Diabetes beim Zwerghamster

Was ist Diabetes?

Bei einem Menschen oder einem Tier das Diabetes hat, ist der Zuckerstoffwechsel gestört. Normalerweise sind zwei Hormone für den Abbau von Glukose aus dem Blut verantwortlich: Das Glucagon erhöht den Blutzuckerspiegel und das Insulin, welches in der Bauchspeicheldrüse produziert wird, senkt den Blutzuckerspiegel. Insulin sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut und dem Gewebe weiterverarbeitet (entweder eingelagert oder in Energie umgewandelt) wird. Wird zu wenig Insulin produziert, steigt der Blutzuckerspiegel im Blut dauerhaft an, es wird zu wenig Glukose in Form von Glykogen eingespeichert und zu wenig Energie erzeugt. Insulin wirkt außerdem auf den Fettstoffwechsel und den Kaliumhaushalt.

Es gibt verschiedene Diabetesformen, aber in erster Linie wird zwischen Typ 1 und Typ 2 unterschieden.

Typ 1 Hier liegt eine Erkrankung des Immunsystems vor. Diese wird in den meisten Fällen vererbt und scheint gerade in deutschen Campbellzuchtstämmen vorzukommen. Das eigene Immunsystem zerstört körpereigene Zellen, vor allem die Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Diese Diabetesform ist nicht heilbar. Sobald ein Großteil der Beta-Zellen zerstört sind, kann der Patient nicht mehr ausreichend Insulin ausschütten und Glukose verstoffwechseln. Hier hilft nur die regelmäßige Gabe von künstlichem Insulin, was bei Zwerghamstern schwer zu bewerkstelligen ist, da schon regelmäßige Tests auf den Blutzzuckerwert unmöglich sind und eine zu hohe Gabe von Insulin den Blutzuckerspiegel massiv absenkt. Zwerghamster mit diesem Diabetestyp zeigen Symptome früh. Vielen Haltern fällt das veränderte Verhalten häufig so um den 3. Lebensmonat auf. Durch Zuckertests und genaue Beobachtungen lassen sich die Symptome häufig schon viel früher, sogar wenige Tage nach der Geburt, fest stellen. Diese Hamster müssen leider bei Anzeichen massiver Symptome eingeschläfert werden.

Typ 2 Die Wirksamkeit des Insulins im Körper ist reduziert, vor allem Fett- und Muskelzellen reagieren kaum noch auf das Insulin und werden mit der Zeit resistent. Zuerst reagiert der Körper darauf mit einer massiven Insulinproduktion. Es kommen also zwei Faktoren zusammen: die Zellen nehmen keine Glukose mehr auf und die Bauchspeicheldrüse wird überbeansprucht, altert vorzeitig und vermindert irgendwann die Insulinausschüttung stetig. Sehr wahrscheinlich ist die Veranlagung für diese Erkrankung beim Zwerghamster vererbt. Es wird davon ausgegangen, dass vor allem Campbell Zwerghamster und Dsungare/Campbell Hybriden gefährdet sind zu erkranken. Vor allem die Hybriden neigen zu massivem Übergewicht, dies ist vermutlich ein entscheidender Faktor bei der Entstehung von Typ 2 Diabetes. Auch eine generell zu zuckerhaltige Ernährung oder eine zu einseitige Ernährung kann diesen Diabetes begünstigen. Häufig zeigt sich diese Diabetesform erst später beim Hamster, die erkrankten Tiere sind schon mehrere Monate oder über einem Jahr alt, seltener erkranken die Hamster auch schon mit 3 - 4 Monaten an dieser Diabetesform.

Anzeichen/Symptome

Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf Diabetes beim Hamster hinweisen.

Vermehrtes Trinken: Normalerweise nehmen Zwerghamster wenig Wasser zu sich, wenn ein Zwerghamster vermehrt trinkt oder regelrecht am Wasser hängt kann das ein Zeichen für Diabetes sein. Auch auf andere Erkrankungen wie z.B. Nieren-/Blaseninfektionen oder Hitzeschlag weist die vermehrte Flüssigkeitsaufnahme hin!

Aktivitätssteigerung: Es kommt häufiger zu gesteigerten Aktivitätsphasen, auch teilweise zu Aggressivität.

Aktivitätsverlust: Grundsätzlich sind die Tiere im Gesamtbild allerdings weniger aktiv. Sie laufen insgesamt weniger im Rad und ermüden vor allem schnell. Die Nahrungsaufnahme scheint für diese Hamster sehr anstrengend zu sein, schnellt der Blutzuckerspiegel nach der Fütterung hoch, schlafen die Tiere dort ein, wo sie gerade sind. Diabeteshamster liegen häufig ungeschützt im Gehege und schlafen.

Besonders in der Frühphase der Erkrankung wechseln sich die Gemütszustände ab, ein hoher Blutzuckerspiegel sorgt anfänglich für Hyperaktivität, das Tier verausgabt sich. Steigt der Blutzuckerspiegel weiter wird das Tier inaktiv.

Ursachen

Grundsätzlich sind Tiere, die aus kargen Gegenden stammen, wie Mongolische Rennmäuse, Chinchillas und eben auch unsere Zwerghamster sehr gute Futterverwerter. Sie verstoffwechseln einen großen Teil Kohlenhydrate und somit auch Zucker aus der Nahrung und können gleichzeitig mit weniger Energie auskommen, sie verbrauchen also auch weniger. Deshalb benötigen sie eine entsprechende Fütterung, wird zu viel Zucker zugeführt, wird dieser auch verstoffwechselt, was in der Folge zu dauerhaft hohem Blutzucker und Übergewicht führt.

Es ist noch nicht abschließend geklärt, warum diese Erkrankung erst in den letzten Jahren so massiv zugenommen hat. Zum einen wird davon ausgegangen, dass es immer schon viele Fälle von Diabetes gab, diese Erkrankung aber nicht erkannt oder behandelt wurde. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass vor allem Campbells und Campell/Dsungarenhybriden vermehrt erkranken. Es wird davon ausgegangen, dass zugunsten der Farbzucht hier auch kranke Tiere verpaart wurden. Da Zuckertests nicht üblich waren und die Erkrankung erst in den letzten Jahren bekannter wird, konnte bisher keine gezielte Selektionszucht mit nicht erkrankten Tieren durchgeführt werden. Ebenso wird vermutet, dass zu energiereich gefüttert wird. Früher war man als Halter gezwungen, sein Zwerghamsterfutter selbst zu mischen und da wurde mehr darauf geachtet, dass das Futter entsprechend energiearm ist. Heutzutage gibt es für alle Zwerghamsterarten Fertigfuttermittel, die aber bedauerlicherweise häufig viel zu fett- und zuckerhaltig sind.

Diagnose

Da beim Zwerghamster ein Bluttest unmöglich ist, kann die Diagnose der Erkrankung nur mit einem Urinteststreifen durchgeführt werden. Allerdings kann dieser Test nur eine massive Erhöhung der Zuckerwerte im Urin anzeigen und es ist nicht ganz leicht, eine entsprechende Urinprobe zu bekommen. Hier ist ausführlich erklärt, wie und womit so ein Test durchgeführt wird: Diabeteshamster / Test

Vorbeugen/Behandlung von Diabetes

Eine sehr ausgewogene Ernährung, mit sehr vielen verschiedenen Futterbestandteilen, Kleinsämereien und täglich verschiedene Sorten frisches Gemüse und vor allem Grünfutter/Kräuter ist wichtig um Diabetes vorzubeugen. Es werden nur wenige stark fetthaltige Komponenten angeboten und vor allem auf stark zuckerhaltige Futtermittel sollte verzichtet werden. Gefährdete Arten wie Campbells und Hybriden sollen kein Obst bekommen. Auf Leckerchen aus dem Zooladen, gebackene Leckerchen, Trockenobst und Knabberstangen muss ebenfalls verzichtet werden. Gemüse muss ausgewogen gegeben werden.

Es ist bisher nicht wissenschaftlich erwiesen, dass rotes Gemüse - vor dem in allen Foren bei Diabetes gewarnt wird - Diabetes begünstigt! Der Kohlenhydratgehalt, also der Gehalt verschiedener Zuckerarten, ist in rotem Gemüse meist nicht nennenswert höher als bei anderen Gemüsesorten, auch der Anteil an Glukose und Fructose unterscheidet sich nicht stark. Hier an Auswahl zu sparen, wäre fatal, da wir den Tieren damit auch alle positiven Eigenschaften des entsprechenden Gemüses vorenthalten.

Statt also Gemüse welches evtl. etwas mehr Zucker enthalten könnten vom Futterplan zu streichen, ist es viel wichtiger, die Frischfutterration ausgewogen zu gestalten. Geben Sie täglich mindestens 4 Gemüsesorten. Wenn Sie darauf achten, nur ein stark kohlenhydrathaltiges Gemüse (Knollengemüse, Möhren, Paprika) und dazu drei andere Sorten (Blattgemüse) sowie verschiedene Grünfuttersorten zu geben, ist ein Gleichgewicht wieder hergestellt.

Den Gehalt verschiedener Zuckerarten im Gemüse können Sie dieser Tabelle entnehmen: Nährwerttabelle.

Ein neuer Ansatz im Rahmen der Diät ist die Gabe von Bockshornkleesamen, die im Reformhaus zu bekommen sind. Diese sollen eine blutzuckersenkende Wirkung haben und können in das Trockenfutter gemischt oder extra angeboten werden. Da die Samen sehr fetthaltig sind, sollten sie aber auch nicht übermäßig angeboten werden.

Frische Keime sollen sich ebenfalls günstig auswirken.

Ein großes Gehege und viel Bewegung sind ebenfalls sehr wichtig um Diabetes vorzubeugen!

Medikamentöse Behandlung

Hier sind die bisher bekannten Behandlungsmethoden mit Medikamenten ausführlich aufgeführt: Therapiemoglichkeiten

Links

Grundsätzlich sehr empfehlenswert:
Blog zum Thema Diabeteshamster.