Anatomie Hausmeerschweinchen (Cavia aperea (porcellus))

Physiologische Daten

Körperlänge:     adulte Tiere 20 - 35 cm
Gewicht:     Weibchen: 700 - 1200 g
Böckchen: 800 - 1600 g
Körpertemperatur:     37,4 bis 39,5 °C
Atemfrequenz:     100 bis 150/Min
Herzfrequenz:     230 bis 380/Min
Futterverbrauch:    10 - 16 g je 100 g Körpergewicht pro Tag (reine Masse ohne Wasser!)
Wasserverbrauch:     10 ml je 100 g Körpergewicht pro Tag (auch Flüssigkeit aus Nahrungsmitteln gehört dazu!)
Geschlechtsreife:     ab dem 28 - 35 Lebenstag zeugungsfähig
Abgeschlossene Geschlechtsreife etwa mit 8 Wochen.
Geschlechtszyklus:      14 - 18 Tage
Zuchtreife:     ab 3 Monaten
Wurfgröße:     1 - 6 Jungtiere
Ausgewachsen:     zwischen 8 - 12 Monaten
Lebenserwartung:     durchschnittlich 5 - 8 Jahre

Sinnesleistungen

Augen:    Meerschweinchen können durch ihre weit auseinanderliegenden Augen, die seitlich am Kopf liegen, nicht gut räumlich sehen. Aber sie nehmen ihre Umgebung relativ gut wahr. Sie haben einen weiten Sichtwinkel, der es ihnen ermöglicht, Feinde rechtzeitig zu sehen. Sie können Farben unterscheiden allerdings ist nicht ganz klar, wie sie diese wahrnehmen. Sie haben nicht wie wir Menschen 3, sondern nur 2 Zäpfchen, ihnen fehlt das Zäpfchen für Rot. Sie können Blau/Blauviolet und Blaugrün sehen.
Ohren:     Meerschweinchen haben ein sehr gutes Gehör. Sie nehmen auch Töne wahr, die der Mensch nicht hören kann. Frequenzen von 16 - 33 000 Hertz können wahr genommen werden.
Nase:    Meerschweinchen haben einen ausgesprochen guten Geruchssinn. Sie nehmen ihre Umwelt über sehr differenzierte Gerüche wahr. Bei der Nahrungssuchen entscheidet zuerst der Geruch, ob ein Futtermittel fressbar ist oder nicht. Auch Gruppenmitglieder werden am Geruch erkannt.
Tasthaare:     Meerschweinchen besitzen Schnurrhaare (Vibrissen), mit denen sie ihre Umgebung auch im Dunkeln ertasten können.

Anatomische Besonderheiten

Zähne:    Das Meerschweinchen hat vorne ständig nachwachsende Nagezähne, je zwei oben und unten, dazu je acht Backenzähne, also insgesamt 20 Zähne, welche ständig nachwachsen und wurzeloffen sind.
Kaudaldrüse    Diese Drüse liegt ca. 1 cm oberhalb des Afters, sie produziert Duftstoffe. Beim Bock ist sie meist stärker ausgeprägt als beim Weibchen. Die Drüse ist leicht gewölbt und ist als ovale Region mit pigmentierter Haut sichtbar und auch gelegentlich mit verklebten Haaren bedeckt.
Perinealtasche     Unterhalb des Afters verläuft eine flache Tasche aus dünner Haut. Beim Bock enthält sie die Perinealdrüsen, welche eine Flüssigkeit absondern, die Duftstoffe enthält. Es ist eine große Öffnung zwischen Anus und Penis/Hoden. In ihr können sich Schmutzpartikel ansammeln, sie sollte also regelmäßig kontrolliert und ggf. mit einem QTipp und Babyöl gereinigt werden.

Eine kurze Übersicht über die Verdauung

Die Mundhöhle des Meerschweinchens wird in zwei Abschnitte unterteilt. Im vorderen "Nageraum" wird die Nahrung mit den Nagezähnen grob zerkleinert. Große Backenwülste teilen den hinteren "Kauraum" ab. Dort wird die Nahrung mit den Backenzähnen fein zerkleinert (zermahlen). Im Maul wird die Nahrung eingespeichelt und dann über die Speiseröhre in den Magen weitergeleitet. Im Magen (Fassungsvermögen bei adulten Tieren ca. 20 - 30 ml) wird die Nahrung vermengt, mit verschiedenen Enzymen aufgespalten und übereinander geschichtet. Der Magen ist einhöhlig und dünnwandig und besitzt nur eine geringe Muskulatur. Innerhalb von 1 - 7 Stunden tritt der Speisebrei vom Magen in den Zwölffingerdarm (welcher 12 cm lang ist) aus. Am Zwölffingerdarm liegen auch der Gallengang und der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse.

Der Darm des Meerschweinchens verfügt nur über eine geringe Muskulatur. Der Speisebrei wird kaum, wie beim Menschen, durch die Bewegung des Darmes durch Muskeln (Darmperistaltik) weitergeleitet, sondern in erster Linie nur durch nachkommende Nahrung. Er wird deshalb auch als "Stopfdarm" bezeichnet - es muss oben was rein kommen, damit unten was raus kommt. Dies ist einer der Gründe, weshalb Meerschweinchen nie ausgenüchtert werden dürfen (da sie wegen ihrer geringen Magenmuskulatur auch nicht erbrechen können, ist ein Ausnüchtern ohnehin sinnlos).

Im Anschluss an den Zwölffingerdarm (Duodenum) passiert der Speisebrei den Leerdarm (Jejunum) und den Krummdarm (Ileum) welche zusammen 120 cm lang sind. Dort findet eine weitere enzymatische Aufspaltung des Speisebreis statt, gelöste Futterbestandteile werden aufgenommen.

Der anschließende Dickdarm (Colon) des Meerschweinchens ist stark auf die Zelluloseaufspaltung spezialisiert. Der Blinddarm des Meerschweinchens (Zäkum/Caecum) ist ca. 15 cm lang. Er liegt gekrümmt (hufeisenförmig) an der Bauchwand an und wird in drei Abschnitte unterteilt. Im Blinddarm befinden sich Bakterien, welche für die Aufspaltung und Bildung von Vitaminen lebenswichtig sind. Im Blinddarm wird der Kot durch Vitamine und Eiweiß angereichert. Es wird davon ausgegangen, dass Meerschweinchen hier auch einen speziellen, vitaminhaltigeren Blinddarmkot produzieren, er unterscheidet sich optisch nur wenig vom normalen Kot (weshalb nicht klar abgegrenzt werden kann, ob es sich um Blinddarmkot oder normalen Kot handelt, da die Schweine aber stark selektieren, welchen Kot sie aufnehmen, gehen wir von einem speziellen Blinddarmkot aus). Dieser Kot wird von Meerschweinchen direkt am Anus wieder aufgenommen. Es finden sich im Zäkum hauptsächlich anaerobe und grampositive Bakterien (Kokken, Lactobacillen).

Im Dickdarm (ca. 80 cm lang) werden die Nährstoffe aufgenommen, Wasser wird entzogen.

Die gesamte Darmpassage kann etwa 5 Tagen dauern!

Die Ausscheidung stickstoffhaltiger Endprodukte des Stoffwechsels geschieht durch die Nieren, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre.

Ausführliche Informationen bekommen Sie auf dieser Seite:
Meerschweinchen in der Kleintiersprechstunde von Birgit Drescher

Organe

  1. Schneidezähne

  2. Lymphdrüsen

  3. Kehlkopf

  4. Speicheldrüsen

  5. Luftröhre

  6. Speiseröhre

  7. Herz

  8. Lungen (beidseitig)

  9. Zwerchfell

  10. Leber (vierteilig)

  11. Gallenblase

  12. Magen

  13. Zwölffingerdarm

  14. Dünndarm

  15. Dickdarm

  16. Blinddarm

  17. Blase

  18. Harnröhre

     Meerschweinanatomie

Anatomische Besonderheiten am Meerschweinchenskelett

Meerschweinskelett

  1. Zwei nachwachsende Schneidezähne im Oberkiefer
  2. Zwei nachwachsende Schneidezähne im Unterkiefer
  3. Im Ober und Unterkiefer je vier ebenfalls wurzeloffene, nachwachsende Backenzähne auf jeder Seite.
  4. Die Wirbelsäule setzt sich aus 7 Halswirbeln, 12 Brustwirbeln, 6 Lendenwirbeln, 4 Kreuzbeinwirbeln und 7 Schwanzwirbeln zusammen.
  5. Vorderpfoten mit 4 Zehen und einem zurückgebildetem Daumen.
  6. Die Hinterfüße besitzen 3 Zehen.
  7. Schwanzfortsatz - Meerschweinchen haben aber keinen äußerlich sichtbaren Schwanz.