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Schneewittchen

Im Sommer 2006, als ich gerade nach Hause kam, sah ich in unter einem Baum in unserem Garten eine schneeweise Katze. Da es bei uns im Quartier viele Katzen hat, war dies nicht sehr aussergewöhnlich. Wie bei allen Katzen ging ich hin und dachte, dass ich sie vielleicht streicheln könnte. Ich konnte mich ihr ohne Probleme nähern, doch was ich dann sah, schockte mich: Die Katze war abgemagert, die Wirbelsäule war durch das Fell hindurch zu spüren, der Atem ging rasselnd und aus ihren Augen floss eine weissliche Flüssigkeit. Da ich selber keine Katzen habe und auch keine Erfahrungen mit diesen Tieren, rief ich zuerst einmal den Tierarzt an. Dieser meinte, dass ich sie, solange sie sich einfangen lässt, vorbeibringen könnte. Ich bastelte eine Art Käfig zusammen und wollte die Katze reinsetzen. Fast kam es mir vor, als ob sie ein Spiel mit mir spielen wollte: Ich konnte sie ohne Probleme hochheben, doch sobald ich den Käfig schliessen wollte, ging sie langsam raus und setzte sich ein paar Meter weiter weg wieder hin. Dabei sah sie mich an, als wolle sie mir sagen: "Ich weiss was du machen willst, aber dafür musst du dich schon etwas mehr anstrengen. Komm, versuch es nochmal." Nach dem dritten Anlauf hatte ich sie im Käfig. Sie wehrte sich nicht, legte sich nur hin und wartete. Für mich war der Fall klar, dass sie nicht von irgendeinem Bauernhof kam. Sie war definitiv an Menschen, hochheben und streicheln gewöhnt.

Auf dem Weg zum Tierarzt bemerkte ich, dass sie sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte; sie kippte mehrmals sogar um. Auch mit dem Tierarzt hatte sie keine Probleme. Sie wurde, mit meiner Einwilligung, auf Katzenleukose und andere Krankheiten getestet - alles negativ. Sie hatte "nur" einen starken Katzenschnupfen und frass deshalb nichts. Ich liess die Katze dort, rief im Tierheim an, hängte Zettel auf, doch niemand meldete sich. Ich hatte mich sofort in Schneewittchen, wie ich sie inzwischen genannt hatte, verliebt. Jeden Tag rief ich beim Tierarzt an, doch sie wollte nicht fressen. In der Praxis versuchten sie alles: 2 mal täglich inhalieren und Infusionen - doch nichts half. Eine Woche nachdem ich Schneewittchen gefunden hatte, rief mich der Tierarzt persönlich an. Ich wusste sofort, dass Schneewittchen nicht mehr lebte. Er musste sie einschläfern, da sie keine Nahrung zu sich nahm. Ich ging ein letztes Mal in die Praxis, sah die Katze und wusste, dass sie nun endlich ihren Frieden gefunden hat. Der Tierarzt sagte mir noch, dass sie etwa 2-3 jährig gewesen ist und dass sie sehr verschmust gewesen sei. Er teilte meine Meinung, dass die Katze wahrscheinlich ausgesetzt wurde. Es war Sommer und Ferienzeit, da wird leider manches Tier überflüssig.

Ich zahlte einen kleinen Unkostenbeitrag, doch dies deckte nur einen Bruchteil der Ausgaben des Tierarztes. Doch er meinte nur, dass es schön ist, wenn sich jemand die Mühe macht, das Tier zum Tierarzt zu bringen. Ich dagegen fand es schön, dass sich der Tierarzt bereit erklärt hatte, der Katze zu helfen, obwohl der neue Besitzer von ihr noch nicht geklärt war. Ich hätte sie gerne zu mir genomen, doch schliesslich bedeutet eine Katze eine grosse Verantwortung und das muss gut überlegt sein.

Schneewittchen konnte der Tod durch Verhungern erspart werden. Lange hätte sie nicht mehr überlebt. Noch heute denke ich an sie, obwohl ich sie nur eine Woche gekannt habe. Ich hab sie sofort in mein Herz geschlossen.

Diese Geschichte wurde uns von Michaela Aebersold zur Verfügung gestellt.

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