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Kleine Graserei

Was beim Pflücken und Verfüttern von Gras und Wiesenkräutern beachtet werden sollte

Gras, Rasen, Wiese - alles dasselbe?

Nein, so einfach ist es nicht. Fangen wir mit den Gräsern an.

Gras ist ein Oberbegriff - als Gräser werden verschiedene Pflanzen bezeichnet. Als Tierfutter werden im Allgemeinen verschiedene Süßgräser verwendet. Auch unser Getreide gehört zu den Süßgräsern. Gräser wachsen fast überall auf der Erde und allein in Deutschland zählen wir um die 280 Arten. Leider werden nur sehr wenige Grasarten auf Heuwiesen angebaut. Nur wenige Gräser werden also als Futterpflanzen genutzt.

Rasen ist etwas, was der Kleintierhalter eigentlich nicht mag - meist eine Monokultur, wenige unterschiedliche Gräser die kurz gehalten werden damit sie eine schöne dicke, kurze und grüne Rasendecke bilden. Aus einem echten Zierrasen verbannen die Gärtner jedes "Unkraut" welches für unsere Tiere als Futtermittel am interessantesten wäre. Zwar kann den Tieren durchaus erlaubt werden, einen solchen Zierrasen ab zugrasen, aber wirklich hochwertiges Futter ist das normalerweise nicht.

Wiese, ja das ist es was der Tierhalter will. Auf einer echten Wiese finden wir nicht nur viele verschiedene Grassorten, sondern auch Blumen und Kräuter verschiedenster Art. Leider gibt es dort auch Pflanzen, die nicht vertragen werden, deshalb muss auf Wiesen eher vorsichtig gepflückt und gut drauf geachtet werden, was mitgenommen wird. Aber Wiesen sind als Heimtierfutter sehr ergiebig, sie werden häufig nur 1 - 2 x im Jahr gemäht und von daher wächst dort das Gras hoch und kräftig.

Vorab/Umstellung

Alle Tiere sollten im Frühjahr langsam an das frische Grün gewöhnt werden. Geben Sie den Tieren zuerst nur kleine Mengen Gras und frische Kräuter von der Wiese. Steigern Sie dann langsam die Mengen, damit der Darm der Tiere sich auf das Grün einstellen kann und die Tiere nicht zu viel auf einmal fressen.

Meerschweinchen und Kaninchen niemals ohne langsame Gewöhnung einfach auf eine Wiese zum Grasen setzen!

Die Tiere würden sich vor Freude über das frische Grün schlicht überfressen, es kommt zur Magenüberladung, ebenso kommt es zu Fehlgärung im Magen/Darm. Dadurch kann es zu Schmerzen, Durchfall, Blähungen und sogar zum Tod des Tieres kommen. Geben Sie also über mindestens eine Woche täglich langsam mehr Gras und Grünfutter und setzen Sie die Tiere erst auf die Wiese, wenn sie an dieses Futter gewöhnt sind.

Was bei feuchten Wiesen und beim Verfüttern von feuchtem Grünfutter zu beachten ist, können Sie hier nachlesen: Nasses Grünfutter für Kleintere?

Hinweise zum Gras sammeln

Das wird nicht gesammelt!

Gräser und Kräuter, welche direkt am Wegesrand wachsen, sollten aus folgenden Gründen nicht gesammelt werden:

  • An Feldrändern wachsen Löwenzahn und Co meist nur so gut, weil sie mitgedüngt werden. Chemischer Dünger ist giftig, organischer Dünger kann Parasiten, Schimmelsporen und hohe Bakterienkonzentrationen enthalten. Deshalb darf dort nur dann gepflückt werden, wenn die Düngung mindestens 3 Wochen her ist und es in der Zwischenzeit ordentlich geregnet hat, der Dünger sollte nicht mehr auf dem Feld zu erkennen sein.
  • Leider werden die meisten konventionell genutzten Felder auch mit unterschiedlichen Pflanzenschutzmitteln behandelt, deshalb ist hier auch Vorsicht geboten, auch Bioware wird teilweise behandelt, sie ist also nicht sicher. Deshalb sind solche Felder und deren Ränder eher zu meiden.
  • In der Stadt wachsen Gras und Kräuter am Rande von Wiesen und Grundstücken gut, weil die Hunde dort kräftig mitdüngen, was dazu führt, dass die Gräser und Kräuter zu Nitrathaltig sind - und Hundepipi mag kein Tier gern auf seinem Futter, außerdem könnten durch Kot und Urin natürlich auch Krankheiten und Parasiten übertragen werden.
  • An Straßenrändern sind die lecker aussehenden Futterpflanzen für gewöhnlich jeder Menge Autoabgasen ausgeliefert und auch gründliches Abwaschen befreit dieses Grün nicht von den Schadstoffen.
  • Futterweiden mit Vieh sollten auch gemieden werden. Hier sind viele Parasiten zu finden.

Gras aus dem Rasenmäher ist auch tabu:

  • Das meist sehr kurz geschnittenes Gras gärt schneller und fängt schon kurze Zeit nach dem Mähen an zu faulen.
  • Schon zwei Stunden nach dem Mähen finden im Mähergras Gärprozesse statt, welche für das Tier gefährlich werden können.
  • Rasenmäherklingen werden geölt - dieses Öl kommt natürlich auch auf das frisch gemähte Gras, das ist nicht nur unappetitlich, Motoröl im Tiermagen ist auch gesundheitsschädlich.
  • Rasenmäher geschnittenes Gras eignet sich auch durchgetrocknet nicht als Futter - aufgrund des Öls und auch der Benzinabgase, die beim Mähen mit Benzinrasenmähern an das Gras kommen.

Grünes Getreide - nur ungedüngt!

Zwar sind die grünen Getreidehalme ebenfalls als Futtergras geeignet, auf konventionell genutzten Feldern sind sie allerdings oft mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelt, sowie stark gedüngt und damit zu nährstoffreich (sie enthalten häufig zu viel Kalzium, Phosphor und vor allem Nitrate, die im Körper zu giftigem Nitrit umgewandelt werden). Wild wachsende, grüne Getreidehalme von ungüngten Wiesen können natürlich gern gesammelt und mit verfüttert werden.

Vorsicht:

Beim Grassammeln in der Natur sollte ebenfalls drauf geachtet werden, dass kein Ungeziefer wie Zecken mit Heim gebracht wird. Diese Blutsauger leben in hohem Gras und lassen sich leider nur schwer abschütteln. Sammeln Sie nicht unter Büschen - denn dort warten meist viele dieser Blutsauger auf Kundschaft. Ebenso sollte kein Gras von Wiesen mitgenommen werden, auf denen viele Kaninchen leben (diese Wiesen sind daran zu erkennen, dass sehr viele kleine runde Kaninchenköttel die Reviergrenzen markieren, meist auch an Waldrändern). Dort besteht die Gefahr, Krankheiten wie Bandwürmer und Ähnliches mit zu Pflücken.

So wird gesammelt:

Suchen Sie sich Wildwiesen, auf denen Sie ihr Tierfutter sammeln, erkundigen Sie sich bei umliegenden Bauernhöfen, ob es zum Hof gehörige Wiesen gibt und erkundigen Sie sich, wann und womit diese gedüngt oder behandelt wurden. Fragen Sie, ob Sie dort für Ihre Tiere pflücken dürfen. Mitunter gibt es an Ortsrändern aber auch wilde Wiesen auf denen gepflückt werden darf. Sicher rennt dort der ein oder andere Hund mal drüber, aber die meisten doch eher am Wegesrand - gehen Sie also einfach tiefer in die Wiese hinein und pflücken Sie dort.

Wenn Sie sich unsicher sind, ob das, was auf der Wiese wächst wirklich ungiftig ist, dann sammeln Sie es nicht mit, sondern nehmen Sie nur eine Probe mit nach Hause um dort Mithilfe eines Buches und des Internets die Pflanze genauer zu bestimmen. Zur Pflanzenbestimmung und um herauszufinden, was als Futterpflanze geeignet und was giftig ist, empfehle ich dieses Buch: Taschenatlas Pflanzen für Heimtiere: Gut oder giftig? von Marlies Busch Ich verwende zur Bestimmung von Pflanzen unterwegs vorab auch noch entweder den Der BLV Tier- und Pflanzenführer: für unterwegsoder den Der BLV Taschenführer Pflanzen Zuhause bestimme ich dann die Pflanze nochmal mit dem Steinbachs großer Pflanzenführer und zur Sicherheit schaue ich dann immer nochmal über Google verschiedene Bilder der Pflanzen an.

Listen mit Futterpflanzen und Giftpflanzen finden Sie hier:
Futterpflanzen auf der Wiese und Futter von der Wiese

Und wo soll ein Städter sammeln?

Gehen Sie auf Spielplätze, da sind Hunde verboten und teilweise hält man sich auch dran. Grünflächen auf Spielplätzen werden normalerweise auch nicht stark gedüngt. Auch auf verwilderten Gräbern und teilweise auf Grünflächen von Friedhöfen und in öffentlichen Parks finden sich viele verschiedene Gräser, Löwenzahn und andere Leckereien, Hunde müssen auch dort an der Leine bleiben. Fragen Sie aber vorab beim Grünflächenamt und auch bei den zuständigen Friedhofsgärtnereien nach ob Sie dort Grünzeug pflücken dürfen und ob und womit die Grünflächen gedüngt oder mit andern Chemikalien (beispielsweise gegen Ungeziefer) behandelt werden.

Graswiesen selber ziehen

Es ist natürlich auch möglich eigenen Graswiesen Zuhause auf der Fensterbank zu ziehen. Benötigt werden dafür nur ungedüngte Blumenerde, ein Blumenkasten und eine gute Grassamenmischung. Die Grassamen werden einfach auf die Erde gestreut und angefeuchtet - gut feucht gehalten wächst dort innerhalb von 2 - 3 Wochen eine kleine Wiese. Es ist ebenso möglich, verschiedene Getreidesorten auszusähen, leider keimen allerdings viele Getreidearten, die im Supermarkt erhältlich sind nicht mehr aus. Grundsätzlich dürfen alle Kleintiere das frische Grün aller Getreidesorten fressen. Die kleine Wiese darf aber nur dann ins Gehege gestellt werden, wenn der Boden/die Erde wirklich ungedüngt ist. Leider ist so eine ungedüngte Erde schwer zu bekommen, enthält der Boden aber zu viel Dünger, enthalten auch die Pflanzen zu viele Nährstoffe, außerdem sind einige chemische Düngemittel schlicht schädlich. Naturtorf ist ungedüngt, da aber beim Torfabbau Moore zerstört werden und Torf ohnehin recht sauer ist, sollte Torf nur in Ausnahmefällen verwendet werden.

Aller Anfang beim Sammeln ist schwer - wenn Sie Lust und Zeit haben, lesen Sie doch hier nach, wie ich anfing für meine Meerschweinchen Gras zu sammeln... : Futtersuche "Schierling oder Futter?"

Aus Gras werde Heu

Manche Halter möchten das Heu für Ihre Tiere gern selber herstellen. Das ist natürlich grundsätzlich möglich. Schauen Sie vorab, ob auf der Wiese, von der Sie Ihr Gras beziehen, keine giftigen Pflanzen zu finden sind. Das Gras sollte für die Heuherstellung nicht mit dem Rasenmäher, sondern mit der Sense gemäht werden. Das gemähte Gras wird großflächlig, auf einer trockenen Fläche ausgebreitet und täglich gewendet und belüftet. Das Gras muss gut 6 Wochen - bei feuchter Witterung länger - auf diese Art und Weise durchtrocknen bevor es verfüttert werden darf. Auch wenn sich das Gras schon nach 2 - 3 Tagen trocken anfühlt, im Gras selber finden noch bis zu 6 Wochen Gärprozesse statt. Gärendes und nicht ganz durchgetrocknetes Heu darf auf keinen Fall verfüttert werden, es kann zu massiver Aufgasung im Darm führen. Das Gras kann ebenso auf einem Reuter getrocknet werden. Dazu werden handelsübliche Wäschetrockner verwendet, über die ein Leinentuch gebreitet wird. Auch selbstgebaute Gestelle sind geeignet. Diese könnten z. B. aus mit Volierendraht bespannten Rahmen bestehen die mit großem Abstand zueinander in Regale geschoben werden. Darauf wird das Gras dünn ausgebreitet. Diese Reuter werden an einem sehr warmen und gut belüftetem Ort (Dachboden) aufgestellt. Hier kann das Gras sehr schnell trocknen und schon nach wenigen Tagen verfüttert werden. Es ist ebenso möglich, kleine Mengen im Umluftofen zu trocknen. Dieses heißgetrocknete Heu wird vor allem von kranken Tieren bevorzugt. Dazu werden Gras und Kräuter dünn auf Backblechen ausgebreitet (mit Pergamentpapier oder Backpapier darunter), bei knapp 50 °C wird das Heu etwa 3 - 4 Stunden, ggf. länger, getrocknet.

Das fertige Heu wird an einem trockenen und gut belüftetem Ort aufbewahrt. Heu wird idealerweise in Jutesäcken oder auch in alten Bett- oder Kissenbezügen aus Baumwolle gelagert. So kann Restfeuchte entweichen und es kommt nicht zur Schimmelbildung. Das Heu sollte auf jeden Fall trocken und dunkel gelagert werden. Nicht geeignet ist die Lagerung in Plastiktüten, denn dort kommt es durch die Restfeuchte eher zu Schimmelbildung.

Für die Lagerung größerer Mengen ist es sinnvoll, die Säcke auf dem Dachboden aufzuhängen (aufhängen ist meist nötig, da sonst Mäuse auf dem Dachboden ins Heu gehen könnten, diese übertragen Krankheiten).

Viele weitere Informationen zum Heu finden Sie hier: Allerlei Heu