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Durchfall - Verdauungsprobleme beim Kaninchen

Wie erkenne ich dass mein Kaninchen Durchfall hat?

Häufig ist es dem Kaninchen selbst nicht sofort anzumerken, dass es erkrankt ist. Folgendes weißt auf ein Verdauungsproblem hin:

  • Im Gehege sind weiche Köttel zu finden.
  • Im fortgeschrittenem Stadium finden sich auch schmierige oder sogar breiige Kotabsonderungen.
  • Auch kleine Köttel, Köttelketten, ein sehr strenger Kotgeruch und das vermehrte Ausscheiden von Blinddarmkot sind ein Hinweis auf Verdauungsbeschwerden.
  • Hat das Kaninchen sehr schweren Durchfall ist das Fell am After verschmutzt und häufig ist der Kot flüssig und stinkt massiv.
  • Das Kaninchen zeigt Schmerzen. Es klappert mit den Zähnen, es wirkt teilnahmslos, verweigert die Futteraufnahme.
  • Das Fell wirkt struppig, mitunter sabbert das Tier und es nimmt sehr stark und schnell ab.

Woher kommt der Durchfall?

Durchfall kann verschiedenen Ursachen haben:
  • Eine der häufigsten Ursachen ist, dass die Kaninchen eine schnelle Futterumstellung nicht verkraftet haben, gerade junge Tiere müssen sehr langsam an neues Futter (Frischfutter/Grünfutter) gewöhnt werden, da sonst der Darm kollabiert. Siehe auch: Futterumstellung.
  • Im Sommer ist häufig die ungewohnte Gabe von frischem Wiesengrün der Grund für Durchfall. Kaninchen müssen vor dem Raussetzen auf die Wiese erst langsam an frisches Gras und Grün etc. gewöhnt werden! Siehe auch: Kleine Graserei / Umstellung.
  • Gespritztes und nur unzureichend gewaschenes Gemüse oder Obst (also eine Vergiftung), oder nicht gut abgetrocknetes Gemüse und Grünfutter kann u.U. Durchfall auslösen.
  • Mitunter ist eine Bakterielle Infektion der Grund für Durchfall (Colibakterien), dann sollte auf alle Fälle eine Kotprobe untersucht werden und evtl. ist eine Behandlung mit Antibiotika nötig.
  • Ebenso kann es sein, dass das Tier eine andere Erkrankung hat und der Durchfall also ein Folge der Schwäche ist. In diesem Fall also durch die andere Krankheit das Immunsystem soweit geschwächt ist, dass sich Fehlernährung negativ auf den Darm auswirken kann.
  • Bei vorhandenen anderen Krankheiten wie Zahnfehlstellungen kann es zu Durchfall kommen, da dann ja auch eine Nahrungsumstellung durch die veränderte Nahrungsaufnahme stattfindet.
  • Durchfall kann durch Kokzidien, Giardien und Spulwürmer ausgelöst werden - eine Info dazu finden Sie hier: Darmparasiten.
  • Ein massiver Befall mit Hefepilzen kann ebenfalls Durchfall hervor rufen: Darmmykose (Hefepilzinfektion im Darm).
  • Ein häufiger Grund für Darmprobleme ist ebenfalls, dass die Kaninchen etwas für sie Schädliches gefressen haben: Plastik, Katzenstreu, andere giftige Einstreu, chemisch behandeltet Gegenstände, giftige Pflanzen, Zigaretten, etc.
  • Bewegungsmangel und Übergewicht ist oft auch ein Grund für Darmprobleme. Viel Bewegung hält auch den Darm in Schwung.
Der Hauptgrund für ständig wiederkehrenden Durchfall ist allerdings in den meisten Fällen eine grundsätzlich falsche Fütterung der Tiere. Getreide und/oder melassehaltiges Trockenfutter und Snacks wie Joghurtdrops und Knabberstangen sorgen dafür, dass der Darm nicht vernünftig arbeiten kann. Es wird zu wenig Wiesengrün Grünfutter angeboten und nur eine sehr eingeschränkte Auswahl an Gemüse. Auch minderwertiges Heu ist ein häufiger Grund für Darmprobleme. In dem Fall hilft nur eine langsame Umstellung auf eine gesunde Ernährung der Tiere.

Megacolon Syndrom
Diese Erbkrankheit kommt bei weißen und weißgescheckten Tieren (z. B. weißes Neuseeländer, Scheckenkaninchen verschiedene Größen) häufiger vor. Die betroffenen Tiere leiden von Geburt an unter einer Entwicklungsstörung. Sie nehmen schlecht zu und bleiben kleiner als Wurfgeschwister. Sie haben häufig Verdauungsbeschwerden in Form von matschigem Kot/Durchfall und Aufgasung. Trotz normaler Futteraufnahme nehmen sie durch den ständigen Flüssigkeitsverlust und der durch den Durchfall verkürzten Verweildauer der Nahrung im Darm nur schlecht zu und bleiben oft mager. Durch ihr schwaches Immunsystem erkranken Sie häufiger und leiden ebenfalls häufiger unter Parasitenbefall (Darm- und Fellparasiten). Hauptmerkmal der Krankheit ist der Vergrößerte Colon/Dickdarm und ein vergrößerter Blinddarm. Beides ist allerdings auf Röntgenbildern und im Ultraschall meist nicht gut zu erkennen. Die Lebenserwartung ist verkürzt. Eine Behandlung ist nicht möglich. Die Ernährung der Tiere sollte optimal sein, also kein Trockenfutter, statt dessen vor allem Grünfutter und Wiesengrün, wenig stark kohlenhydrathaltiges Gemüse, eher Blattsalate, als Beifutter Fettsamen. Ansonsten wird genau so behandelt, wie im weiteren Text beschrieben.

Wichtig:

Durchfall bei Kaninchen sollte niemals länger als 24 Stunden nach der Entdeckung ohne Tierarztbesuch behandelt werden, länger andauernder Durchfall führt zum Tode des Tieres (der Darm wird träge und stellt die Arbeit ganz ein)! Ist nach 24 Stunden keine eindeutige Besserung in Sicht, muss beim Tierarzt eine Kotprobe des kranken Tieres untersucht werden um die Ursache des Durchfalls einzugrenzen. Der Tierarzt wird wahrscheinlich eine Aufbauspritze geben wollen, das ist aber oft unnötig und verschlimmert die Lage nicht gerade selten. Werden Bakterien im Kot gefunden, ist eine Behandlung mit einem Antibiotikum sinnvoll. Am Besten vertragen wurden bisher bei den meisten Kaninchen eine Behandlung mit den Wirkstoffen Tetrazyklein, Marbofloxacin und Enrofloxacin. Bei einem Befall mit Hefepilzen wird meist Nyastin, bevorzugt als Saft, über einen Zeitraum von ca. 10 Tagen verabreicht.

Häufig wird zur Behandlung ein Spasmolytikum (z. B. Buscopan) angewandt. Wir haben damit keine guten Erfahrungen gemacht und in Fachärztekreisen wird eher davon abgeraten. Dieses Mittel lähmt den Darm der Kaninchen zu stark, es sollte also nur eingesetzt werden, wenn andere Mittel nicht wirken. Colosan kann sich positiv auf den Darm auswirken.

Eine Infusion kann ebenfalls sinnvoll sein um den Kreislauf des Kaninchens zu stärken.

Sofortmaßnahmen bei Durchfall:

Versuchen Sie die Ursache für den Durchfall abzuklären, überprüfen Sie vor allem das Futter des Tieres.

Ist ein Fütterungsfehler als Ursache fest gestellt worden, dann wird als erste Maßnahme der Fütterungsfehler behoben. Trockenfutter wird reduziert und dann langsam ganz abgesetzt. Das Kaninchen bekommt vor allem gewohntes Grünfutter und Heu, sowie einige Trockenkräuter. War Grünfutter (also Wiesengrün ohne Gewöhnung) der Grund für den Durchfall, wird dieses abgesetzt und dann langsam angefüttert. Nach 5 - 6 Tagen wird wieder Gemüse in größeren Mengen gereicht, zu Anfang Fenchel und Knollengemüse. Erst wenn der Kot wieder fest ist, werden auch wieder Blattgemüse und Gurken angeboten.

Ist der Kot übel riechend und weich bis flüssig und/oder wurde eine Infektion als Ursache für den Durchfall vom Tierarzt diagnostiziert, dann hat Flüssigkeitszufuhr oberste Priorität. Das Grünfutter darf nicht reduziert werden. Das Tier muss zur Flüssigkeitsaufnahme angehalten werden. Derart erkrankte Tiere nehmen meist nur wenig Nahrung zu sich und sind teilnahmslos und schlapp. Auf keinen Fall darf so ein Tier auf Diät gesetzt werden! Hier gilt: "Das Kaninchen darf alles fressen, was es mag, Hauptsache es frisst überhaupt". Erst wenn die Erkrankung ausgeheilt ist, wird ein Ernährungsplan erstellt. Das Tier wird auf eine gesunde Kost umgestellt und bekommt bis zur völligen Genesung keine neuen oder ungewohnten Futtermittel.

Sinnvoll sind täglich kleine Stückchen Fenchel, Reibeäpfel (kurz zum Anbräunen stehen lassen), dazu geriebene Karotte und Basilikum das regt den Appetit an. Etwas Baby-Karotten- oder Baby-Apfelbrei regt ebenfalls zur Futteraufnahme an (Äpfel und Karotten nicht bei Hefepilzen im Darm!).

Fenchel- und Kamillentee beruhigen den Magen-Darmtrakt und sollten immer warm (nicht heiß) und leicht verdünnt angeboten werden.

Die verschmutzte Afterregion ist zu reinigen (am besten mit einem feuchtem Waschlappen) da sonst an den Stellen Hautreizungen und Entzündungen entstehen können! Ist der After stark verklebt, muss das Tier sogar unter Umständen teilgebadet werden, wie das geht, können Sie hier nachlesen: Kaninchen Info/Pflege/Medizinische Bäder.

Flüssigkeitszufuhr

Das Tier muss vor dem Austrocknen (dehydrieren) geschützt werden. Sollte es nicht selber trinken, ist es Wichtig mehrmals am Tag mit einer Pipette oder Spritze Wasser, Kamillentee oder Fencheltee einzuflößen! Das Wasser mit Traubenzucker (z. B. Dextroenergen) vermischen (ca. 1/4 Tl am Tag). Ist das Tier dehydriert, d.h. ausgetrocknet, muss es sofort von einem Tierarzt mit einer elektrolytische Injektion behandelt werden! Eine Austrocknung des Tieres erkennt man, wenn beim Ziehen oder Zusammendrücken einer Hautfalte diese sich nicht mehr an den Körper anlegt, sondern stehen bleibt.

Darmflora:

Die beschädigte Darmflora der Kaninchen muss wieder aufgebaut werden. Dazu wird vom Tierarzt meist Bird Bene Bac verabreicht, dieses Gel besteht aus gefriergetrockneten Bakterien, welche der Darmflora helfen soll, sich wieder zur regulieren. Alternativ kann Omniflora N gegeben werden. Diese Kapseln für Menschen sind in der Apotheke rezeptfrei zu bekommen. Der Inhalt der Kapseln wird in Wasser aufgelöst. Bei akutem Durchfall wird 1/5 Kapsel pro 1 kg Tier über den Tag verteilt gegeben, bei abklingendem Durchfall wird die Hälfte der Menge gegeben. Ebenfalls als Aufbaupräparat geeignet ist ProPre-Bac.

Einfacher und gesünder wäre es natürlich, den Tieren Blindarmkot gesunder Kaninchen anzubieten, häufig versuchen die Kaninchen von sich aus, ihren Gehegegenossen diesen Kot zu stibizen. Als Mensch wird man da aber leider kaum dran kommen, aber es reicht auch aus, frische Köttel von gesunden Tieren aufzulösen und in den Päppelbrei zu mischen oder so zu verabreichen.

Mitunter wird behauptet, Joghurt würde sich positiv auf die Darmflora von Kaninchen auswirken - das stimmt nicht. Zwar stimmt es, dass im Joghurt die entsprechenden Bakterienkulturen lebend vorhanden sind und in Präparaten wie Omniflora oder Bird Bene Bac nur gefriergetrocknete Kulturen (die ebenfalls aus Milchprodukten gewonnen wurden) vorhanden sind. Aber: Kaninchen vertragen Milchprodukte wegen des hohen Anteils an Milchzucker (Lactose) nur sehr schlecht. Kaninchen haben eine Lactoseintolleranz (sie stellen nur bis zum Abstillen Laktase her, welche die Lactose aufspaltet). Lactose wird von Kaninchen im Dünndarm nicht ausreichend in Galactose und Glucose aufgespalten und gelangt unverdaut in den Dickdarm, dort wird sie dann von den Darmbakterien vergoren, was zu Blähungen und Durchfall führt. Auch geringe Mengen Joghurt können diesen Effekt beim Kaninchen haben und sind deshalb bei Darmerkrankungen eher kontraproduktiv. Wird ein Joghurt mit vielen Milchsäure-Bakterien (oder Lactosefreier Joghurt) angeboten, gelangen diese zu einem großen Teil mit in den Dickdarm und spalten dort weiter Lactose auf - die Gefahr von Blähungen und Durchfall sinkt, deshalb bekommen viele Kaninchen zwar von neuartigen Joghurtsorten keinen Durchfall und keine Blähungen mehr, aber der therapeutische Nutzen ist nicht gegeben, da nur ein geringer Anteil Bakterien überhaupt im Dickdarm ankommen und durch die Lactose der Darm zusätzlich belastet wird.

Meist haben die Tiere zusätzlich zum Durchfall noch starke Blähungen. Vorsichtshalber wird also immer ein Mittel gegen Gasbildung im Darm eingesetzt. Als gut verträglich gelten Medikamente mit dem Wirkstoff Simeticon (z.B. Lefax®, Sab Simplex® - immer als Lösung). 3 - 5 x tägl zwischen 0,2 und 0,4 ml vermischt mit der gleichen Menge Wasser werden direkt ins Mäulchen gegeben.

Zwangsernährung

Es kann im akutem Krankheitsfall dazu kommen, dass das Kaninchen die Nahrungsaufnahme verweigert, in dem Fall kann es nötig sein, das Tier vorübergehend zu päppeln. Wägen Sie gut ab, ob es wirklich nötig ist, päppeln bedeutet Stress und sollte wirklich nur im bei totaler Nahrungsverweigerung zum Einsatz kommen. Wie gepäppelt wird, können Sie hier nachlesen:
Zwangsernähren "Päppeln" bei Nahrungsverweigerung und Krankheit

Blinddarmkot!
Kaninchen haben zwei verschiedene Arten von Kot: runde, etwa erbsengroßen, braune Kotbällchen, das ist der normale Kot der Kaninchen, er kann verschieden Färbungen haben. Manchmal ist dieser Kot extrem dunkel, hart oder tropfenförmig, das weißt auf eine falsche Futterzusammensetzung oder eine Darmerkrankung hin. Dann gibt es noch den dunkleren, leicht glitschigen Kot, welcher aus kleinen, etwa linsengroßen Kugeln besteht, welche traubenförmig zusammen hängen, dieser Kot riecht meist recht extrem. Der Blinddarmkot wird normalerweise direkt am After aufgenommen, bei Stress, Krankheit, zu proteinhaltiger Kost und anderen gesundheitlichen Problemen, kann es dazu kommen, dass der Blinddarmkot nicht aufgenommen wird und im Gehege zu finden ist.