Kurzinfo über Rennmäuse, ihre natürliche Lebensweise und medizinische Daten

Rennmausinfo

Mongolische Rennmäuse (Meriones unguiculatus) als Heimtiere erfreuen sich bei uns immer größerer Beliebtheit. Sie gehören zur Klasse: Säugetiere (Mammalia), Ordnung: Nagetiere (Rodentia), Überfamilie Mäuseartige (Muroidea), Familie: Wühler (Cricetidae), Unterfamilie: Rennmäuse (Gerbillinae) - daher wohl auch der oft verwendete Name Gerbil, obwohl sie keine Gerbillus sind, sie gehören zur Gattung der Sandmäuse (Meriones).

Rennmäuse sind reinliche Tiere und haben keinen starken Eigengeruch. Wilde Rennmäuse haben ein agoutifarbenes Fell und ein helleres Bauchfell. Mittlerweile gibt es in der Heimtierhaltung unzählige Fellfarben, von Schwarz, über Grau, Weiß, Gefleckt bis hin zu Rot und Champagner ist alles zu haben. Da die Farbe eines Tieres aber bei der Haltung keine Roll spielt, gehen wir hier nicht näher darauf ein und verweisen bei Interesse an den verschiedenen Farbvarianten auf: Die Rennmaus Farb-Palette. Der Schwanz der Tiere ist durchgehend dicht behaart, so erinnern sie mehr an zu klein geratene Eichhörnchen als an Mäuse. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet sind die sandigen Steppen Zentral- Süd- und Nordostmongolei, ebenso ist sie in China zu finden. Sie besiedeln bevorzugt Gebiete rund um Felder und Weideland und sind den Menschen dort als Schädlinge sehr bekannt.

Wildlife

Die meisten Zeit ihres Lebens verbringt die Wüstenrennmaus in ihren unterirdischen Höhlen und Gängen. Sie legen in sandiger Erde Bauten an, die bis zu 170 cm tief unter der Erde liegen können und sich mitunter über 4 - 8 m² ausdehnen. Diese Bauten haben mehrere Eingänge, die Gänge sind ca. 4 cm im Durchmesser und im Mittelpunkt dieser Bauten liegt meist ein Nest und ein bis zwei Vorratskammern. In den Sommermonaten werden die Vorratskammern befüllt. Pro Gruppe und Bau (Territorium) gibt es immer nur ein fortpflanzungsfähiges Paar und deren Nachwuchs. Die Jungen bleiben mitunter bis zur achten Lebenswoche oder länger bei ihren Eltern, so das sich bis zu zwei komplette Würfe im Bau befinden können. Dies können größere Gruppen werden, aber es pflanzen sich immer nur die Elterntiere innerhalb einer Gruppe fort. Wildlebende Rennmäuse pflanzen sich nur in den Sommermonaten fort. Sind die Witterungsbedingungen zu schlecht, bleibt der letzte Wurf mitunter über den ganzen Winter im Bau der Eltern (sie pflanzen sich aber in der Zeit nicht fort und verhalten sich nur so lange ruhig, bis sie die Möglichtkeit wittern, ein Territorium zu erobern). Die Größe der Gruppe schwankt also zwischen 2 und 17 Tieren vor. Im Frühjahr findet eine Verbreitung der Tiere statt und neue Reviere werden besiedelt, dann bilden sich auch neue Gruppen. Neue Territorien werden ausschließlich von den Böcken erkämpft, wo diese dann mit ihrem Weibchen eine neue Gruppe und einen neuen Bau gründen.

Soziales

Rennmäuse leben also im Familienverband und sollten nach Möglichkeit nicht einzeln gehalten werden. Es trifft auch keinesfalls zu, dass einzeln gehaltene Tiere schneller zahm werden. Rennmäuse brauchen einen Artgenossen zum Spielen, Rangeln, gegenseitigem Putzen, Kuscheln, um sich sicher zu fühlen und auch zum Kommunizieren im Ultraschallbereich.

Entscheiden Sie sich von Anfang an auf jeden Fall für zwei gleichgeschlechtliche Mongolische Rennmäuse. Es ist ebenfalls möglich, einen kastrierten Bock zu einem weiblichen Tier zu setzen. Allerdings ist eine Kastration ein gefährlicher, operativer Eingriff, nicht alle Tierärzte sind bereit, diese Operation durchzuführen.

Teilweise wurden zwar auch gute Erfahrungen bei einer Haltung von drei und mehr gleichgeschlechtlichen Tieren gemacht. Sie benötigen aber schon mehr Erfahrung bei dieser Haltungsform. Es kann bei dieser Haltungsform auch nach längerer Zeit zu Rangkämpfen und gefährlichen Beißereien kommen. Die Anzeichen für eine solche Problemsituation erkennt der Laie evtl. nicht. Laien sollte also besser nur mit zwei Tieren anfangen. Lesen Sie dazu auch unsere Sonderseite: Gruppengröße.

Auf keinen Fall sollten Sie mehrere Böcke zu einem Weibchen setzen, auf Dauer entstehen hier meist Rangkämpfe. Nehmen Sie am besten Geschwistertiere aus einem Wurf oder Jungtiere, welche die 10. Lebenswoche noch nicht erreicht haben. Lesen Sie dazu auch die Seite Vergesellschaftung.

Wenn Sie vorhaben Rennmäuse zu züchten, rate ich Ihnen trotzdem dazu, erstmal nur 2 Tiere aufzunehmen und sie genau kennen zu lernen. Wenn Sie die Tiere lange beobachtet haben, ihre Verhaltensweisen kennen, Sie sich ausgiebig mit der Fachliteratur über Genetik und Zucht auseinander gesetzt haben und sich über die Absatzmärkte in Ihrer Umgebung informiert haben, dann können Sie mit einer verantwortungsvollen Zucht beginnen. Lesen Sie dazu auch die Seite Nachwuchs.

Sinnesleistungen

Augen:Renner haben durch ihre seitlich angebrachten Augen einen guten Rundumblick. Sie haben kein räumliches Sehvermögen. Bewegungen nehmen sie gut wahr. Sie haben nur zwei Farbrezeptoren, deshalb ist nicht ganz klar, welche Farben sie erkennen können.
Ohren: Renner haben ein sehr gutes Gehör. Sie können ihre Ohren unabhängig voneinander in alle Richtungen bewegen Sie nehmen auch Töne wahr, die der Mensch nicht mehr wahrnehmen kann. Sie verständigen sich auch vorwiegend im Ultraschallbereich.
Nase:Renner haben einen ausgesprochen guten Geruchssinn. Sie nehmen ihre Umwelt über sehr differenzierte Gerüche wahr. Sie verständigen sich über gelegte Duftspuren, markieren ihr Revier mit Düften und orientieren sich auch bei der Partnerwahl und innerhalb des Rudels am Geruch
Gleichgewicht:Renner haben einen hochdifferenziertes Gleichgewichtsorgan im Innenohrbereich, so können sie relativ gut auf Seilen oder an Kanten entlangbalancieren.
Tasthaare: Renner besitzen Tasthaare (Vibrissen) mit denen sie ihre Umgebung auch ertasten können. Sie können so auch in Dunkelheit ihre Umgebung gut wahrnehmen

Besonderheit:
Duftdrüse am Bauch: Rennmäuse haben am Bauch eine Duftdrüse, mit der sie ihre Umgebung markieren. Diese Drüse sieht ein wenig aus, als hätten die Tiere einen Schlitz im Bauch oder einen Reisverschluss am Bauch. Sie markieren damit ihre Umgebung indem sie mit dem Bauch über den Boden rutschen - was zugegeben sehr albern aussieht. Diese Drüse kann sich, z.B. durch falsche Einstreu oder falschen Sand oder auch unter Stress, entzünden. Erste Hilfe wäre die Reinigung der Drüse und dann sollte unverzüglich ein Tierarztbesuch folgen.

Daten

Zähne:Renner haben vorne ständig nachwachsende Nagezähne. Diese Zähne haben vorne eine starke Zahnschmelzauflage, die gelblich bis orange erscheint. Sie besitzen auf jeder Seite oben und unten jeweis 4 Backenzähne die nicht nachwachsend sind.
FüßeRenner haben an den Vorderfüßchen vier Zehen und eine nur ansatzweise vorhandene fünfte Zehe. An den Hinterfüßchen haben sie fünf Zehen
Gewicht Weibchen 70 - 100 g, Böcke 80 - 110 g
Körpergröße ca. 10 - 14 cm + Schwanzlänge ca. 10 - 12 cm
GeschlechtsreifeMit 8 Wochen sind die Jungen geschlechtsreif, kleine Würfe ggf schon früher.
Zuchtreife Mit ca. 3 - 4 Monaten sind die Tiere zuchtreif
Durchschnittliches Alter3 - 4 Jahre, in Ausnahmefällen bis 5 Jahre
Futteraufnahmeca. 5 - 7 g pro Tag
Wasserverbrauch ca. 4 - 7 ml pro Tag
Körpertemperatur: ca. 38,1 - 38,4 °C
Atemfrequenz ca. 85 - 160 Respirationen/min
Herzfrequenz ca. 260 - 600 Schläge/min

Andere "Rennmäuse"

Mitunter trifft man in der Heimtierhaltung auch auf andere Rennmausarten. Hier gehen wir kurz auf einige von ihnen ein.

Die "Blasse Rennmaus" oder auch (Gerbillus perpaollidus), sie stammt aus Nordwest-Ägypten. Von Aussehen her ähnelt sie den Mongolischen Rennern, sie ist schlanter als die Mongolen und etwas kleiner (Körperlänge: ca. 10 cm cm, Schwanzlänge: ca. 12 - 14 cm).Farbe: sandfarben, weißer Bauch, weiße Pfoten, fast weißer Schwanz, schwarzes Haarbüschel am Schwanzende. Der Kopf ist spitz, sie hat große Augen mit einem weißen Haarring um die Augen. Sie stellt ähnliche Haltungsanforderungen wie Mongolische Rennmäuse. Mehr Informationen über diese Tiere finden Sie hier: Rodent Info - Blasse Rennmaus

Etwas häufiger in der Heimtierhaltung kommt seit neuestem die Shaw(i) Rennmaus vor (Meriones shawi). Sie ist eher ein Einzelgänger, ca. 12 - 14 cm groß. Ihr Körperbau ist denen von normalen Mäusen optisch sehr ähnlich, sie hat ein eng am Köprer anliegendes sandfarbendes Fell, der Bauch ist weiß, am Schwanzende haben sie ein schwarzes Haarbüschel. Augen, Fußsohlen und Krallen sind dunkel. Mehr Informationen über diese Tiere finden Sie hier: Rodent Info - Shaw Rennmaus

Beliebt als Heimtier ist auch die Dickschwanzmaus (Pachyuromys duprasi) die in Ägypten bis Algerien beheimatet ist, sie wird auch als Fettschwanz - Rennmaus bezeichnet. Sie ist sehr rund, hat als deutlichstes Erkennungsmerkmal einen kurzen fetten Schwanz (ihre Fettreserve), die Pfötchen sind sehr kurz sie werden ca 10 -13 cm lang. Das Fell ist lang und leicht fettig, es ist gelblich-sandfarben der Bauch dunkel schattiert. Mehr Informationen über diese Tiere finden Sie hier: Rodent Info- Fettschwanz - Rennmaus

Eine ebenfalls sehr beliebte Rennmausart ist die Persische Rennmaus (Meriones Persicus) Sie haben eine Körperlänge von ca. 12 cm, dazu einen Schwanz von ca. 18 cm Länge. Ihr Rückenfell ist braun (Agouti), der Bauch ist deutlich weiß abgegrenzt. Der Schwanz ist behaart, am Ende befindet sich eine schwarze Fellquaste. Ihre Heimat ist das östliche Pakistan bis Iran/Irak. Sie sind gesellig lebende Tiere. Mehr Informationen und einen Haltungsbericht finden Sie hier: Persische Rennmäuse

Sehr beliebt sind die winzigen Eurasischen Zwergmaus (Micromys minutus) Sie werden oft als Springmäuse oder Knirpsmäuse bezeichnet. Es sindsehr kleine und quirlige Tierchen von gerade mal 7 g und einer Länge von höchstens 6 cm. Das Fell ist braun - bis gelblich/braun, am Bauch meist etwas heller. Sie gehören eigentlich nicht zu den Rennmäusen, werden aber oft als solche bezeichnet. Mehr Informationen und einen Haltungsbericht finden Sie hier: Rodent Info - Eurasische Zwergmaus

Weitere Infos zu diesen unterschiedlichen Rennmausarten finden Sie auf der Seite Rodent-info.net