Laufräder für Rennmäuse

Früher hatten Laufräder einen schlechten Ruf und das zu recht: Sie waren zu klein, die Tiere bekamen Rückenschäden vom Laufen in diesen Rädern. Die Räder waren gefährlich, es kam oft zu Verletzungen durch das Rad. Häufig kam es aufgrund von Langeweile allerdings auch zu regelrecht sterotypen, ständigem Laufen im Rad. Der Anblick von einer Rennmaus in einem kleinen Käfig, die ständig nur im Rad rennt, ist wohl bekannt, aber gerade bei Tierschützern nicht beliebt.

Dieses Bild hat sich glücklicherweise in den letzten Jahren sehr gewandelt. Das Laufrad ist heute ein nur noch ein Bestandteil, in einem großen und tiergerecht eingerichtetem Rennmausgehege. Gut gehaltene Rennmäuse haben viel zu tun: Sie buddeln in der Einstreu, baden im Sandbad, suchen ihr Futter. Trotzdem möchten auch diese Rennmäuse nicht darauf verzichten, hin und wieder einfach mal los zu rennen. In ihrer Heimat laufen sie viel über sandige Böden um zu ihren Futterquellen zu gelangen. Sie sind also nicht nur Wühler und Tunnelgräber, sondern auch Läufer. Das Laufen im Rad dient auch dem Stressabbau. Gibt es Streit, läuft vor allem die unterlegene Maus viel im Rad und tatsächlich beruhigt sie sich dabei wieder. Allerdings kann es auch zu Problemen kommen, wenn beide Tiere gleichzeitig laufen wollen. Nicht alle Rennmäuse können das koordinieren, es ist mitunter also nötig, zwei Räder anzuschaffen, damit es keinen zu großen Stress und keinen Streit um das Rad gibt. Damit das Rad im Gehege aufgestellt werden kann, muss meist ein Anbau her, ein Käfig auf dem Aquarium oder ein zweites Becken mit Sand gefüllt, in dem das Rad so aufgestellt werden kann, dass es nicht eingebuddelt wird.

Egal wie groß das Gehege ist, damit Rennmäuse zwischendurch richtig los rennen können, brauchen sie ein Laufrad.

Eigenschaften

Folgende Eigenschaften muss ein Laufrad aufweisen, damit es den Rennmäusen keinen Schaden zufügt und den Tieren als gesundes Sportgerät dienen kann:
  • Der Ideale Durchmesser für ein Rennmausrad liegt bei etwa 25 cm. Es darf auch ruhig etwas größer sein. In zu kleinen Laufrädern kommt es zu einer starken Verkrümmung der Wirbelsäule (vorne läuft die Rennmaus hoch, hinten runter!), sie wird falsch abgenutzt, was der Rennmaus auf Dauer Schmerzen bereitet und im schlimmsten Fall zu Bandscheibenvorfällen führt .Hier können Sie nachlesen, woher dieses Maß kommt und wie die richtige Laufradgröße berechnet wird: Laufradgrößen berechnen.
  • Das Laufrad muss auf einer Seite völlig geschlossen sein (Gitter sind gefährlich - die Füßchen können sich darin verfangen). Die Einstiegsseite sollte ganz offen sein. Haltestreben bei handelsüblichen Metallaufrädern führen zu Verletzungen durch starke Schläge mit dem Streben, es kommt zu Hämatomen, Rippenbrüchen und ähnlichen Verletzungen.
  • Die Lauffläche muss völlig geschlossen sein. Es dürfen keine offenen Sprossen vorhanden sein in denen sich die Rennmäuse verfangen können. Die Lauffläche muss über eine Struktur verfügen, (nicht zu tiefe Rillen oder eine Naturstruktur) auf der die Rennmäuse gut laufen können. Sind Sprossen aufgegeklebt, müssen diese leicht rund gefeilt sein und geringe Abstände aufweisen, damit die Tiere dort gut Halt finden. Die im Handel angebotenen Laufräder mit eingeklebten Sprossen haben derzeit alle einen falschen/zu großen Abstand der Sprossen und die Sprossen sind für Rennmausfüße zu groß! Ich empfehle die Sprossen zu entfernen und durch einen Einsatz aus Korkplatte zu ersetzen. Ebenfalls geeignet sind Lochbleche mit sehr kleinen Löchern. Es gibt mittlerweile Räder für Degus, mit einem engmaschigem Gitter, allerdings ist der Abstand bei diesen Gittern noch zu groß und somit nicht optimal, eine Verletzungsgefahr kann nicht ausgeschlossen werden.
  • Das Rad darf nur an der geschlossenen Seite aufgehangen werden. Eine beidseitige Aufhängung ist immer eine Gefahrenquelle (Schereneffekt), denn hier können sich die Rennmäuse oder ihre Schwänze verfangen. Neue Räder werden an kleinen Rädchen an der Käfigdecke befestigt, allerdings werden diese Gummiräder von den Rennmäusen zernagt und die Räder sind sehr laut. Besser sind moderne Räder mit sehr festen Standbeinen. Wenn das Rad angeschubst wird, darf es nicht gleich umkippen. Schwere Holzstandbeine sind gut geeignet.
  • Das Rad muss leicht und rund laufen ohne zu eiern. Ein hochwertiges Kugellager ist also wichtig. Es gibt heutzutage viele günstige Räder, die zwar augenscheinlich den teuren Holzrädern ähneln, aber leider ein billiges Kugellager haben, diese Räder eiern nach kurzer Zeit, quietschen und machen Tier und Halter nicht lange Freude.
  • Das Rad muss aus ungiftigen Materialien bestehen. Entweder aus Holz, welches zusätzlich Urinabweisend lackiert wird, aus ungiftigem Plastik, welches keine Splitterbildung aufweist, wenn es angenagt wird oder aus Metall.
Leider sind solche empfehlenswerten Laufräder im Handel noch immer die Ausnahme, die meisten Laufräder die mit Käfigen mitgeliefert werden oder im Handel erhältlich sind, bestehen aus schädlichem Weichplastik, sind zu klein und haben für Gewöhnlich auch gefährliche Aufhängungen. Im folgenden gehen wir auf die im Handel erhältlichen, hochwertigen und geeigneten Laufräder ein.

Wodent Wheels

Das aus Amerika stammende Wodent Wheel Laufrad erfüllt fast alle Vorgaben welche an ein gutes Laufrad gestellt werden. Die Maße: Durchmesser: 27 cm, Höhe insgesammt 30 cm. Breite: 7 cm. Es besteht aus ungiftigem Plastik, erzeugt, wenn es angenagt wird, keine scharfen Splitter und weist keinerlei Schereneffekte auf. Es ist leicht und stoppt dadurch nahezu synchron wenn die Mäuse aufhören zu laufen.

Ein kleines Handicap hat das Rad, der Fuß ist nur gut geeignet, wenn man das Rad oben am Gitter befestigt, in die Streu gestellt kann das Rad schnell zugebuddelt und somit schwer gängig werden. Auf eine glatte Etage gestellt ist der Stand nicht ganz fest, es verrutscht leider bei sehr starken Tieren mitunter, von daher sollte es auf uneingestreuten Etagen fest angebracht oder mit einer nicht rutschenden Unterlage versehen werden.

Das Wodent Wheel Laufrad benötigt regelmäßige Laufradpflege. Es kann dazu komplett auseinander genommen und gereinigt werden. Nach der Reinigung ist es unbedingt nötig, die Achsen einzufetten, damit das Rad leicht und geräuschfrei läuft. Sehr gut geeignet ist dafür handelsübliche Vaseline. Öl eignet sich nicht, Industrieöle sind giftig für die Hamster, Pflanzenöle aus der Küche werden schnell ranzig und halten den Belastungen der Reibungshitze auf Dauer nicht stand.

Wodent Wheel Laufräder können Sie bei Rodipet erwerben. Lesen Sie hier mehr dazu: Warum Rodipet! .

Holzlaufräder

Es werden mittlerweile im Handel verschiedene Holzlaufräder angeboten. Nicht alle sind gut geeignet, der Preis entscheidet hier wirklich über die Qualität. Die günstigen Räder sind häufig zu schwer und können von den Tieren nicht gut bewegt werden, sie haben außerdem schlecht angebrachte, zu große Laufstreben mit zu großem Abstand im Rad und die Qualität der Kugellager ist minderwertig.

Wir empfehlen deshalb nur zwei Arten von Holzlaufrädern:
Das Holzlaufrad von Rodipet. Es hat einen Durchmesser von 25 cm und ist damit für die Rennmäuse optimal. Die Lauffläche verfügt über eingefräste Einkerbungen, die den Rennmäusen Halt beim Laufen geben. Das Kugellager läuft rund und Wartungsfrei. Das Holz ist ungiftig und mit einem dünnen Wachsfilm vor Urin geschützt. Nur bei Rennmäusen, die sehr viel ins Rad urinieren muss das Rad nachträglich lackiert werden. Die moderne Variante dieses Holzlaufrades lässt sich höhenverstellen und somit kann es hoch gestellt gut über der Einstreukante im Gehege angebracht werden.

Das Holzlaufrad von Getzoo. Es ist etwas schwerer und eignet sich besonders für große Rennmäuse.

Standort

Der Standort des Laufrades ist in normalen Rennmausgehegen ein Problem. Leider wohnen viele Rennmäuse in Mindestmaßaquarien von 100 x 40 x 40 cm. Da Rennmäuse eine sehr hohe Einstreu benötigen, würde ein Laufrad da leicht unter gebuddelt werden.

Folgende Möglichkeiten gibt es:

  • Zusätzlicher Käfig: Es ist möglich, den Rennmäusen zusätzlich zu ihrem Aquarium einen Käfig anzubieten, dieser kann entweder neben oder über dem Rennmausaquarium angeboten werden. Hier kann das Laufrad sicher angeboten werden.
  • Zusätzliches Aquarium: natürlich kann ebenfalls ein weiteres Aquarium angeboten werden, welches neben das Buddelaquarium gestellt wird. Positiver Nebeneffekt: der Boden von Käfig oder Aquarium kann mit Chinchillasand eingestreut werden, so haben die Renner nicht nur ein Laufrad, sondern auch eine große Sandbadefläche. Beispiele für solche Gehege finden Sie rechts - einfach auf die Bildvorschauen klicken ->
  • Aquariumbecken auftrennen. Das ist nur bei größeren Becken wirklich sinnvoll. Hier wird mit einer Sperholzwand ein Teil des Beckens abgetrennt. Mittels Treppen, Rampen und/oder Etagen gelangen die Rennmäuse dann in den abgetrennten Teil mit dem Laufrad.
  • In großen Becken oder Eigenbauten ab 60 cm Höhe können zusätzliche Etagen angebracht werden, auf denen die Räder sicher aufgestellt werden.
  • Das Wodent Wheel Laufrad kann kopfüber am Käfiggitter aufgehängt werden. Allerdings ist das auch nur in höheren Becken sinnvoll, da darunter Platz für mindestens 30 cm Einstreu bleiben muss.
  • Das Rodipet Holzlaufrad ist höhenverstellbar und kann so, zusammen mit einer entsprechenden Etage oder auf ein Labyrinth unter der Einstreu aufgestellt, über der Einstreu angebracht werden.

Folgende Probleme kann es mit ungeeigneten Laufrädern geben:

  • In den Sprossen und Aufhängungen einiger Laufräder (Metallaufrad/Holzlaufrad) können sich verfangen und sich die Gliedmaßen verrenken oder schlimmstenfalls brechen.
  • Unter dem Laufrad können sie bei einigen Modellen eingequetscht und verletzt werden .
  • Der Schwanz kann eingeklemmt und dabei skelettiert, gebrochen oder abgerissen werden.
  • Beim Aussteigen können sie sich zwischen den Haltestreben einquetschen (Schereneffekt). Diese Gefahr besteht vor allem, wenn zwei Renner gleichzeitig laufen, ein Tier will aussteigen, das andere Tier läuft weiter und schon ist eine Maus eingeklemmt.
  • Es kann zur Laufradsucht kommen. Dieses ständige im Laufrad umherlaufen, sobald sie sich geputzt und etwas gefressen haben, ist nichts weiter als eine stupide Suchthandlung (Stereotype) in zu kleinen Käfigen.
  • Es kommt durch zu kleine Laufräder zu einer starken Verkrümmung der Wirbelsäule (vorne läuft das Tier hoch, hinten runter!), sie wird falsch abgenutzt, was den Rennern auf Dauer Schmerzen bereitet und im schlimmsten Fall zu Bandscheibenvorfällen führt.
  • Oft laufen Renner auch zu schnell im Laufrad, dabei kann es dazu kommen, dass sie sich überschlagen oder über die eigenen Füßchen stolpern, dass es dabei zu Verletzungen kommen kann, ist leider nur zu oft bestätigt worden. Mitunter behindern Renner sich gegenseitig beim Laufen im Rad, was ebenfalls zu Verletzungen und Stürzen führen kann. Dies kann in hochwertigen Laufrädern nicht passieren.
  • Weichplastiklaufräder könnten angenagt werden und die Splitter können im Darm zu schweren Verletzungen und zum Tode der Tiere führen.

Laufteller

Die "Laufteller" oder auch "Flying Saucers" wurden ursprünglich in den USA für Chinchillas entwickelt. Es handelt sich dabei um einen Laufteller aus Metall, Holz oder Kunststoff, welcher in der Mitte mit einem Kugellager versehen ist. Der Laufteller wird am Gehegerand befestigt oder im Gehege aufgestellt.

Vorteile: Der Laufteller wird am Gehegerand befestigt und hängt leicht schräg am Gehegerand, wodurch die eigentliche Lauffläche relativ gerade hängt. Laufteller aus Metall können nicht angenagt werden.

Nachteile: Beim Laufen biegen die Rennmäuse seitlich stark durch (das ist am entsprechend zur Seite gebogenen Schwanz beim Laufen zu erkennen). Sie rennen also auf dem Laufteller immer im Kreis, was auf Dauer und bei starker Nutzung des Tellers zu Gelenksproblemen führen kann.
Ungeschickte Tiere können bei einem abruptem Halt durch die Fliehkraft regelrecht durch die Gegend geschleudert werden. So etwas kommt leider häufiger vor und uns liegen Berichte von massiven Verletzungen vor.
Laufteller aus Holz und Kunststoff werden angenagt.

Gefährliches Spielzeug/Joggingbälle

Verzichten Sie auf Laufkugeln aus Plastik, die sogenannten Joggingbälle und andere Spielzeuge wie z. B. Autos mit Kugeln, in welche die Tiere eingesperrt werden um damit durch die Wohnung zu rollen. Diese Kugeln sind sehr gefährlich und absolut nicht tiergerecht. Die Tiere können sich in solchen Geräten sehr schwer verletzen, z. B. durch Anstoßen, Herunterfallen (Treppen), sie bekommen Atemnot durch schlechte Belüftung und sie steht darin unter starkem Stress, die Kugeln sind meist zu klein und sorgen für eine Rückradverkrümmung. Auch wenn es vielleicht so aussehen mag, als ob die Rennmäuse darin fröhlich laufen - in Wahrheit haben sie schreckliche Angst und laufen panisch um zu entkommen. Die Rennmäuse können diese Kugel ja nicht verlassen, wann sie wollen, ihnen wird das Laufen in der Kugel aufgezwungen. Auch wenn die Rennmäuse vielleicht von selber in die Kugel gehen, wissen Sie denn ganz genau, wann sie wieder hinausmöchten und wann das freiwillige Laufen einem erzwungenen Laufen und Panik weicht?.

Ein Auslauf in der Laufkugel ist kein echter Auslauf, die Wände hindern die Rennmäuse daran, etwas von seiner Umgebung wahrzunehmen. Rennmäuse sind Kurzsichtig, durch die Wände wird ihre Sehvermögen weiter eingeschränkt, sie können also nicht sehen wohin sie laufen. Der Sinn auf den sich Rennmäuse am meisten verlassen ist ihr Geruchssinn, aber in einer Plastikkugel eingesperrt kann können sie ihre Umgebung nicht erschnuppern. Auf ihr eines Gehör verlassen sich Rennmäuse ebenfalls beim Laufen, aber in diese Kugel dringen Geräusche nur eingeschränkt und Verändert zu den Rennmäuse durch. Sie ist also nicht in der Lage, sich in einer Kugel zu orientieren.

Laufkugeln und Metallaufräder sind von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz als tierschutzwidrig und gesundheitsschädlich eingestuft. (Merkblatt Heimtierhaltung, Tierschutzwidriges Zubehör (62) TVT )

Aktion gegen Joggingbälle