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Zwerghamster Infos/Systematik:

Eine bekannte und mittlerweile in der Heimtierhaltung sehr beliebte Hamsterart sind die Zwerghamster. Es sind sehr quirlige Gesellen und zum Schmusen nicht geeignet, aber prima zum Beobachten, also das ideale Heimtier für berufstätige Menschen, die ihren Liebling hauptsächlich beobachten wollen. Die meisten Zwerghamsterarten sind Dämmerungsaktiv, in freier Wildbahn liegt ihre Hauptaktivitätszeit in den frühen Morgenstunden und in den späten Abendstunden. In der Heimtierhaltung gewöhnen sich aber viele Zwerge einen anderen Tagesrhythmus an und passen sich mitunter ihrem Besitzer an.

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Hamster (Cricetinae)
Gattung: 1 - 3 Kurzschwanz-Zwerghamster (Phodopus)
4 Langschwanz-Zwerghamster (Cricetulus)

Allgemeine Daten

Wir gehen auf dieser HP nur auf die vier Zwerghamsterarten ein, die am ehesten in der Heimtierhaltung anzutreffen sind.

Die Werte der nachfolgenden Tabelle sind nur Durchschnittswerte. Es gibt sicher Hamsterchen die leichter oder schwerer sind, entscheidend ist: sie sind nicht rund und fett sondern haben einen rundlichen Körperbau aber eine klar erkennbare Taille wenn sie laufen oder sich strecken. Sie fühlen sich nicht schwammig an, aber man kann auch die Knochen nicht hervorstechen sehen. Natürlich gibt es auch Abweichungen und so kann ein Zwerghamster durchaus mal unter oder über dem Mittelmaß liegen und trotzdem ganz gesund sein.

Das angegebene erreichbar Alter entspricht den Erfahrungswerten aus der Heimtierhaltung. Viele Zwerghamster zeigen schon mit nur 1,5 Jahren deutliche Alterserscheinungen, andere wirken auch mit über 2 Jahren noch fit. In seltenen Fällen werden die Zwerge auch älter als hier angegeben.

Art

Größe

Gewicht

Alter

Dsungarische Zwerghamster
(Phodopus sungorus)

9-10 cm

35-60 g

1,5-2,5 Jahre

Campbell Zwerghamster
(Phodopus sungorus campbelli)

8-9 cm

35-60 g

1,5-2,5 Jahre

Roborowski Zwerghamster
(Phodopus roborovskii)

7-9 cm

25-40 g

1,5-2,5 Jahre

Chinesische Streifenhamster
(Cricetulus griseus)

9-11 cm

30-50 g

2-3 Jahre

Dsungarische Zwerghamster

Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Zwerghamster ist Kasachstan und Südwest Sibirien, sie wohnen in relativ kargen Steppengebieten. Sie ernähren sich in erster Linie von Gräsern, Kräutern und Insekten. Sie legen ähnlich wie Goldhamster große unterirdische Baue an, teilweise liegen Vorratskammern aber viele Meter vom Bau entfernt.

Sie haben relativ große, runde Köpfe, weit auseinander stehende Augen, kleine runde Augen und ihr ganzer Körperbau ist rundlich. Ihre natürliche Fellfarbe ist grau, mit einem dunklem Rückenstrich und weißem Bauch. Im Winter wechseln sie ihr Fell und werden weiß, ein Indiz dafür, dass sie keinen Winterschlaf halten und auch im Winter aktiv sind und auf Futtersuche gehen müssen. Allerdings können sie im Winter ihre Körpertemperatur absenken um weniger Energie zu verbrauchen, sie zerren dann auch eher von Fettreserven und nehmen an Gewicht ab (bis zu 15 g). Sie gehören zu den Kurzschwanzhamstern. Sie zeigen kaum Farbmuttationen in der Zucht, deshalb wurden sie leider in der Vergangenheit massiv im Campbell Zwerghamstern gekreuzt, was dann zu entsprechenden Farbabweichungen führt. Nahezu alle in der Heimtierhaltung gehaltenen Dsungaren (vermutlich über 80 %) sind Hybriden

Sehr wahrscheinlich vermehren sich diese Tiere nur während der Sommermonate, im Winter gibt es wohl keinen Nachwuchs und es werden mehr Einzelgänger beobachtet. Die Tiere leben in freier Wildbahn teilweise allein, mitunter auch als Paar, der Bock wird sehr wahrscheinlich allerdings nach erfolgreicher Befruchtung/vor der Geburt aus dem Nest vertrieben und lebt dann allein.

Besonders erwähnenswert ist, dass die Dsungarischen Zwerghamster in freier Wildbahn wohl kaum Scheu vor Menschen haben. Die meisten Dsungaren sind sehr neugierig und oft von Anfang an zahm. Sie kommen meist schnell von sich aus auf die Hand und lassen sich hoch nehmen. Nur manchmal zwicken sie zum Testen in die Hand - meist sind sie eher aufgeweckt und gutmütig und können sogar Auslauf bekommen, nur kuscheln mögen sie nicht so gern.

Campbell Zwerghamster

Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Zwerghamster ist die Mongolei, Mandschurei und auch in Nordchina und im südlichen Zentralsibierien wurden sie schon gefunden. Sie leben ebenfalls in kargen Steppen. Sie ernähren sich recht karg von Gräsern, Pflanzen und Insekten, sie legen keine großen Baue an und haben keine so ausgeprägte Vorratshaltung.

Lange Zeit wurden diese Zwerghamster als eine Unterart der Dsungarischen Zwerghamster angesehen, aber sie sind doch eher als eigenständige Zwerghamsterart zu sehen. Sie gehören zu den Kurzschwanzhamstern.

Campbell Zwerghamster haben einen massiven Körperbau, mit einer ausgeprägteren Taille. Sie haben einen spitzeren Kopf als Dsungaren, ihre Augen liegen näher beieinander, ihre Ohren sind spitzer. Ihre natürliche Fellfarbe ist eher grau/braun, der Bauch ist weißlich und sie haben auch einen dunklen Rückenstreifen, sie sind leicht an ihrem "Milchbärtchen" (helle Flecken um das Maul, das Fell ist dort auch etwas länger) zu erkennen und von Dsungaren zu unterscheiden. Campbell Zwerghamster zeigen bei der Zucht eine große Farbenfielfalt, es gibt sie von hell bis dunkel in allen Farbschattierungen, auch rote Augen gibt es. Darin unterscheiden sie sich stark vom Dsungaren, der kaum Farbmuttation zeigt.

Campbell Zwerghamster betreiben eine gemeinschaftliche Brutpflege, es wird angenommen, dass sie Monogam leben (also in Paargemeinschaft mit Nachwuchs). Als Heimtiere gehalten leben sie meist etwas friedlicher im Familienverbund zusammen. Auch gleichgeschlechtliche Paare oder sogar Gruppen leben mitunter über einen langen Zeitraum friedlich zusammen. Sie sind etwas scheuer dem Menschen gegenüber.

Wildlebend halten Campbell Zwerghamster keinen Winterschlaf und ihr Fell färbt sich im Winter nicht um. Viele im Handel erhältliche Campbell Zwerghamster sind vermutlich auch Hybriden.

Hybriden

Campbell und Dsungarische Zwerghamster könnten miteinander verpaart werden, allerdings ist es das keinesfalls empfehlenswert. Züchter tun dies, um verschiedene Farbvarianten heraus zu züchten, da Dsungaren kaum zu Farbveränderungen neigen und Campbells schon in vielen Farben vorhanden sind. Allerdings sorgt der Unterschied der Y- Chromosomen dafür, das männliche Tiere solcher Verpaarungen unfruchtbar sind. Hybriden können ebenfalls massive Schädigungen aufweisen. Die unterschiedliche Jungengröße kann gerade bei Dsungarenweibchen zu massiven Geburtskomplikationen und zum Tod von Mutter und Jungen führen. Viele Hybriden neigen zur Diabetes. Einige Farbschläge leiden unter dem sogenannten Backflipping Syndrom kommen, bei dem die Tiere Orientierungslos sind und häufig umfallen oder sogar rückwärts rollen, es scheint hier eine massive Schädigung des Innenohres vorzuliegen. Viele Hybriden leiden außerdem unter massivem Übergewicht. Manche Jungen sind auch kleinbleibend und werden nicht sehr alt.

Beide Tierarten haben auch sehr unterschiedliche Verhaltensweisen, Hybriden zeigen deshalb häufig abweichende Verhaltensweisen, sind mitunter sehr unsauber und rastlos. In freier Wildbahn würde es niemals zu so einer Verpaarung kommen, da beide Tierarten unterschiedliche Gebiete bewohnen.

Roborowski Zwerghamster

Es sind die kleinsten Zwerghamster die in der Heimtierhaltung gehalten werden. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist der Osten Kasachstan und der Norden Chinas, sie leben in Wüsten und Halbwüsten. Dort ernähren sie sich recht karg von Gräsern und Kräutern, weshalb man gerade bei diesen Tieren auf eine fettarme Kleinsämereienmischung mit Kräuteranteil achten sollte. Kerne darf es nur im Ausnahmefall geben.

Sie haben ein sandfarbendes Fell, helle Flecken über den Augen und der Bauch ist weiß, sie haben keinen Rückenstreifen. Ihre Fußsohlen sind behaart und sie haben helle Streifen über den Augen. In der Zucht gibt es kaum Farbmuttationen, obwohl leider die Züchter auch hier zuschlagen und zunehmend hellere Tiere auf den Markt kommen. Sie gehören zu den Kurzschwanzhamstern. Ihre natürliche Lebensweise ist kaum erforscht, vermutlich leben sie in freier Wildbahn als Paar zusammen und ziehen ihre Jungen gemeinsam auf. In der Heimtierhaltung wurden gute Erfahrungen mit Geschwisterhaltung gemacht - aber auch dort mussten die Tiere nicht selten getrennt werden.

Von allen Zwergen sind sie die schlechtesten Kletterer, dafür laufen sie sehr emsig umher, auch wenn sie so klein sind, sollten sie doch ein sehr großes Gehege bekommen. Sie wühlen und buddeln eher mäßig und mögen einen Sandigen Untergrund. Sie werden nur selten wirklich zahm und sind eher etwas zum anschauen als zum spielen.

Chinesische Zwerghamster/Streifenhamster

Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist Südsibirien, Mongolei, Nordchina und Korea. Sie legen einfache Baue an, haben aber mitunter Vorratskammern die weit vom Schlafbau entfernt sind. Sie siedeln auch gern in der Nähe des Menschen. Ihr Futterspektrum ist reichhaltiger als das der kurzschwänzigen Zwerge, Samen, Kräuter, Gräser, Getreide, Früchte und Insekten werden gern genommen.

Sie erreichen eine Länge von 9 - 11 cm, wiegen aber dabei nur ca. 30 - 40 g. Chinesischen Streifenhamster sind länger und schlanker als andere Zwerghamster. Chinesen können etwas älter werden, 2 - 3,5 Jahre sind hier der Durchschnitt. Sie gehören zu den langschwänzigen Zwerghamstern, ihr Schwänzchen kann 1,5 - 2 cm lang werden. Sie haben als einzige Zwerghamster Flankendrüsen (kleine Duftdrüsen an den Seiten am Rücken).

Besonderheit: Ihre Hoden schwellen im Sommer beachtlich an, das hat schon manchen Halter sehr verwirrt - ist aber normal.

Chinesische Streifenhamster leben sehr wahrscheinlich als Einzelgänger und sie sind im Allgemeinen ihren Artgenossen gegenüber recht unverträglich. Zwar gelingt es manchen Züchtern, sie als Paar zusammen zu halten. Aber eine Vergesellschaftung gleichgeschlechtlicher Chinesen ist nicht sinnvoll, sie sollten ebenso wie Zwerghamster einzeln gehalten werden.

Sie sind im Gegensatz zu den anderen Zwerghamstern sehr gute Kletterer und Sie sollten bei ihrer Haltung darauf achten, dass sie viele Klettermöglichkeiten haben, von daher ist es hier sinnvoller, sie in Gitterkäfigen unterzubringen. Sie können zahm werden, sind aber auch oft etwas zurückhaltend.

Soziales

Diese meisten kurzschwänzigen Zwerghamsterarten (Campbell, Dsungare, Roborowksi) leben in der freien Wildbahn zeitweilig im Familienverband zusammen. Sie trennen sich aber meist für den Winter wieder. Pro Nest findet man immer nur ein fortpflanzungsfähiges Paar, gleichgeschlechtliche, erwachsene Zwerghamster leben normalerweise nicht zusammen. In der Heimtierhaltung wird oft versucht, die Tiere mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen zusammen zu halten, nur selten klappt das ein Leben lang. Leider kommt es sehr häufig vor, dass die Tiere sich nach Abschluss der Geschlechtsreife oder bei Krankheit eines Tieres ernsthaft streiten und beißen. Wenn man sie dann nicht rechtzeitig trennt, kann es zum Tode eines Tieres kommen. Einmal getrennt, lassen sie sich nur schwer wieder vergesellschaften (ich habe bisher noch von keinem geglückten Versuch gehört). Nehmen Sie also von Anfang an eher nur einen Zwerghamster auf. Möchten Sie es mit einer Gruppenhaltung versuchen, stellen Sie sich darauf ein, irgendwann viele einzelne Hamster in Käfigen zu haben, die dann natürlich wesentlich mehr Platz und Fürsorge brauchen. Einzeln gehaltene Zwerghamster leiden nicht an ihrer Einzelhaltung wenn Sie seinen Käfig abwechslungsreich gestalten. Ein Einzelgängerdasein ist für diese Tiere oft weniger stressend als die Anwesenheit eines gleichgeschlechtlichen Partners der irgendwann als Futterkonkurent angesehen wird.

Weitere Infos zur Gruppenhaltung finden Sie hier Zwerghamster in Gruppen?.

Geschlecht

Eine Geschlechtserkennung ist bei Jungtieren nicht ganz leicht. Nur im direkten Vergleich ist das Geschlecht eindeutig zu bestimmen. Aber es gibt schon früh deutliche Unterscheidungsmerkmale:

  • Bei Böcken liegen Afteröffnung und Geschlechtsöffnung etwas weiter auseinander, als bei Weibchen.
  • Bei Böcken ist ein Hodenansatz zu erkennen.
  • Bei Weibchen sind zwei Reihen von Zitzen zu erkennen. Allerdings sind diese bei jungen Weibchen nicht sehr ausgeprägt.
  • Böcke haben ein spitz zulaufendes Hinterteil, bei Weibchen ist der Po eher rund und das Becken etwas breiter.
  • Bei den Weibchen ist mit etwas Glück der Scheideneingang als dunkler Punkt zu erkennen.

Sind die Hamster ausgewachsen ist es wesentlich leichter sie zu unterscheiden. Dsungaren und Campbell Zwerghamster haben klar erkennbare Hoden, die im Sommer zur Kühlung mitunter sehr stark anschwellen. Chinesische Streifenhamster haben sehr große, weit wegstehende Hoden die nicht zu übersehen sind. Nur bei Robos bleibt die Geschlechtsbestimmung schwer, sie zeigen ihren Hoden nicht so deutlich - siehe Bild rechts.

Besonderheiten

Verpaarungen
Es ist möglich, Dsungaren und Campbell Zwerghamster zu kreuzen, Informationen dazu finden Sie hier:
Verpaarung von Campbell und Dsungare?

Backentaschen
Alle Zwerghamsterarten haben mehr oder weniger ausgeprägte Backentaschen. Von den Backentaschen haben Hamster ihren Namen, denn sie "hamstern" in diesen Backentaschen das Futter, welches sie dann ins Nest transportieren. Die Backentaschen sind eine Erweiterung der Maulhöhle des Hamsters, sie haben eine Öffnung zum Maul hin, sind aber im hinteren Teil durch eine Haut vom Maul getrennt. Die Haut über den Backentaschen ist sehr dehnbar, ein Hamster kann seine gesamte Tagesfutterration in ihnen verstauen. Die Backentaschen dehnen sich bei den meisten Tieren fast bis zur Taille, die Backentaschen von Roborowskizwergen geht bis zu den Hinterbeinchen.

Zähne
Alle Zwerghamster haben Vorne ständig nachwachsende, wurzellose Nagezähne, je zwei oben und unten. Die Vorderseite der Nagezähne weißt einen stark mineralhaltigen, gelb pigmentierten Zahnbelag auf, sie sind mitunter fast Orange. Dazu besitzen sie je sechs nicht nachwachsende Backenzähne mit fester Wurzel.

Duftdrüsen (Ventraldrüse)
Eine Besonderheit bei allen Zwerghamstern ist die Duftdrüse, welche sie am Bauch haben. Bei den Weibchen ist sie nur schwach ausgeprägt, bei Böcken oft stärker zu sehen. Bei den Böcken kann diese Drüse bei Erregung und bei Erreichen der Geschlechtsreife sehr stark riechen und auch mal gelblich verklebt sein. Ist die Drüse verkrustet, sollte sie vorsichtig gereinigt werden, ist sie dauerhaft verkrustet und stinkt, könnte eine Entzündung vorliegen, das sollte bei einem Tierarzt abgeklärt werden.

Augen
Das räumliche Sehvermögen von Hamstern ist eingeschränkt, da ihre Augen weit auseinander liegen. Sie können somit Entfernungen nur schwer abschätzen und sehen nur in ihrer direkten Umgebung wirklich scharf. Sie sind also vereinfacht ausgedrückt "kurzsichtig", sehen dafür aber einen weiten Bereich um sie herum (gute Rundumsicht) und können Feinde so schnell erkennen. Sie besitzen, wie die meisten Tiere, nur zwei Zäpfchentypen (blau/grün) sie sehen also nicht das volle Farbspektrum, sondern können damit vor allem Gelbgrün bis Blauviolett (dichromatisches Farbsehen) gut sehen und angeblich nehmen sie auch UV Licht wahr. Sie besitzen mehr Stäbchen als wir Menschen und haben somit lichtempfindlichere Augen, es reicht ihnen also wenig Licht um gut zu sehen und ihre Augen reagieren etwas empfindlich auf sehr helles Licht.