Gesunderhaltung

Schweinchen TÜV - der Gesundheitscheck

Ein krankes Meerschweinchen zeigt seine Krankheit nicht wirklich deutlich an. Es kommt weiterhin zum Futternapf, es versucht weiterhin am gesellschaftlichen Leben im Rudel teilzunehmen. Dies sind normale Verhaltensweisen, das Tier muss fressen um am Leben zu bleiben und das Rudel bietet im Schutz. Deshalb bleiben Krankheiten vor dem Halter meist lange verborgen. Häufig fällt dem Halter eine Krankheit erst dann auf, wenn sie schon so weit fortgeschritten ist, dass sein Haustier überdeutliche Anzeichen wie eine sichtbare Gewichtsabnahme, Schwächezustände bis hin zur Apathie zeigt, meist ist es dann aber für eine erfolgreiche Behandlung der Krankheit schon zu spät! Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass jeder Halter seine Tiere sehr genau beobachtet um krankhafte Veränderungen rechtzeitig zu erkennen!

Ein täglicher Gesundheitscheck ist Lebensnotwendig:

  • Kommen alle zum Fressnapf, zur Fütterung?
  • Fressen sie normal und in der gewohnten Geschwindigkeit?
  • Sind sie munter und an ihrer Umgebung interessiert?
  • Laufen Sie normal?
  • Ist der Kot normal geformt?
Das sind Fragen, die Sie sich täglich stellen sollten. Wenn eins Ihrer Tiere sich anders als normal verhält oder Ihnen Krankheitszeichen auffallen, dann suchen Sie mit dem Tier unverzüglich einen Tierarzt auf!

Um schlimmere Krankheiten rechtzeitig zu erkennen, sollten Sie mindestens einmal pro Woche Ihre Tiere genau untersuchen.

Nehmen Sie die Tiere aus dem Gehege und führen Sie folgende Untersuchungen durch:

  • Gewichtskontrolle. Wiegen Sie das Tier und schreiben Sie sich das Gewicht auf.
    Hält das Meerschweinchen in der Küchenwaage nicht still, dann nehmen Sie eine Transportbox zur Hilfe, wiegen Sie erst die Box, dann das Tier in/zusammen mit der Box und ziehen Sie das Gewicht der Box ab.
  • Schauen Sie in die Ohren, ins Mäulchen /zwischen die Zähne (Futterreste entfernen), und in die Augen.
  • Tasten Sie das Tier ab. Achten Sie auf Tumore, Verdickungen und Aufgasungen.
  • Untersuchen Sie das Fell des Tieres (gegen den Strich streicheln, schauen Sie nach kahlen Stellen, Läsionen und anderen Auffälligkeiten).
  • Schauen Sie auf den After, achten Sie auf verklebte Stellen.
  • Achten Sie bei Böcken besonders auf die Perinealtasche und den Penis.
  • Kontrollieren Sie die Krallen und kürzen Sie diese falls nötig. Untersuchen Sie die Füßchen auf Verletzungen oder Hornhautverwachsungen die entfernt werden sollten.

Krankheitszeichen und Ihre Bedeutung

Hier finden Sie eine kurze Auflistung von häufiger vorkommenden Krankheitsanzeichen. Da es selbstverständlich ist, dass Sie mit einem kranken Tier einen Tierarzt aufsuchen, haben wir nicht jedesmal darauf hingewiesen.

Sind Worte /Krankheiten als Link angegeben, verbirgt sich dahinter ein ausführlicher Infotext zu der entsprechenden Erkrankung!

Starkes Sabbern ist ebenfalls ein Symptom für Schmerzen.
GewichtsverlustEin deutlicher Gewichtsverlust weist oft auf eine Krankheit hin. Gewichtsschwankungen um 50 g die Woche sind normal. Sollte das Tier mehr abnehmen oder in kürzerer Zeit (innerhalb 1 - 2 Tagen) 50 g abnehmen, weißt das auf viele unterschiedliche Krankheiten hin, das muss von einem Tierarzt abgeklärt werden. Eine Ursache kann auch großer Stress sein. Mehr zum Thema: Gewicht
Kahle oder schorfige Stellen im Fell
Vermehrtes Kratzen
Kahle und schorfige Stellen weisen auf Milben- oder Haarlingsbefall bzw. einen Pilz hin. Symetrischer Haarausfall am Bauch/an den Seiten könnte auch auf ein Hormonproblem und/oder Ovarialzysten hinweisen. Steht das Fell gesträubt ab und ist es stumpf und glanzlos, dann weist das ebenso auf Krankheit (oder hohes Alter) hin. Fellverlust kann auch auf eine Mangelerkrankung durch Fehlernährung oder auf eine Schilddrüsenerkrankung hinweisen. Ein gesundes Meerschweinchen hat ein dichtes, glänzendes Fell. Die kahlen Stellen hinter den Ohren sind normal, die Brustwarzen bei Weibchen und Männchen ziemlich weit hinten auch.
Veränderte AugenVerklebte / verschlossene / trübe / graue verdickte oder anderweitig veränderte Augen sind ein Krankheitszeichen. Es könnte eine Bindehautentzündung, Zahnprobleme oder Verletzung der Augen vorliegen. Mehr Infos dazu finden Sie hier: Augenprobleme beim Meerschweinchen
Vorderzähne, abgebrochenDie Zähne müssen so zueinander stehen, dass sie sich gut abnutzen können. Die Vorderseite der Schneidezähne sollte cremeweis bis hellgelb sein. Sind die Zähne zu lang, geben Sie mehr Zweige zum benagen (kein hartes Brot!), ist ein Zahn abgebrochen? Behalten Sie das gut im Auge, frisst das Meerschweinchen normal und nutzen sich die Zähne trotzdem gut ab, dann reguliert sich das von selbst, sonst sofort zum Tierarzt. Mehr zum Thema: Zahnprobleme beim Meerschweinchen.
Mundumgebung feucht, angesabbert, kahle Stellen, SchorfSabbert das Meerschweinchen sehr stark könnte das ein Hinweis auf beginnende Backenzahnprobleme sein, suchen Sie umgehend einen Tierarzt auf. Mehr zum Thema: Zahnprobleme beim Meerschweinchen. Starkes Sabbern ist auch ein Hinweis auf einen Pilzbefall im Mund.

Schorf zwischen den Lippen / unter / auf der Nase? Das könnte Lippengrind sein.

Nase, verklebt oder feucht, das Tier niest.
Starke Flankenatmung Aktivitätsverlust
Das sind deutliche Hinweise auf eine Atemwegserkrankung. Mehr Informationen dazu hier: Atemwegserkrankungen beim Meerschweinchen
Ohren Schuppig, verklebt.
Kopfschiefhaltung
Verklebte Ohren weisen auf eine Infektion im Innenohr hin, eine stärkere Infektion führt dazu, dass die Tiere Ihren Kopf schief halten und teilweise auch stärker am Ohr kratzen = Fellverlust und Schorfstellen. Schuppige oder schorfige Ohren weisen auf einen Parasitenbefall bzw. einen Pilzbefall hin. Mehr Infos sind hier zu bekommen: Ohrentzündungen
After, schmutzig und verklebt.
Köttel weich und matschig
Wenn der After verschmutzt und verklebt ist, dann weist das auf Darmprobleme hin. Ausführliche Informationen dazu finden Sie hier: Durchfall beim Meerschweinchen.
Durchfall flüssiger Durchfall Flüssiger Durchfall weist auf eine Infektion hin, Colibaktieren oder auch Kokzidien sowie Würmer lösen so einen Durchfall aus. Ausführliche Informationen dazu finden Sie hier: Durchfall beim Meerschweinchen. Darmparasiten.
Kein Kotabsatz harte kleine Köttel, Inaktivität Setzt das Meerschweinchen keinen Kot ab, weist das auf eine Verstopfung hin. Auch sehr kleine und unförmige Köttel können auf eine Verstopfung / Magenüberladung hinweisen. Mehr Informationen dazu bekommen Sie hier: Verstopfung (Obstipation) beim Meerschweinchen
Ausfluss aus der ScheideÜbel riechender (evtl. eitriger) Ausfluss aus der Scheide, mitunter mit einer verschmierten und schmutzigen Analregion, häufig in Verbindung mit Aktivitätsverlust und Futterverweigerung, Druckempfindlichkeit am Bauch, ist ein Zeichen für Gebärmutterentzündungen. Es sollte unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden. Hier findet sich ein Erfahrungsbericht zum Thema: Gebärmutterentzündung, Entfernung der Gebärmutter mit anschließendem Narbenbruch. Leichter Ausfluss während der Östrus ist normal und kann ggf mit einem feuchten Tuch oder Babyöl entfernt werden.
Penis nicht eingezogen Zieht der Bock seinen Penis nicht mehr ein und hängt diese heraus, könnte das verschiedene Ursachen haben. Mitunter ist der Penis verschmutzt, Haare und Schmutz wickeln sich herum. Nach Kastrationen kommt es mitunter zu einem Penisvorfall. Dann muss der Penis täglich mehrmals mit Babyöl gereinigt und wieder zurück geschoben werden, bis der Bock es wieder von selbst kann.
Urin Blut im Urin, Quieken/Schmerzen beim Wasserlassen
Inaktivität
Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen, Quieken oder ein krummer Rücken beim Urinieren, ständig feuchter Afterbereich, stark riechender Urin, geducktes Sitzen und Krämpfe beim Tier - das sind Zeichen für eine Blasenerkrankung oder auch einen Blasenstein. Mehr Informationen dazu bekommen Sie hier: Blasen- und Nierenerkrankungen beim Meerschweinchen
Bauch hart, rund, angespannt. Starke Flankenatmung, InaktivitätEin angespannter Bauch, Fressunlust, aufgeplustertes angespanntes Sitzen, Inaktivität. Diese Anzeichen weisen auf starke Fehlgärung im Darm hin. Ausführliche Informationen dazu bekommen Sie hier: Blähungen / Tympanie bei Meerschweinchen. Es kann ebenfalls eine Verstopfung die Ursache sein: Verstopfung und Magenüberladung beim Meerschweinchen. Auch eine Nierenerkrankung sollte abgeklärt werden.
Fehlender KotabsatzSetzt das Meerschweinchen über einen längeren Zeitraum keinen Kot ab, versucht es mit gekrümmtem Rücken durch starkes Pressen vergeblich Kot abzusetzen, dann hat es eine Verstopfung. Mehr Informationen dazu bekommen Sie hier: Verstopfung beim Meerschweinchen
Tumore Verdickungen unter der Haut, tastbare, feste Veränderungen am KörperBei fühlbaren Verdickungen / Tumoren ist unverzüglich ein Tierarzt aufzusuchen. Es könnte sich um Lipome, Atherome, Zysten, Liposarkome, Adenome, Krebs oder andere Wucherungen handeln. Diese können häufig, rechtzeitig erkannt, operativ entfernt werden. Mehr Informationen finden Sie hier: Wucherungen und Tumore beim Kleintier; Abszesse beim Meerschweinchen.
Aktivitätsverlust mit Seitenlage und starker Flankenatmung sowie verminderte oder keine FutteraufnahmeEs ist unverzüglich ein Tierarzt aufzusuchen! Das Meerschweinchen hat eine schwere Erkrankung / Infektion. Liegt das Schweinchen auf der Seite und kann nicht mehr aufstehen, ist es zu schwach zum Fressen, ist das ein deutliches Alarmsignal. Hinweis: nicht zu verwechseln mit entspannt schlafenden Schweinchen, die liegen natürlich auch auf der Seite, stehen aber zur Fütterung auf ;)

Im Sommer kann so ein Verhalten auch auf einen Hitzeschlag hinweisen.

Verhaltensauffällig, Aggressiv Wenn Meerschweinchen aus einer intakten und unveränderten Gruppe (ohne Halbwüchsige oder sonstige Problemfellchen) plötzlich aggressiv gegenüber Artgenosse, verhalten sie sich in der Gruppe unnormal (ständig brommselnde Weibchen, häufiger Streit), dann könnten auch Erkrankungen der Grund dafür sein. Als Hauptursache wären Schmerzen zu nennen (aufgrund von Wucherungen, Parasitenbefall, Organerkrankungen), es kommen ebenso Zysten oder auch Schilddrüsenerkrankungen in Frage.
Nachziehen der HinterbeineEs kann sehr viele Gründe dafür geben, weshalb Meerschweinchen die Hinterbeinchen nachziehen. Die am häufigsten gestelle Diagnose ist dann die Meerschweinchenlähme. Allerdings ist das nicht selten eine sehr vorschnelle und falsche Diagnose. Für Gewöhnlich steckt doch etwas Anderes hinter der Lähmung. Lähmungen der Hinterbeine können zum Beispiel auch folgende Ursachen haben: Vitaminmangel, Frakturen (Knochenbrüche), Prellungen/ Quetschungen im Rückenbereich, Osteodystrophie, Blähungen (welche auf die Nerven drücken und zu Lähmungen führen können). Bekommen Sie die Diagnose Meerschweinchenlähme, lassen Sie diese von einem anderen Tierarzt bestätigen.
Hinken Hinkt das Meerschweinchen, können Frakturen (Knochenbrüche) und Quetschungen, Prellungen, Infektionen der Gelenke und Mangelerscheinungen (Vitamin C Mangel) die Ursache sein.
Allergien
Kratzen, Niesen, Durchfall
Symptome wie häufiges Kratzen, Durchfall, Niesen, tränende Augen/Nase, könnten auf eine Allergie hinweisen - wenn die üblichen Untersuchungen nichts ergeben, Behandlungen nicht anschlagen und andere Krankheiten durch Tests beim Tierarzt ausgeschlossen wurden. Mehr Informationen dazu bekommen Sie hier: Allergieauslöser bei Kleintieren

Anatomische und sonstige Besonderheiten

KaudaldrüseDiese Drüse liegt ca. 1 cm oberhalb des After, sie produziert Duftstoffe. Beim Bock ist sie meist stärker ausgeprägt als beim Weibchen. Die Drüse ist leicht erhoben und ist als ovale Region mit pigmentierter Haut und auch gelegentlich mit verklebten Haaren bedeckt.
Perinealtasche Unterhalb des Afters verläuft eine flache Tasche aus dünner Haut. Beim Bock enthält sie die Perinealdrüsen, welche Flüssigkeiten absondern die Duftstoffe enthalten. Es ist eine große Öffnung zwischen Anus und Penis/Hoden. In der Perinealtasche können sich Schmutzpartikel ansammeln, sie sollte bei jedem Schweinchen TÜV kontrolliert werden indem man sie ein wenig auseinander zieht und ggf dran riecht - aber vorsichtig, es stinkt schon arg übel. Gerade ältere Böcke vernachlässigen die Reinigung ihrer Perinealtasche und da finden sich dann häufiger mal Köttel und Schmutz drin. Sollte die Tasche mal stark verschmutzt sein kann sie mit einem QTipp und Babyöl gereinigt werden. Dazu wird sie vorsichtig auseinander gezogen und mit einem öligem Wattestäbchen wird der Inhalt heraus geholt (das Babyöl reinigt und pflegt die empfindliche Haut der Tasche). Bei den meisten Böcken ist das allerdings für Gewöhnlich nicht nötig. Die Tasche sollte auf keinen Fall regelmäßig auf Verdacht gereinigt werden, da sie sonst unnötig gereizt wird. Wie so eine Tasche gereinigt wird, ist hier sehr anschaulich beschrieben: Reinigung der Perinealtasche.
Kahle Stellen Hinter den Ohren haben Meerschweinchen felllose/kahle Stellen. Diese können stark oder auch weniger stark ausgeprägt sein. Meist finden sich dort 2 cm² große Stellen ohne Fell, bei älteren Tieren können es sogar bis zu 4 cm² große Stellen sein. Bei manchen Langhaarrassen oder Mischlingen sind die kahlen Stellen weniger ausgeprägt.
Zitzen Weibchen und Böcke verfügen über 2 Zitzen, sie sind in der Leistengegend zu finden. Beim Bock sind die Zitzen weniger stark ausgeprägt, aber dennoch zu erkennen. Bei älteren Weibchen können diese Zitzen verhärten und entzünden, sie sollten also regelmäßig untersucht und bei Verhärtungen ggf eingecremt werden.

Zu beachten wäre noch:

Bei Böcken sollte auch der Penis regelmäßig überprüft werden, es kann zum Penisbruch kommen, der Penis kann verschmutzen oder auch durch Haare abgeklemmt werden. Durch Druck oberhalb des Penis kann dieser zum Vorschein gebracht werden, ziehen Sie ihn gelegentlich ganz heraus und kontrollieren Sie ihn. Ist der Penis verschmutzt, sollte er vorsichtig komplett heraus gezogen und mit einem feuchtem Tuch oder Babyöl gereinigt werden.

Im Sommer

Meerschweinchen vertragen große Wärme nur sehr schlecht. Achten Sie im Sommer auf ausreichend Kühlung. Auch sollten die Tiere vor allem im Afterbereich öffter nach Fliegeneiern und Maden abgesucht werden, gerade bei der Aussenhaltung kann es schnell zu einem Befall kommen. Mehr dazu finden Sie auf dieser Seite: Hitze

Pflegemaßnahmen

Langhaarige Meerschweinchen müssen regelmäßige Fellpflege bekommen. Krallen und Ballen der Meerschweinchen müssen regelmäßig untersucht und ggf. versorgt werden. Selten werden medizinische Bäder verschrieben. Wie diese Pflegemaßenahmen richtig durchgeführt werden, können Sie hier nachlesen: Notwendige Pflegemaßnahmen

Fütterung

Bei einigen Erkrankungen und in manchen Situationen muss die Fütterung der Meerschweinchen angepasst werden. Dazu finden Sie hier einen Artikel: Fütterungsbesonderheiten beim Meerschweinchen

Alte Meerschweinchen

Nicht selten bemerken Halter an ihrem Meerschweinchen einige der oben genannten "Krankheitszeichen" -werten diese dann aber als Alterserscheinung und unternehmen nichts. Aber auch alte Meerschweinchen benötigen eine besondere Versorgung, sogenannte Alterserscheinungen können durchaus behandelbare Krankheiten sein - und sollte das Tier wirkich einfach alt sein, dann muss auch über den letzten Weg nachgedacht werden. Hier finden Sie einen Artikel zu diesen Themen: Ist mein Meerschweinchen alt, oder nur krank? Wie behandel ich alte Meerschweinchen? Einschläfern?

Lesen Sie dazu auch: Jedes Leben endet Informationen zu allen Themen rund um den Tod des Haustieres: Sterben, Einschläfern, Beerdigen, Trauer.


Der Richtige Tierarzt

Nicht alle Tierärzte kennen sich richtig gut mit Kleinnagern aus und behandeln Ihre Meerschweinchen richtig. Bevor Ihre Meerschweinchen ernsthaft erkrankt, sollten Sie sich einen kompetenten Tierarzt suchen. Fragen Sie den Tierarzt ruhig, ob er sich mit Meerschweinchen auskennt und beobachten Sie genau, was er tut. Untersucht er Ihre Meerschweinchen eingehend, bevor er eine Diagnose erstellt? Erklärt er Ihnen genau was er tut, welche Krankheit das Tier hat und wie die Heilungschancen sind? Lassen Sie sich sagen, wie die Medikamente heißen und welche Wirkstoffe sie haben und wie Sie die Medikamente anwenden müssen! Wenn Ihr Tierarzt sich Zeit nimmt, Ihre Fragen ernsthaft beantwortet und Sie das Gefühl haben, er hört Ihnen zu und gibt Ihnen Auskunft, dann sind Sie dort richtig.

Ein Tierarzt, der nach wenigen Sekunden eine Diagnose stellt und Ihnen irgendein Medikament ohne Namen gibt, selbst abgefüllt und ohne weitere Erklärung zu Anwendung oder der Ihnen keine Diagnose gibt und Sie sozusagen im Regen stehen läßt, oder das Meerschweinchen gar ohne Diagnose einschläfern will, ist der falsche Arzt und Sie sollten sich einen Neuen suchen.

Regeln für den Tierarztbesuch

Nehmen Sie nach Möglichkeit kein Tier allein mit, Meerschweinchen fühlen sich sicherer, wenn ein anderes Mitglied des Rudels dabei ist und seelischen Beistand leistet. Transportieren Sie die Tiere nur in dafür geeigneten Transportboxen, die Box sollte groß genug sein, dass die Tiere bequem drin liegen und sich auch bewegen können. Die Box sollte eine große Öffnung haben, gut belüftet sein und sie sollte dunkel sein. Durchsichtige Plastikbehälter eigenen sich nicht, die Tiere sind darin zu gestresst. Geben Sie ein Handtuch unten in die Box, darüber eine dicke Lage Heu, die Tiere müssen sich drin verstecken können und sollten genug Heu haben, um die ganze Zeit fressen zu können. Ein Stück Gurke und ein Stück Möhre erleichtern den Tierarztbesuch. Nehmen sie auch eine Tüte mit dem Lieblingsfrischfutter der Tiere mit um sie während der Wartezeit zu beruhigen und sie nach der Untersuchung zu belohnen. Im Sommer achten Sie bitte auf eine gute Belüftung der Box, im Winter legen Sie eine Wärmeflasche auf eine Seite der Box unter ein Handtuch, damit die Tiere nicht auskühlen. Der Transportweg sollte möglichst kurz sein. Bei längeren Fahrten ist auf eine gute Klimatisierung der Box zu achten und eine Wasserflasche sollte dann ebenfalls angebracht werden.

Meist sind Halter verständlicherweise sehr nervös, wenn sie mit ihrem kranken Tier zu einem Tierarzt müssen. So kommt es nicht selten vor, dass wichtige Dinge vergessen werden. Beobachtungen die einen beunruhigt haben kommen nicht zur Sprache oder eine Verrichtung wie Krallenschneiden wurde vergessen, weil man sich zu sehr auf eine andere Krankheit konzentrierte. Also ist es sinnvoll, sich zum Tierarztbesuch einen Zettel mit den Wichtigsten Fragen und Infos mit zu nehmen. Folgende Informationen sollten Sie vorab notieren:

  • Alter des Tieres.
  • Gewicht des Tieres.
  • Andere Erkrankungen die evtl. vorangegangen sind.
  • Beobachtungen die zum Tierarztbesuch führten (hat sich das Tier anders benommen, fielen Krankheitszeichen auf etc.).
  • Medikamente die das Tier bekommt oder bekommen hat.
  • Eigene Medikations- und Heilungsversuche.
Nachdem das Tier untersucht wurde und es eine Diagnose gibt, sollte man den Tierarzt bitten, folgendes für Sie aufzuschreiben, oder schreiben Sie selber mit:
  • Diagnose: was genau hat das Tier, falls Sie den Tierarzt nicht verstanden haben, scheuen Sie sich nicht, noch einmal nach zu fragen und sich alles genau erklären zu lassen!
  • Behandlung und Medikation: lassen Sie sich den Namen und die Wirkungsweise des Medikamentes, welches verordnet wurde, erklären. Wie oft müssen Sie es selbst verabreichen und in welcher Menge?
  • Lassen Sie sich genau sagen, was ggf. gespritzt wurde und wie es wirken soll.
  • Fragen Sie nach weiteren Pflegemaßnahmen die Sie ergreifen müssen (Päppeln, Verbände etc.).
  • Fragen Sie nach, ob weitere Tierarztbesuche nötig sind und wann Sie das nächste Mal in die Praxis kommen müssen.
  • Fragen Sie nach, wann Sie mit einer Besserung der Krankheit rechnen können und wie die Krankheit weiter verlaufen wird.
  • Fragen Sie nach, wann die Ergebnisse evtl. abgenommene Proben und Kulturen vorliegen werden.
Nur wenn Sie selber ganz genau wissen, was Ihr Tier hat, wie es behandelt werden muss und was Sie selber noch tun können, sollten Sie die Praxis verlassen.

Medikamentengabe

Wenn Sie ein Medikament für Ihr Tier mitbekommen haben, stellt sich natürlich schnell die Frage, wie gebe ich es meinem Tier? In den seltensten Fällen schmeckt den Tieren eine Tablette, Paste oder die Tropfen so gut, dass sie es selber nehmen. Aber es gibt Tricks die sie anwenden können. Antibiotika und andere Tropfen, Pulver, Pasten oder auch zerriebene Tabletten (Sie können die Tabletten entweder zermörsern oder zwischen 2 Löffeln zerquetschen) können sehr gut mit einem Klecks Früchtemus oder auch mit Saft verabreicht werden, testen Sie einfach vorab aus, was Ihr Meerschweinchen freiwillig vom Löffelchen schlabbert und mischen Sie die Tropfen darunter. Es kann versucht werden Tropfen oder Pulver auf ein Stück Gurke zu geben, aber viele Meerschweinchen sind so klug, dass sie die angebotene Gurke dann nicht mehr möchten. Nehmen die Tiere nichts freiwillig vom Löffel, müssen Sie das Medikament (bei Tabletten werden diese vorab in Wasser, Tee oder Saft aufgelöst) mit einer nadellosen Spitze direkt ins Mäulchen spritzen. Dazu müssen Sie das Meerschweinchen auf dem Arm fixieren und ihm die Spitze seitlich hinter die Zähne schieben, streicheln über den Hals löst den Schluckreflex aus.
Fixieren: setzen Sie sich im Schneidersitz auf den Boden, setzen Sie das Meerschweinchen mit dem Rücken zu sich zwischen Ihre Beine (so kann es nicht nach hinten weg), fassen Sie mit einer Hand um die Vorderpfoten, verabreichen Sie mit der anderen Hand das Medikament. Wehrt sich das Meerschweinchen stark, behandeln Sie es nur zu zweit. Ist das nicht möglich, versuchen Sie, das Meerschweinchen in ein großes Handtuch oder in einen Kuschelsack zu wickeln, damit es fixiert ist. Das Meerschweinchen darf nicht auf den Rücken gedreht werden um ihm ein Mittel zu verabreichen, diese Haltung ist nicht nur unnatürlich und sorgt für massiven Stress, hierbei kann es auch schnell zum Verschlucken und somit zur gefährlichen Aspirationspneumonie kommen.

Medikamente werden grundsätzlich nicht über das Wasser verabreicht! Leider wird von Tierärzten immer noch mitunter dazu geraten, ein Medikament ins Trinkwasser zu geben. Das reicht nicht aus! Meerschweinchen trinken unterschiedlich viel, das eine trinkt häufig und nimmt damit vielleicht sogar zu viel Wirkstoff auf, ein anderes Tier trinkt gar nicht und nimmt den Wirkstoff also nicht ausreichend auf. Außerdem ist es meist nicht sinnvoll, alle Tiere aus einer Gruppe zu behandeln. Daher bringen Medikamentengaben über das Trinkwasser nicht den erwünschten Erfolg, da eine genaue Dosierung, die gerade bei Antibiotika und ähnlichen Mitteln wichtig ist, nicht erfolgen kann.

Salben werden aufgetragen und direkt danach wird das Meerschweinchen mit seine Grünfutterration allein gelassen, kein Meerschweinchen der Welt fängt an sich zu putzen wenn vor der Nase Gurke liegt und so hat das Medikament Zeit einzuwirken.

Wichtig!
Bekommen Sie vom Tierarzt ein Medikament zur oralen Eingabe oder als Spot on für mehrere Tage in einer Tube, oder auf eine Spritze aufgezogen, dann verabreichen Sie auf keinen Fall das Medikament direkt aus dieser Spritze oder Tube!

Gerade Spritzen lassen sich oft schwer richtig dosieren, manchmal läßt sich der Stempel nur schwer drücken und aus Tuben kommt mitunter auch bei heftigem Druck kaum etwas heraus, dann wird der Spritzenstempel oder die Tube stärker gedrückt, plötzlich läßt sich der Stempel ganz runter drücken - und schon landet das gesamte Medikament im Tiermaul und es kommt zu einer massiven Überdosierung. Außerdem kommt es bei einer direkten Verwendung des Medikamentenbehälters leicht zu einer Verunreinigung des Medikaments.

Lassen Sie sich immer eine zweite Spritze mit Nadel geben. Ziehen Sie die benötigte Menge des Medikamentes mit der Spritze aus der Tube/Medikamentenspritze. Setzen Sie die Kappe wieder auf die Nadel und ziehen Sie diese von der Spritze ab. Verabreichen Sie dann mit der Zweitspritze das Medikament.

Und wenn Sie dann völlig verzweifelt feststellen: klappt alles nicht, dann lesen Sie diese Geschichte, die auf humorvolle Weise zeigt: auch andere Halter haben große Probleme damit, die Medikamente in ihr Tier zu bekommen: So kommt ein AB ins Schwein.

Operation

Manchmal ist es leider notwendig, sein Tier operieren zu lassen. Die Vor- und Nachsorge ist dabei sehr wichtig.

Frischfutter wie Salat und Kohl direkt vor der OP können im Darm anfangen zu gähren und somit zu Blähungen führen. Vor der OP sollten deshalb eher Möhren und Knollengemüse angeboten werden. Es ist sinnvoll, wenn möglich, einige Tage vor der OP schon keinen Kohl und andere Gemüsesorten die ggf. aufgasend wirken, zu verfüttern. Grünfutter (also Wiesengrün und Kräuter) und Heu werden durchgehend angeboten. Meerschweinchen können nicht erbrechen deshalb ist es nicht nötig oder sinnvoll, sie vor der OP auszunüchtern. Bekommen die Tiere zu wenig zu fressen, würde das zu einer fatalen Verdauungsstörung führen.

Fragen Sie Ihren Tierarzt direkt, ob er das frisch operierte Tier auf einem Wärmekissen lagert, falls nicht, bestehen Sie darauf und liefern sie ggf. ein solches Kissen mit ab. Bevor Sie das Tier wieder mit nach Hause nehmen, sollte es aus der Narkose erwacht sein. Schläft das Tier noch, könnten Komplikationen auftreten mit denen Sie als Halter überfordert sind. Ein guter Tierarzt gibt Tiere erst wieder mit, wenn sie wach sind und erklärt Ihnen die Nachsorge.

Auf dem Nachhauseweg und bis die Narkose völlig abgeklungen ist muss das Tier gewärmt werden, legen Sie eine handwarme Wärmflasche mit in den Transporter und den Käfig bis das Tier wieder putzmunter ist. Die Wärmflasche muss fest in ein Handtuch gewickelt werden, damit das Meerschweinchen die Wärmeflasche nicht annagt. Gut geeignet um den Tieren Wärme zuzuführen sind auch spezielles Wärmekissen wie das Snuggle Safe. Achten Sie darauf, dass das Meerschweinchen nicht überhitzt! Bieten Sie die Wärme vor allem im Winter ruhig auch im Gehege über einen längeren Zeitraum an. Werden die Tiere nicht gewärmt, kommt es häufiger zu Lungen-, sowie Nieren- und Blasenentzündungen.

Beobachten Sie das Tier gut und achten Sie darauf ob es von selber anfängt zu Fressen, tut es das nicht, müssen Sie das Meerschweinchen evtl. Zwangsernähren/Päppeln. Nach der OP sollte der Patient noch etwa eine Woche auf Handtüchern, Fleecedecken oder Einstreukissen gehalten werden um zu verhindern, dass Staub und Streu in die frischen Wunden gelangen. Die Wunden müssen täglich kontrolliert werden, sind Fäden gezogen oder Entzündungen zu sehen, fängt es an zu bluten oder hat das Tier sichtbare Schmerzen ist unverzüglich ein Tierarzt aufzusuchen!

Wenn das Meerschweinchen an die Fäden geht und diese zieht oder die Wunden aufnagt, ist das leider nur schwer zu verhindern. Halskrausen egal welcher Art verhindern die Aufnahme des Blindarmkotes und würgen die Tiere zu stark ab, außerdem kommt es unter den Halskrausen nicht selten zu Fellverlust bis hin zu Parasitenbefall oder Pilzbefall. Es kann versucht werden, dem Meerschweinchen einen Schutzanzug anzuziehen. Dazu werden in eine sehr enge Baumwollsocke entsprechend der Pfoten vier Löcher geschnitten und das wird übergezogen. Aber nur wenn es relativ eng sitzt kann das verhindern, dass die OP Narben angenagt werden. Hier ist so ein Body schon fertig zu bekommen, die kleinste Größe ist für Meerschweinchen gerade eben so geeignet: Tiervitalshop.

Narkoseformen:

In vielen Internetforen wird dem Halter eingeredet, nur eine Narkose mit Isofloran (also eine Inhalationsnarkose) wäre ungefährlich und sie sollten ihr Tier nur dort operieren lassen, wo diese Narkose vorgenommen wird. Diese Aussage ist veraltet und entspricht nicht dem neuesten Standard. Moderne Mehrstufennarkosen und Kombinationsnarkosen werden besser vertragen, als sogenannte "Gasnarkosen". Ausführliche Informationen dazu bekommen Sie hier: Vollständig antagonisierbare Narkose bei Nagetieren