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Wie aus zwei Kaninchenweibchen doch noch Freundinnen wurden

Ein Erfahrungsbericht von Nadine Franz (17 Jahre)

Es war einmal eine grau-weiße Zwergkaninchendame namens Susi. Ihre ersten zwei Lebensjahre tristeste sie ein einsames Dasein in einem viel zu kleinen Außenkäfig ohne viel Auslauf und Zuwendung. Nachdem sich die Familie entschieden hatte Susi abzugeben, weil keiner sich mehr um die süße Kleine kümmern wollte, kam sie dann recht spontan zu mir. Mit allem Zubehör zog sie dann in unseren Garten. Das war im Sommer 2003. Ein Platz für den Stall war schnell gefunden.

Nun war die nächste Hürde ein neuer Stall. Aber in den Tierfachgeschäften gab es nichts Passendes. Entweder war der Stall zu klein oder zu teuer. Oder so schlecht verarbeitet, das wir dachten, wir könnten doch einen eigenen Stall bauen. Gesagt, getan.

Es wurde Holz gekauft und Schutzlack gegen die Witterung. Und dann ging es ans werkeln. Welche Größe sollte der Stall denn werden. Ich wälzte Bücher und suchte mir die passenden Maße raus. Als Dach kam ein Spitzdach mit Dachpappe drauf. Ich war zufrieden, was mein Vater und ich da zustande gebracht hatten. Aus dem restlichen Holz bauten wir dann ein stabiles, versetzbares Freigehege mit Deckel.

Jetzt konnte meine Susi sich endlich mehr bewegen. Leider war es inzwischen Winter und der Freilauf konnte nicht immer gewährt werden. So lebte die kleine jetzt besser als bei ihren Vorbesitzern. Aber irgendwie fehlte noch etwas. In allen Büchern stand: Kaninchen soll man nicht alleine halten. Davon war ich überzeugt. Also überlegte ich mir ob ich nicht ein weiteres Kaninchen hinzuholen sollte. Leider wusste ich nicht wie ich die Vergesellschaftung veranstalten sollte. Einen neuen Stall für die kurze Zeit zu bauen durfte ich nicht und irgendwie halfen mir die Bücher auch nicht weiter. Also blieb Susi noch ein Jahr alleine.

Im Juli 05 hatte mein Onkel zwei Kaninchen zur Pflege aus den zwei wurden dann 6 Kaninchen. Und er wusste nicht wohin damit. Da dachten meine Eltern holen wir uns doch eins von meinen Onkel. Wir fahren also zu meinem Onkel. Nun hatte ich die Qual der Wahl. Welches von den süßen Wollknäuel sollte ich mitnehmen. Ich nahm jedes auf den Arm und kontrollierte das Geschlecht. Da ich das bei so kleinen noch nie gemacht hatte war es ganz schön schwierig zu entscheiden was es denn nun wirklich war. Ich entschied mich für ein schwarzes Männchen. Mein Onkel, der die Kaninchen auf dem Balkon hielt gab mir dann noch einen Käfig mit, den ich dann solange in den Garten stellen konnte.

Nun stellte sich aber heraus, dass der kleine Strolch, dessen Name er von Susi und Strolch bekommen hatte, ein Weibchen war. So wurde aus Strolch, Strolchi. Leider habe ich dann überall gelesen, dass zwei Weibchen sich nur verstehen wenn sie Wurfgeschwister sind. Und alteingesessene Weibchen sollte man am Besten mit einem gleichaltrigen Männchen Vergesellschaften. Nun stand ich da mit meiner acht Wochen alten Strolchi. Wir haben dann einen neuen Stall gebaut und auf den alten drauf gesetzt. Da das Dach abnehmbar war, war das kein Problem.

So wie sollte es jetzt weiter gehen?

Am Anfang habe ich die beiden Mal in meinen Zimmer (neutralem Boden) laufen lassen. Da vertrugen sie sich ganz gut. So riskierte ich es die Beiden ins Freigehege zu stecken. Leider war das nicht so gut. Strolchi wurde nur gejagt. Und da das Freigehege zu klein war, hatte die Kleine keine Rückzugmöglichkeit. Also hatte ich nun zwei Kaninchen, die übereinander wohnten aber sich nicht mochten. So konnte ich immer nur eine von den beiden ins Freigehege stecken.

Dieses Jahr bestellte ich dann ein neues Freigehege aus einzelnen Elementen, das man mit Heringen verbinden konnte. Dann wurde noch ein Netz gekauft und es konnte losgehen. Als es mit Holzstäben und einem Häuschen ausgestattet war, habe ich einfach mal beide gleichzeitig rein getan. Das gab vielleicht eine Verfolgungsjagd! Strolchi ist sofort freundschaftlich auf Susi zugegangen aber die war alles andere als freundlich und jagte die Kleine fast ohne Pause durch das Freigehege. Es war sehr schwer das mit anzusehen, aber wenn ich jetzt dazwischen gegangen wäre, hätten sie sich vielleicht nie vertragen. Also wurde dieses zusammen treffen regelmäßig wiederholt. Nach einiger Zeit ging es dann und Susi hat Strolchi manchmal auch in Ruhe gelassen. Leider wollten sich die beiden sehr schlecht einfangen lassen. Und als ich mal wieder versucht habe sie wieder zurück in den Stall zu bringen, legten sie sich einfach nebeneinander hin. Ich war so perplex, dass sie nur 10cm auseinander lagen, dass ich sie dann erstmal in Ruhe ließ. Später konnte ich sie dann doch einfangen.

Das war im Frühling dieses Jahres. Leider kam dann die Regenzeit und ich konnte sie eine Zeitlang nicht ins Freigehege setzen. Nachdem das Wetter endlich wieder besser wurde, fing das Theater mit den Verfolgungsjagden wieder an. Meine Hoffnungen aus den beiden noch Freundinnen zu machen wurden immer weniger. Ich spielte sogar schon mit dem Gedanken Strolchi ins Tierheim zu geben, damit sie vielleicht einen anderen Kameraden bekam. Aber nach und nach hörten die Verfolgungsjagden auf und sie fraßen sogar schon Gras nebeneinander. Jetzt im Sommer 06 wagte ich es dann die beiden auch im Stall zusammen zu führen. Wir hatten hinten am Stall eine Treppe angebaut um somit die Ställe zu verbinden. Bis jetzt war die Treppe nur von einer Seite zu benutzen, weil es sonst zu heftigen Auseinandersetzungen der beiden gekommen wäre. Als erstes mistete ich beide Ställe aus und tauschte Susi nach oben und Strolchi nach unten. Nachdem sie so zwei Tage gewohnt hatten. Misstete ich den Stall noch mal komplett aus. Und öffnete dann die Verbindung. Es gab nicht ganz so schlimme Verfolgungsjagden wie ich es befürchtet hatte aber es ging.

Nun sind sie ein Herz und eine Seele. Strolchi orientiert sich total an Susi. Und die duldet die Kleine. Manchmal versucht Susi noch als Dominanzverhalten Strolchi zu besteigen. Wenn die klappte, führte das bei Strolchi zur Scheinschwangerschaft. Aber sonst verstehen sie sich gut.

Strolchi hat durch dieses ganze Geschehen jetzt kein Vertrauen mehr zu Menschen und lässt sich so ungern anfassen, geschweige denn einfangen. So habe ich mir eine Transportbox geholt und ihnen beigebracht selbst vom Stall in die Transportbox und abends vom Freigehege wieder rein zu springen. So gibt es keine Verfolgungsjagden um die Mümmelfrauen einzufangen. Das geht ganz ohne Stress. Für beide Seiten.

Ich wollte euch mit diesem Berich zeigen, dass es durchaus möglich ist, zwei fremde Kaninchenweibchen aneinander zu gewöhnen, wenn man einen großen Stall oder Käfig hat und viel Geduld und Zeit aufbringt. Allerdings ist es sicher sehr schwer und für die Tiere anstrengend, von daher sollte es nur eine Notfalllösung bleiben.

03.07.2006

Dieser Erfahrungsbericht, sowie die Fotos wurden uns freundlicherweise von Nadine Franz zur Verfügung gestellt. Der Text steht unter ihrem Urheberrecht! Es ist nicht erlaubt den Text ungefragt zu kopieren. Fragen zum Text können Sie direkt an Nadine richten, unter der Maialdresse: nadine_eins@web.de