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Bockgruppenhaltung beim Meerschweinchen

Normalerweise würden sich Böcke nicht zu reinen Bockrudeln zusammenfinden. Aber nicht jeder Bock kann kastriert einer Weibchengruppe dazu gesellt werden, da im Schnitt genau so viele Böcke geboren werden wie Weibchen. Deshalb ist es leider nötig reine Bockgruppen zu halten. Die Haltung von reinen Bockgruppen ist aufwendiger als die Haltung von Weibchen mit einem Kastraten. Böcke haben ein starkes Revierverhalten, es kommt häufiger zu ernsten Problemen, die Zusammenstellung der Gruppen ist aufwendig und muss jederzeit gut überwacht werden. Nur sehr erfahrene Halter erkennen Probleme rechtzeitig, sind in der Lage die Gruppen richtig zusammenzustellen und bei Problemen auch zu trennen. Deshalb gehören reine Bockgruppen nur in Hände von sehr erfahrenen Meerschweinchenhaltern. Bockgruppen sind für Meerschweinchenanfänger nicht geeignet! Vor allem die Haltung von Zweiergruppen, wie sie gern zur Problemvermeidung empfohlen wird, ist nicht tiergerecht, da Zweiergruppen nicht genug Abwechslung und auch keine echten Gruppenstrukturen bieten. Böcke sind trotzdem natürlich wundervolle und liebenswerte Heimtiere, viele Halter von reinen Bockgruppen schwärmen davon, wie ruhig und lieb Böcke sein können und das sie einen ganz anderen Charakter und Charme haben, als Meerschweinchenweibchen.

Gruppenzusammensetzung

Die Haltung von Böcken in Zweiergruppen hat sich bewährt, ist aber im Grunde für die Tiere langweilig und bietet wenig Abwechslung. Es ist deshalb empfehlenswert, größere Bockgruppen zu halten, vier Tiere sind optimal, es dürfen auch mehr werden. Allerdings kann es dabei zu massiveren Rangproblemen kommen und es gehört viel Erfahrung und Platz dazu, wenn man sich auf so eine Gruppe einlässt. Es muss immer damit gerechnet werden, dass die Großgruppe irgendwann doch auseinanderbricht und Kleingruppen gebildet werden müssen. Die Tiere für eine Großgruppe müssen gut sozialisiert sein und zusammenpassen.

Böcke die von klein auf in großen Gruppen leben und vor allem auch mit anderen Böcken zusammenleben, lernen eher, sich zu unterwerfen, Ränge anzuerkennen und sind meist wesentlich sozial verträglicher als Böcke, die früh von der Mutter und anderen Meerschweinchen getrennt werden. Vor allem Böcke, die mit wenigen Wochen von allen erwachsenen Tieren getrennt und als Baby in die Heimtierhaltung verkauft werden, bleiben meist unsozial! Sie können häufig nicht mehr in größere Bockgruppen integriert werden. Grundsätzlich sollten alle Babys die Chance bekommen, von erwachsenen Meerschweinchen das Sozialverhalten zu lernen. Deshalb sollten die Jungböcke frühkastriert werden und bis sie mindestens 2,5 Monate alt sind bei der Gruppe bleiben, oder zusammen mit Altböcken eine neue Gruppe bilden.

Böcke, die aus einem Wurf stammen oder früh vergesellschaftet wurden vertragen sich meist gut, allerdings kommen diese Tiere gleichzeitig in die Rappelphase (mit etwa 2,5 Monaten und bis 6 Monate) und dann knallt es zwischen den vorab friedlichen Brüdern. Normalerweise entwickeln sich die Jungs dann aber auch zusammen weiter und kriegen sich wieder ein. Auf keinen Fall dürfen sie wegen der kleinen Streitereien in der Rappelphase getrennt werden, solange sich die Jungs keine Wunden zufügen oder massive Verhaltensprobleme zeigen. Ältere Böcke akzeptieren Jungtiere meist schnell als Partner, denn das Jungtier ordnet sich erst einmal unter. Aber auch hier kommt es zu Problemen, sobald das Jungtier in die Rappelphase kommt. Auch ältere Böcke können miteinander vergesellschaftet werden, wenn alle Regeln der Vergesellschaftung und Bockhaltung eingehalten werden.

Kastration

Werden die Böcke vor der Geschlechtsreife kastriert, sind sie meist ruhiger und verträglicher in der Gruppe. Das gilt allerdings nicht, wenn sie direkt nach der Kastration ohne soziale Kontakte zu erwachsenen Tieren gehalten werden! Auch bei kastrierten Böcken, sowie natürlich bei unkastrierten, gibt es im Alter von etwa 2,5 und ab 6 Monaten sogenannte "Rappelphasen". Das sind Phasen, in denen die Böcke aufmüpfig werden und den Rang der älteren Böcke in der Gruppe anfechten. Wenn dann rechtzeitig, bevor die Situation in der Gruppe eskaliert, kastriert wird, kann das tatsächlich für Ruhe sorgen. Häufig werden allerdings bereits massiv aggressive Böcke, die sich schon richtig zerstritten haben, kastriert damit sie friedlicher im Umgang sind. Das wird allerdings nur dann helfen, wenn tatsächlich die Hormone der Grund für ein aggressives Verhalten sind. Allerdings sind die Hormone nicht immer Schuld an Problemen und Böcke die sich nicht in eine Bockgruppe einfügen und massiv kämpfen, werden nicht unbedingt bockgruppentauglich durch eine Kastration. Wird also ein älterer und unverträglicher Bock kastriert, oder werden die Böcke aus einer Gruppe erst dann kastriert, wenn die Situation in der Gruppe schon so weit eskaliert ist, dass die Tiere sich massive Wunden zufügen, ändert das am Verhalten der Tiere dann so gut wie nichts mehr und die Tiere müssen dann in neue Gruppen oder noch besser einzeln mit Weibchen vergesellschaftet werden. Das Sozialverhalten von erwachsenen Meerschweinchenböcken hat nur noch sehr wenig mit ihrer sexuellen Potenz und ihrem Hormonhaushalt zu tun. Also sollten Böcke für reine Bockgruppen rechtzeitig kastriert werden!

Ob Böcke sich verstehen und friedlich zusammenleben hängt allerdings in erster Linie von der Haltung ab. Ist das Gehege zu klein oder falsch eingerichtet, wird eine Kastration an dem Verhalten der Tiere kaum etwas ändern. Auch der Charakter eines Tieres spielt eine Rolle, es gibt einfach Machos, die sich mit anderen Böcken nicht vertragen. Hier spielt häufig auch die soziale Prägung eine Rolle - siehe oben.

Regeln zur Bockgruppenhaltung

  • Böcke brauchen sehr sehr viel Platz um sich auch mal aus dem Weg zu gehen, ein Gehege von 1 m² Bodenfläche pro Bock sollte vorhanden sein, ein größeres Gehege ist noch besser. Dabei gelten Etagen nicht als Bodenfläche und eine Gehegetiefe von mindestens 80 cm sollte eingehalten werden. Die Böcke müssen immer die Möglichkeit haben, sich gut aus dem Weg zu gehen, eine große Grundfläche hilft dabei. Etagengehege sorgen meist für Stress, enge Etagen (um die 50 cm Tiefe) sorgen dafür, dass die Böcke relativ nah aneinander vorbei gehen müssen. Die Rampen sind häufig ein Streitpunkt, da die Tiere sich auf der Rampe nicht aus dem Weg gehen können. Deshalb sind Etagengehege für die Bockhaltung ungeeignet. Das Gehege sollte ansonsten den üblichen Regeln für Meerschweinchengehege entsprechen und auch entsprechend strukturiert sein (siehe auch: Meerschweinchengehege).

  • Häuser und Heuraufen sind häufig ein Grund für Streitigkeiten bei Böckchen. Sitzt ein rangniedriger oder im Kampf unterlegener Bock in einem Haus und kommt das ranghöhere Tier in das Haus, dann muss der unterlegene Bock naturgemäß nach hinten ausweichen und dem ranghöheren Bock Platz machen. Wenn aber hinter ihm eine Wand ist, kann der unterlegene Bock nicht ausweichen. Er ist gezwungen, auf den überlegenen Bock zu zu gehen, um zu einer Tür zu kommen (deshalb bringen zwei oder mehrere Türen auf einer Seite eigentlich kaum eine Entspannung). Geht der unterlegene Bock aber auf den Überlegenen zu, wertet dieser das - seinem Instinkt entsprechend - als Angriff und greift dann seinerseits an. So kommt es, dass unterlegene Böcke häufig in Häusern angegriffen werden, nicht selten fangen die schlimmsten Beißereien in Häusern an. Auch wenn der unterlege Bock flüchten kann wird er mitunter noch durch den Käfig gejagt, flüchtet er wieder in ein Haus, geht der Stress von vorne los. Darum sollte auf Häuser verzichtet werden. Statt dessen werden sehr große und dunkle Etagen eingebaut. Unter den Etagen fühlen sich die Tiere sicher, gleichzeitig bieten sie genug Platz und Ausweichmöglichkeiten. Als weitere Unterschlüpfe können Korkhalbröhren und Zweigbrücken dienen. Grundsätzlich sind bei Böcken alle Arten von Unterschlüpfen sinnvoll, durch welche diese einfach hindurch rennen können. Lesen Sie dazu diesen ausführlichen Infotext: Häuser für Meerschweinchen.

  • Mehrere Heuraufen und Heukuschelecken, zwei Trinkflaschen oder Trinknäpfe, mehrere Futterstellen oder Futternäpfe und mehrere Unterschlüpfe sollten grundsätzlich im Bockgehege vorhanden sein, damit jeder Bock immer Zugang zu Futter und Wasser hat, auch wenn es Revierkämpfe gibt. Bei großen Gruppen sollten vor allem das Grünfutter und Gemüse im ganzen Gehege verteilt werden, damit auch rangniedere Böcke eine Chance haben, ohne Stress an das Futter zu kommen.

  • Sicherheitshalber sollten keine Weibchen im gleichen Raum wie die Böcke untergebracht werden. Es kommt zwar auch vor, dass Bockgemeinschaften direkt neben einem Damengehege friedlich bleiben, aber es besteht dann doch ein erhöhtes Risiko, dass es zu Rangkämpfen um die Weibchen kommt.

Natürlich sollten die Vergesellschaftungsregeln eingehalten werden, wenn Böcke zusammen gebrachtwerden.

Wenn alle Regeln eingehalten werden, leben Böcke meist sehr friedlich zusammen und nur selten kommt es zu Problemen. Natürlich muss "Mann" hin und wieder auf den Putz hauen, aber ernst zu nehmende Streitereien sind in konstanten Gruppen eher selten. Probleme gibt es meist nur bei pubertierenden Böcken und nach Vergesellschaftungen. Wenn durch einen Rangkampf die Rangordnung im Gehege neu geregelt wurde, kann es für ein bis zwei Wochen zu Stress in der Gruppe kommen, mitunter wird dann ein Tier massiver gejagt (meist der unterlegene Bock). Dieser Bock muss nur dann aus der Gruppe genommen werden, wenn sich die Streitigkeiten nicht innerhalb von 2 Wochen legen, er massiv an Gewicht verliert, krank wird oder es zu Bisswunden kommt.

Sicher gibt es auch sehr dominante Böcke, die sich nicht unterordnen und nicht in Bockgruppen einfügen lassen. Sollten zwei Vergesellschaftungsversuche mit Böcken fehlgeschlagen sein, ist es ratsam, den unverträglichen (kastrierten) Bock mit mehreren Weibchen zu vergesellschaften.