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Wie viele Rennmäuse in einem Gehege?

Kaum eine andere Frage erregt die Gemüter der Rennmausfans so sehr, wie die Frage nach der Gehegegröße und Besatzdichte im Gehege. Es gibt dazu unzählige Meinungen und Erfahrungen und sie werden wohl niemals alle unter einen Hut gebracht werden, denn die Tierhaltung ist nunmal keine exakte Wissenschaft. Auf dieser Seite möchten wir unsere Ansichten zum Thema darlegen.

In der Natur

Laut der Dissertation von Ute Elisabeth Schulze Sievert*, leben Rennmäuse paarweise, d.h. Immer ein nur ein erwachsenes Böckchen mit einem erwachsenen Weibchen, zusammen im Nest mit dem Nachwuchs. Im Frühjahr ziehen die Jungtiere aus und suchen sich neue Reviere wo sie sich ihrerseits wiederum als Paar zusammen tun. Es würden also in freier Wildbahn niemals mehr als zwei ewachsene und geschlechtliche Tier in einem Nest zusammen leben, es würden sich niemals mehr als zwei erwachsene Tiere einen Bau teilen. Die Bauten vieler solcher Paare nehmen zwar eine große Fläche ein und ergeben zusammen das große Rudel, aber die Tiere leben nicht in einem Nest wie z.B. Farbmäuse oder andere Rudeltiere. Jungtiere werden von den Eltern geduldet, bis sie im Frühjahr ausziehen und eine eigene Familie zu gründen, diese Tiere haben also ein ausgeprägtes soziales Verhalten untereinander.

Was passt dieses natürliche Verhalten der Tiere zu den Haltungsbedingungen, die ihnen in der Heimtierhaltung geboten werden?

Die üblichen Aussagen zur Rennerhaltung

Viele "Rennmausexperten" behaupten nach wie vor, dass Rennmäuse in großen Gruppen gehalten werden müssen, weil es Rudeltiere sind, aber die Tiere dann nur wenig Platz bekommen dürften, da es sonst zu Revierkämpfen kommt und die Gruppen zerfallen. So kommt es, dass viele Rennmäuse in Gehegen von der Größe eines Schuhkartons, oft nur 60 x 30 cm groß gehalten werden. Dafür leben sie dann aber mit vielen Artgenossen zusammen, werden sie in große Gehege umgesiedelt, kommt es zu üblen Beißereien.

Was wir dazu sagen

Natürlich sind Rennmäuse gesellige Tiere und sollten niemals allein gehalten werden. Aber die Haltung von großen Gruppen mit mehreren adulten (geschlechtsreifen erwachsenen) Rennmäusen ist nicht naturgemäß. Naturnah ist nur die Haltung von einem Paar, ggf mit Nachwuchs in einem Becken. Die Alternative für die Heimtierhaltung sind zwei gleichgeschlechtliche Rennmäuse pro Becken.

Sicher klappt es häufig, viele Tiere auf engstem Raum zusammen zu halten - es gibt kein Revier um das es sich zu kämpfen lohnt. Die absolute Enge führt dazu, dass die Tiere sich vertragen und warten, bis sie aus diesem engen Bau heraus kommen und die Chance bekommen, sich ein neues Revier zu suchen. Ähnlich wie in freier Wildbahn, wo die Jungen mitunter bei schlechter Witterung eine längere Zeit im Nest der Elterntiere ausharren. Die Rennmäuse bleiben also auf so engem Raum relativ friedlich zusammen, da sie keine andere Chance zum Überleben sehen. Aber selbst auf engstem Raum kann es noch zu großen Problemen kommen wenn die Tiere einmal unter Stress stehen oder ein Tier krank wird, dann nehmen die anderen Rudel angehörigen sofort ihre Chance war und greifen das geschwächte Tier massiv an. Sobald die Tiere mehr Platz bekommen, trennt sich das Rudel auf und die Tiere kämpfen um Reviere. Große Gruppen sind also immer extrem instabil.

Es kann außerdem natürlich nicht tiergerecht sein, Rennmäusen auf so engem Raum zu halten. In einem kleinen Becken können Sie kaum ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben. Rennmäuse sind sehr bewegungsfreudige Tiere, in einem Becken 60 x 30 cm oder auch 80 x 40 cm können diese Tiere weder viel Laufen, noch ausreichend Gänge graben. Es ist nicht wirklich möglich, so ein Becken hoch genug einzustreuen, damit die Tiere sich vernünftige Gänge bauen können, denn es muss immer ein Teil am oberen Beckenrand frei bleiben, damit dort sauber Futter und Wasser angeboten werden kann. Es ist bei hoher Einstreu, nichteinmal möglich, ein Laufrad anzubringen, damit die Tiere einfach mal los rennen können. Die Aufteilung des Beckens in einen hoch eingestreuten Bereich und einen Bereich mit einem Laufrad und Futterplätzen ist bei so kleinen Becken nicht möglich.

Es geht auch anders

Zwei Rennmäuse stellen eine ideale Gruppengröße dar. Die Bestätigung für unsere Erfahrung ist allein schon die Tatsache, dass man ihnen beinahe unbegrenzt viel Raum zur Verfügung stellen kann und die Tiere trotzdem ausgeglichen sind, sich gut vertragen und den Raum voll nutzen. Erst ab einer Gehegegröße von mindestens 0,5 m² fühlen sich die Tiere so wohl, dass es kaum noch zu "Eckenscharren", "stundenlangem Laufen im Rad" und "Gitternagen" kommt. Werden noch größere Gehegen angeboten, wirken die Rennmäuse in der Tat sogar ausgeglichener und verspielter, sie beschäftigen sich mehr mit der Nahrungssuche und miteinander. Sie zerlegen dafür aber kaum noch Einrichtungsgegenstände, auch Toilettenpapierrollen werden uninteressant und sie laufen kaum im Rad, was darauf hindeutet, dass sie wesentlich weniger unter Stress stehen. Das häufige Laufen im Rad ist ein Zeichen für Stressabbau. Dem natürlichen Bewegungsdrang der Tiere entspricht eher das gelegendliche, einfach mal ein paar Sekunden bis Minuten im Rad los rennen. Ab 1 m² Bodenfläche (+ Etagen) pro Gruppe wirken die Rennmäuse wesentlich ausgeglichener. Es kommt nur ausgesprochen selten zu Streit bei Zweiergruppen, bestenfalls bei spät vergesellschafteten Tieren kam es mitunter zu Problemen, aber Rennmäuse die Jung zusammen kamen, blieben in einer Zweiergruppe ein Leben lang friedlich zusammen.

Wir empfehlen: Halten Sie pro Gehege nur zwei erwachsene, gleichgeschlechtliche Tiere. Richtig augeglichen wirken die Tiere erst in großen Gehegen. Nur ein Aquarienverbund oder ein Eigenbau bietet genug Platz, damit die Rennmäuse ihren Bewegungsdrang voll ausleben können.

*Ute Elisabeth Schulze Sievert Ein Beitrag zur tiergerechten Haltung der Mongolischen Wüstenrennmaus anhand der Literatur; Tierärztliche Hochschule Hannover. Diese Dissertation können Sie sich als PDF hier herunterladen: Hochschule Hannover

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