Rennmäuse miteinander vergesellschaften
Rennmäuse sind sehr soziale Tiere, die niemals allein gehalten werden sollten. Wenn ein Tier einen Partner verliert, wird es aber nicht ohne Weiteres einen neuen Partner in seinem Revier dulden. Sie sollten sich beim Zusammen bringen der Tiere unbedingt an einige Vergesellschaftungsregeln halten. Rennmäuse sind sehr Revierbezogene Tiere, von daher ist es nicht ratsam, ein neues Tier einfach so ins Gehege zu setzen - das führt für Gewöhnlich zu schweren Rangkämpfen und zum Tod eines Tieres! Grundsätzlich ist davon abzuraten, Gruppen miteinander zu vergesellschaften oder in eine bestehende Gruppe neue Mitglieder einzubringen. Eine Vergesellschaftung ist im Grunde nur dann sinnvoll, wenn Sie einem Einzeltier einen neuen Partner gönnen wollen. Siehe dazu auch: Ideale Gruppengröße.
Partnerwahl
Ideal wäre es, wenn Sie ein gemischtgeschlechtliches Paar halten würden, das ist die natürlichste Variante. Allerdings ist das nur dann sinnvoll, wenn der Bock kastriert ist und das Kastrieren von Böcken ist eine komplizierte Operation die von den meisten Tierärzten noch nicht durchgeführt werden kann. Auf keinen Fall sollten Sie ein gemischtgeschlechtliches Paar Rennmäuse dauerhaft ohne Kastration zusammen halten - siehe auch: Rennmaus Nachwuchs. Erkundigen Sie sich vorab, ob Sie einen Tierarzt finden, der diese OP durchführt. Sollten Sie diese Möglichkeit nicht haben, raten wir zu gleichgeschlechtlichen Tieren, wobei Böcke etwas friedlicher zusammen leben als Weibchen, aber auch das ist nur ein Erfahrungswert, es gibt auch durchaus friedliche Damen. Relativ einfach ist die Vergesellschaftung von Jungtieren bis 10 Wochen. Diese haben noch kaum Rudelgeruch und finden sich schnell zusammen. Ein erwachsenes Tier sollte idealerweise auch mit einem Jungtier von 8 - 12 Wochen vergesellschaftet werden (auf keinen Fall jünger!) . Das Jungtier wird sich dann dem alten Tier schnell unter ordnen. Zwei erwachsene Tiere aneinander zu gewöhnen ist aufwendig und sollte von einem Laien eher nicht versucht werden. Mitunter ist es auch gut möglich, einem erwachsenen Tier gleich zwei Jungtiere unter 10 Wochen dazu zu gesellen.
Folgende Möglichkeiten der Vergesellschaftung gibt es: Ideal sind meist Kombinationen verschiedener Vergesellschaftungsarten.
Die Panikbox
Die Panikbox - oder auch Kleinraummethode, ist eine schnelle, aber auch gefährliche Variante, bei der Sie ständig aufpassen sollten, was in der Box geschieht. Sie eignet sich sehr gut, um Tiere unter 10 Wochen schnell miteinander zu vergesellschaften. Ebenfalls ist die Panikboxmethode Teil der länger dauernden Vergesellschaftung von erwachsenen Tieren mit Trenngitter. Vor der Panikbox sollte immer ein kurzes Kennenlernen (10 Min.) der Tiere in der Badewanne oder in einem leeren Becken stehen. Sind die Tiere dort extrem aggressiv und gehen sie wild aufeinander los, dann verzichten Sie bitte auf einen Vergesellschaftungsversuch. Sind die Tiere relativ friedlich, können Sie die Tiere in die Panikbox verfrachten. Bereiten Sie eine Transportbox für die
Vergesellschaftung vor, diese sollte die Maße 10 x 20 cm nicht
überschreiten. Streuen Sie die Box neu ein (oder verwenden Sie gebrauchte Streu von beiden Tieren) und verteilen Sie ca.
einen Esslöffel Futter darin. Um den Tieren Flüssigkeit zu zuführen, legen Sie dünne Gurkenscheiben in die Panikbox und tauschen Sie diese alle paar Stunden aus.
Setzen Sie die Rennmäuse möglichst gleichzeitig in die
Transportbox und schließen Sie den Deckel. Achten Sie aber auf Luftlöcher und ein Guckloch, durch das Sie das Treiben in der Box beobachten können! Die Tiere werden
sich im Normalfall beschnuppern und evtl. auch aufsteigen, d. h. sie werden
sich gegenseitig mit den Vorderpfoten anstupsen und Fieptöne von
sich geben, sie werden sich auch ein wenig im Kreis jagen. Dieses ist aber völlig normal, da die Tiere sich
erstmal riechen lernen müssen. Vertragen sich Ihre Tiere nach
dem Reinsetzen, lassen Sie sie auf jeden Fall mindestens 24 Stunden, besser 3 Tage zusammen in
der Transportbox. Fiepen die Renner noch sehr oft oder treten immer wieder
Rangeleien auf, warten Sie lieber noch einen Tag länger. Die
Tiere sollten schon eng zusammen hocken, sich putzen und sich ganz offensichtlich
vertragen, bevor sie in ihr neues Zuhause ziehen dürfen.
Sicher
erscheint es Ihnen etwas hart, die Tiere in so ein kleines Behältnis
zu sperren, aber so finden die Tiere recht schnell zu einander.
Wieso funktioniert die Panikbox? Weil die Tiere eben Panik bekommen, sie sind in einem engen, kleinem Raum, sie haben Angst und finden so schnell zum Partner, denn jeder Partner ist in so einer Situation besser, als kein Partner.
Wie es weiter geht, ist hier nachzulesen: Im Gehege.
Neutraler Boden
Wenn Sie sehr junge Tiere unter 10 Wochen vergesellschaften, ist es mitunter auch möglich, sie einfach auf neutralem Boden zusammen zu setzen. Bereiten Sie dafür z.B. die Badewanne, einen abgetrennten Auslauf oder in einen großen Karton vor.
Dort sollte ein Häuschen vorhanden sein, in das beide Rennmäuse
sich flüchten können, welches aber auch 2 Eingänge aufweist, damit die im Streit unterlegene Maus leichter flüchten kann, gut eignen sich auch Weidenzweigtunnel. Das gemeinsame im Haus sitzen fördert
das Zusammengehörigkeitsgefühl. Der Halter sollte das
Geschehen für mehrere Stunden im Auge behalten und bei
Beißereien sofort eingreifen. Vertragen sich die Rennmäuse für mehrere Stunden im Auslauf,
kann der nächste Schritt der Vergesellschaftung in Angriff genommen werden. Die beiden Racker kommen für 2 - 3 Tage in die Panikbox.
Wie es weiter geht, ist hier nachzulesen: Im Gehege.
Trenngittermethode
Die Trenngittermethode wird auch angewandt, um ältere Tiere langsam aneinander zu gewöhnen. Ebenso wird sie auch bei Tieren die schon vergesellschaftet waren und ich gestritten haben oder wegen Krankheit getrennt waren eingesetzt um sie wieder aneinander zu gewöhnen. Auch bei Tieren, die sehr unruhig und angriffslustig sind, hat sich das Trenngitter bewährt.
Trennen Sie das Gehege der Tiere in der Mitte mit 2 Gittern - die Renner sollen sich sehen und riechen, aber nicht erreichen können. Ein Stabiles Trenngitter wird folgendermaßen gebaut: Messen Sie die Innenmaße des Beckens sorgfältig aus, bauen Sie zwei Holzrahmen die exakt hochkant ins Becken passen, tackern Sie an den einen Rahmen einen engmaschigen Vierkantdraht und nageln sie dann den anderen Rahmen dagegen, so das die Tiere sich nicht an überstehenden Gittern verletzten können. Sichern Sie den Rahmen oben am Beckenrand oder legen Sie beidseitig unten noch einen Ziegelstein dagegen, damit das Gitter nicht verrutscht. Um ganz auf Nr. Sicher zu gehen, ziehen Sie noch ein zweites Gitter ein - bauen Sie einen 1 cm dicken Zwischenrahmen und tackern Sie beidseitig Gitter an - so können die Tiere sich durch das Gitter auf keinen Fall verletzen.
Wechseln Sie täglich oder auch nur alle 2 Tage, die Tiere von einer Seite zur Anderen. So nehmen die Tiere den Geruch des Anderen gut auf. Wenn sich die Renner durch das Gitter angreifen wollen, das Fell stark sträuben und aggressiv wirken, lassen Sie die Tiere nicht zusammen! Es kann einige Wochen dauern, bis die Tiere sich beruhigen - meist reicht aber eine Woche Seitentausch und Trennung aus. Wagen Sie dann den nächsten Schritt, die Panikbox.
Zusammen im Gehege
Nach der
Vergesellschaftung der Tiere mit Trenngitter, oder auf neutralem Boden und nur wenn sich die Racker in der Panikbox auch gut vertragen und viel kuscheln (sie sollten sich auf keinen Fall mehr kugeln, kleine Kabbeleien sind ok), sollten die Tiere in
ein neues Zuhause umziehen.
Das neue Gehege wird vorab gründlich
mit Essigwasser gereinigt. Es sollte auch
ein neuer Standort für das Gehege gewählt werden. In das Becken kommen erstmal nur: Einstreu (auch die alte Einstreu aus der Panikbox und der Badewanne!), Heu, Klorollen und Sandbad. Ein Streutausch sollte erstmal nicht vorgenommen werden. Idealerweise sind Teilreinigungen, wenn es nötig ist verschmutze Einstreu entfernen und nur teilweise neue Einstreu anbieten. Wenn möglich, bieten Sie frisch vergesellschafteten Tieren erstmal nur ein 100 x 40 cm Becken an, bei unsicheren Tieren, die sich noch viel kabbeln wäre ein kleineres Becken, oder ein abgetrennter Bereich im Becken sinnvoll (einfach ein passendes Holzbrett hochkant ins Becken stellen, gut von oben mit Haken sichern, auf der nicht verwendeten Gehegeseite oder Beidseitig das Brett mit Ziegelsteinen stützen). Erweitern Sie das Gehege dann schrittweise. Vertragen sich die Tiere im neuen Gehege, geben Sie erstmal ein neues Haus und dann Schritt für Schritt immer nur ein neues Spielzeug und beobachten Sie gut, ob sich die Tiere weiterhin vertragen. Gibt es wieder Zoff, müssen die Tiere wieder kleine gesetzt werden. Schlimmstenfalls, also wenn es wieder zu starken Streitereien oder gar Bisswunden kommt muss wieder von Vorne - also mit Panikbox und Trenngitter - angefangen werden.
Solange die Tiere während den Vergesellschaftungsversuchen,
nicht länger als 5 Sekunden als Knäuel zusammensitzen und
sich beißen, sollten Sie nicht einschreiten, danach jedoch
sofort.
Versuchen Sie nicht mit der bloßen Hand dazwischen zu
greifen wenn die Tiere sich verbissen haben! In der Aufregung beißen die Tiere zu, auch in
Ihre Hand. Die Methode, sie mit Handschuhen auseinander zu ziehen ist
auch sehr umstritten, denn oft werden die Rennmäuse durch das
Auseinanderziehen stark verletzt, wenn eine Rennmaus sich in die Andere
verbissen hat. Versuchen Sie statt dessen, mit einer dicken Pappe
zwischen die streitenden Tiere zu kommen und sie so zu trennen. Eine weitere Möglichkeit der Trennung: stellen sie lauwarmes Wasser bereit, evtl. in einer Blumenspritze und sprühen sie (ohne Druck!) die Tiere ein wenig nass. Die Rennmäuse werden sich trennen um sich trocken zu lecken. Beachten Sie: die Tiere dürfen dabei keinem Zug ausgesetzt werden, sie sollten warm aber nicht heiß stehen um schneller zu trocknen und machen Sie die Tiere nicht klattschnass! Sollten sich die Tiere in der Box beißen, schütteln sie die Box ein klein wenig (wirklich nur sanft), bevor Sie zu andern Maßnahmen greifen.
Abschließend:
Damit die Tiere sich schneller "riechen" können, wird leider immer noch empfohlen, Duftstoffe einzusetzen. Oft werden Parfüms empfohlen, allerdings enthalten diese für Gewöhnlich eine Menge für Rennmäuse giftige Stoffe (Alkohole), diese werden von den Rennmäusen abgeleckt und können zu Vergiftungen führen. Auch andere Duftstoffe sollten nicht eingesetzt werden,
da diese wieder verfliegen und der Eigengeruch dann wieder durchkommt
und für neuen Stress sorgt.
Bei älteren Tieren kommt es öfter vor, dass sie kurz nach dem Verlust des Partners noch nicht bereit sind, sich neu vergesellschaften zu lassen. Nach Möglichkeit sollten Sie Ihr älteres
Tier, z. B. wenn es den Partner verloren hat, erst ein paar Tage
alleine lassen (ca. 5 Tage). Erfahrungen haben gezeigt, dass eine
Vergesellschaftung dann meist friedlicher abläuft, scheinbar
freut sich die Rennmaus dann über einen neuen Artgenossen. Sehr aggressive Tiere müssen ggf. auch mal ein paar Wochen ohne Partner leben, aber dann freuen auch sie sich meist wieder über einen Partner.
Nicht alle Tiere passen zusammen! Wenn die Tiere sehr aggressiv aufeinander reagieren und überdeutlich eine Abneigung gegen den, von Ihnen gewählten, Partner zeigen, dann sollten Sie nicht versuchen, diese Tiere zusammen zu zwingen!
Links
Ausführliche Berichte von Rennmausvergesellschftung können Sie hier nachlesen:
Sollten Sie Probleme mit der Vergesellschaftung von Rennmäusen haben, finden Sie hier kompetente Ansprechpartner und weitere Tipps und Artikel zum Vergesellschaften:
Rennmaus Walldorf. Mausebande Forum
|
 |
Partnerwahl
Möglichkeiten:
Panikbox
Neutral
Trenngitter
Im Gehege
Trennen!
Abschließend
Links
Ausführlicher Infotext:
Tagebuch einer Vergesellschaftung


Nur zu zweit





doppeltes Trenngitter:

einfaches Trenngitter:

Annäherung

In der Box/
gegenseitiges Putzen:

Spartanisches Gehege:

neue Einrichtung

mehr Einstreu
|