht häufig vor.Den meisten anderen Rudelmitgliedern reicht das Köpfe hochreißen und weg jagen aus. Während einer Vergesellschaftung reagieren auch Rudelmitglieder die sich lange kennen häufig gestresst und es kommt auch zwischen Freunden mitunter zu kleinen Reibereien die aber für Gewöhnlich harmlos sind.

Es ist aber auch möglich, dass sich die Meerschweinchen powackelnd gegenüber stellen, dabei stellen sie sich leicht seitlich um größer zu wirken, das Nackenfell wird gesträubt, Weibchen zetern dabei, Böcke brommseln eher. Beide Geschlechter klappern auch mit den Zähnen um zu drohen. Die Tiere heben die Köpfe und versuchen sogar, sich anzuspringen und zuzuschnappen. Im Normalfall gehen die Tiere dann aber schon auseinander und das unterlegene Meerschweinchen läuft weg. Nur selten bilden die Meerschweinchen nach so einer Konfrontation ein Knäul und versuchen sich zu beißen - dann muss der Halter allerdings sofort einschreiten. Häufig reicht es aus, die Kontrahenten mit Heu zu bewerfen. Das irritiert die Meerschweinchen meist so sehr, dass sie einfach anfangen das Heu zu fressen und sich dabei beruhigen. Sind die Tiere so nicht zu trennen, klatschen Sie kurz in die Hände oder rufen Sie laut. Nur im Notfall wird direkt dazwischen gegangen, versuchen Sie, eine dicke Pappe oder ein Brettchen zwischen die Tiere zu bekommen und sie so zu trennen.

Grundsätzlich wird während der Vergesellschaftung viel gemuigt, gezetert, gebrummt und gequietscht. Es kommt sogar vor, dass Rudelmitglieder versuchen, die neuen Meerschweinchen leise zu beruhigbrommseln oder die Tiere muigen sich freundlich an. Weibchen zetern kaskadenartig laut miteinander. Mehr über die einzelnen Lautäußerungen und das Verhalten allgemein können Sie hier nachlesen: Meerschweinchen Verhalten.

Wenn die Vergesellschaftung durch das laute Gemuige und das wilde durchs Gehege jagen bedrohlich wirkt, greifen Sie bitte nicht ein, die Tiere müssen ihre Rangordnung so klären!

Auch wenn die Meerschweinchen etwas gestresst wirken und sich häufiger jagen, so lange sich die Tiere keine Wunden zufügen dürfen Sie nicht einschreiten! Es kann mitunter einige Tage dauern, bis wirklich wieder Ruhe in die Gruppe einkehrt. Haben Sie die Tiere im Auslauf vergesellschaftet und verstehen sich die Meerschweinchen im Auslauf, können sie in ihr zukünftiges Wohngehege gesetzt werden.

Probleme

Kleine Wunden im Gesicht und an den Ohren sind noch kein Zeichen für ein ernsthaftes Problem. Meerschweinchen schnappen bei Streitigkeiten häufig kurz zu und es ist eher ein Unfall, wenn dabei das Gesicht oder die Ohren verletzt werden, da diese nicht durch eine dicke Fellschicht geschützt werden. Wenn die Tiere sich nach so einem Biss relativ ruhig verhalten, ist die Vergesellschaftung ist noch nicht gescheitert und es wird nicht getrennt! Die Wunden müssen Sie gut beobachten. So lange sie einfach trocken abheilen, ist keine weitere Behandlung nötig, Sie können die Wunden desinfizieren oder auch mit Bephanten oder einer anderen Heilsalbe versorgen. Nur wenn die Wunden anschwellen, heiß werden und deutlich Entzünden oder es nicht nach kurzer Zeit aufhört zu bluten und die Wunde so groß ist, dass sie genäht werden muss, ist ein Tierarzt aufzusuchen. Dann wird nach einer kurzen Trennung ein weiterer Vergesellschaftungsversuch unternommen.

Bisse am Rücken/Hinterteil und auch im Halsbereich hingegen zeigen deutlich, dass ein unterlegenes Tier gejagt und massiv angegriffen wurde. Die Meerschweinchen müssen sofort getrennt werden. Ein weiterer Versuch kann einige Tage später unternommen werden. Sollte das allerdings nicht innerhalb weniger Tage zu einer Vergesellschaftung führen, dann passen die Tiere einfach nicht zusammen und es sollten dann keine weiteren Vergesellschaftungsversuche unternommen werden. Trennen Sie die Tiere dauerhaft und gesellen Sie beiden Parteien neue Partner dazu (häufig passiert das bei Böcken, dann sollten sie kastriert werden und Weibchen dazu bekommen).

Bedenken Sie, nicht alle Meerschweinchen vertragen sich, Sie würden sich ja sicher auch nicht mit jedem beliebigen Menschen vertragen. Also falls Ihre Tiere sich dauerhaft nicht vertragen, gönnen Sie bitte jedem Tier sein eigenes Reich und neue Partner.

Fehler, die Halter leider oft machen

Eine Vergesellschaftung ist oft sehr aufregend, aus dieser Aufregung heraus reagieren viele Halter zu menschlich - und machen dadurch Fehler, welche die Vergesellschaftung verzögert oder sogar verhindert. Wir gehen hier auf die häufigsten Fehler kurz ein:

Falsche Verstecke - Sackgassen

Alle Kisten, Häuser und andere Verstecke müssen unbedingt mindestens 2 Ausgänge haben. Sonst werden sie zu regelrechten Fallen. Flüchtet ein Meerschweinchen in ein Versteckt, mit nur einem Ausgang und folgt das andere Meerschweinchen nach, kann das unterlegene Tier nicht mehr flüchten, da das überlegene Tier den Eingang/Ausgang blockiert. So wird es wieder zu Kämpfen kommen, da das Tier in der Sackgasse sich einen Weg nach draussen erkämpfen muss. Idealerweise sind also Türen so anzubringen, dass ein unterlegenes Tier nach hinten weglaufen kann! Besser als Häuser sind allerdings Etagen, Röhren, Halbröhren, Weidenbrücken und große Kartons bei denen auf jeder Seite eine große Öffnung vorhanden ist geeignet.

Ebenso ist die Anzahl der Unterschlüpfe sehr wichtig. Jedes Tier muss mindestens einen Unterschlupf vorfinden, wo es sich kurz entspannen und der Situation aus dem Weg gehen kann.

Falscher Vergesellschaftungsort

Nicht selten werden die Tiere einfach zusammen in einen Käfig gesetzt, wo das/die alteingesessene Meerschweinchen schon ihr Revier haben. Das geht nicht immer gut, da jedes Meerschweinchen sein Revier verteidigen wird. Vor allem in kleinen Käfigen kommt es dann zum Streit.

Mitleid - Unterbrechungen beim Vergesellschaften

Mitleid ist eines der größten Probleme überhaupt. Der Halter, der seine Tiere liebt, erträgt es nur schwer, dass sie miteinander kämpfen und das unterlegene Tier gestresst und mit gesträubtem Fell in der Ecke sitzt. Also machen viele Halter den Fehler, die Vergesellschaftung dann zu unterbrechen, damit das unterlegene Tier sich erholen kann. Das ist ein sehr fataler Fehler, denn die Meerschweinchen können so ihre Rangordnung nicht abschließend klären und nach jeder Trennung muss neu vergesellschaftet werden.

Solche Unterbrechungen (mitunter werden die Tiere sogar über Nacht wieder getrennt, weil der Halter dann nicht dabei sein kann und Angst hat, dass dann "was passiert") können sogar schlimmstenfalls den Misserfolg der Vergesellschaftung herbeiführen, da diese Trennungen und Neuvergesellschaftungen die Aggressionen bei den Tieren hochkochen läßt.

Abschließend

Eine Vergesellschaftung kann unter Umständen ein wenig länger dauern. Wenn sich die Tiere aber überhaupt nicht verstehen, sollten Sie es evtl. mit anderen Partnern versuchen. Deshalb ist es sehr wichtig, sich vor dem Kauf zu informieren, ob man schlimmstenfalls das Meerschweinchen umtauschen kann. Kaufen Sie von vornherein nur dort, wo sich Ihr Meerschweinchen selber den Partner fürs Leben aussuchen kann und evtl. das neue Tiere zurück genommen wird.

Viele Tierheime, Notvermittlungsstellen und Züchter bieten mittlerweile an, dass Sie Ihr Meerschweinchen mitbringen und sich Ihr Meerschweinchen seinen neuen Partner selber aussuchen kann, so entstehen die schönsten Freundschaften. Allerdings muss bedacht werden, dass die Meerschweinchen sich in der fremden Umgebung oft nicht so verhalten, wie sie es Zuhause tun würden. Außerdem ist die Fahrt in ein Tierheim/zum Züchter für das Meerschweinchen anstrengend - und natürlich stehen sie dann extrem unter Stress. Mehr als ein Versuch kann und sollte dabei auch nicht unternommen werden. Denn nach einem missglückten Versuch sind die Meerschweinchen oft so gereizt, dass selbst der Traumpartner dann keine Chance mehr hätte.