Tiergerechte Meerschweinchenbehausung/Wohnungshaltung

Wer sich für Meerschweinchen als Haustiere entscheidet, der muss sich auch dafür entscheiden, den Tieren einen großen und artgerechten Lebensraum einzurichten. Meerschweinchen gelten als duld- und genügsame Tiere, die auch auf engstem Raum zusammengepfercht noch einen fröhlichen Eindruck machen. Aber der Eindruck täuscht, sie geben sich nur schnell auf und bewegen sich dann eben einfach nicht mehr. Es sollte jedem Halter klar sein, dass Meerschweinchen, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen, sehr aktive und bewegungsfreudige Tiere sind, die gern viel laufen und sogar springen. Unsere kleinen Schweinchen sind auch echte Individualisten, die ihren Schlafplatz meist gar nicht gern mit Artgenossen teilen und viel Wert auf ihre Intimsphäre legen.

In den Zoos dieser Welt ist es mittlerweile glücklicherweise üblich, die Tiere nicht mehr auf engstem Raum im Käfig zu halten, sondern es werden große und artgerechte Gehege gebaut. Das sollten wir für die Heimtierhaltung endlich auch umsetzen.

Kleine Käfige, wie sie überall im Handel angeboten werden, sind nur deshalb als Behausung für Meerschweinchen verbreitet, weil die meisten Menschen sich bedauerlicherweise wenig Gedanken um die Bedürfnisse ihrer tierischen Mitbewohner machen und sie möglichst platzsparend unterbringen wollen. Dabei ist ein tiergerechtes Gehege ein toller Blickfang in jeder Wohnung. Es wird erst richtig spannend, wenn das große Gehege interessant eingerichtet und schweinchengerecht strukturiert wird und die Meerschweinchen nicht dicht gedrängt darin sitzen, sondern durchaus auch mal gar nicht zu sehen sind.

Größe

Wie groß ist also das ideale Meerschweinchengehege? Antwort: So groß wie möglich.

Die meisten Züchtervorschriften empfehlen pro Tier eine Mindestgrundfläche von 0,20 m². Diese Empfehlung hat wenig mit dem Bewegungsbedürfnis von Meerschweinchen zu tun, da geht es nur um die Aufbewahrung von Tieren. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz gibt eine Mindestkäfiggröße von 120 x 60 cm an, was einer Bodenfläche von 0,72 m², also bei zwei Tieren 0,36 m² pro Tier entspricht. Diese Empfehlung ist auf das Maß der im Handel erhältlichen Käfige zurückzuführen. Liebhaber empfehlen im Allgemeinen pro Meerschweinchen eine Bodenfläche von mindestens 0,5 m² , was gerade so ausreicht, wenn es eine größere Gruppe ab 4 Tieren ist.

Sollten kleine Gruppen hauptsächlich mit wenig Auslauf im Gehege wohnen, wäre eine Bodenfläche von 1 m² pro Tier angemessen.

Gehegegrößen unter 2 m² sollten generell vermieden werden, da sie den Tieren nicht genug Bewegungsfreiheit bieten!

Die Bodenfläche bezeichnet die Grundfläche des Geheges, Etagen unter 1 m² Grundfläche werden nicht mitgezählt. Werden größere Gruppen ab 8 Tieren gehalten, ist auch hier das Mindestmaß von 0,5 m² pro Meerschweinchen ohne Etagen einzuhalten, denn die Tiere sollten auch hier immer noch losrennen können, ohne gleich wieder andere Meerschweinchen aufzuscheuchen.

Jedes Gehege sollte eine Mindestgrundfläche von 2 m² aufweisen.

Pro Meerschweinchen müssen mindestens 0,5 m² Grundfläche vorhanden sein!

Jeder Halter hat in seiner Wohnung eine Ecke von 2 - 3 m² für seine 2 - 6 Tiere übrig. Egal wie klein die Wohnung ist, so viel Platz hat jeder Mensch übrig. Regale, Vitrinen, Tischchen etc. die sonst vielleicht diesen Platz einnehmen würden, macht es nichts aus, zusammengepackt im Keller zu stehen. Meerschweinchen macht es aber durchaus was aus, in einem engen Käfig zu sitzen! Auch der tägliche Auslauf ersetzt das große Gehege nicht, denn Meerschweinchen sind zu sehr unterschiedlichen Tageszeiten aktiv und können ihre Aktivitäten nicht an die Zeiten anpassen, zu denen sie Auslauf bekommen. Wenn sie kleine Rangstreitigkeiten haben oder das Popöchen juckt und man sich anbrommseln muss, dann muss das auch am Morgen um 5 Uhr geschehen und das mit viel Rennen und Springen, das kann dann nicht warten, bis der Halter am Abend Zeit hat, sie aus dem Käfig zu lassen!

Wer sich nicht sicher ist, ob die Gehegegröße die er bieten kann, seinen Tieren ausreicht oder wie viele Tiere Platz haben, der kann sich dies hier berechnen lassen: CageCalc: Käfigberechnung für Kleintiere.

Standort

Folgende Punkte sind bei der Auswahl des Gehegestandortes zu berücksichtigen: Im Schlaf- oder Kinderzimmer sollte das Gehege nach Möglichkeit nicht stehen. Meerschweinchen sind auch nachts mitunter aktiv, dann kommt es häufig zu einer massiven Lärmbelästigung durch Bewegung und vor allem Lautäußerungen der Tiere. Auch wenn dieser Lärm nicht als störend empfunden wird, der Lärm wird unterbewusst wahrgenommen und kann den Schlaf somit trotzdem stören. Vor allem Kinder sind gefährdet, die unbewusste Störung des Schlafes kann sich negativ auf die Konzentrationsfähigkeit auswirken. Wohn- und Arbeitszimmer sind für die Meerschweinchenhaltung besser geeignet. Voraussetzung ist hier unter anderem, dass der Fernseher nur selten und nur in Zimmerlautstärke läuft und ebenso wie die selten benutzte Stereoanlage mindestens 2 m vom Gehege entfernt steht. Meerschweinchen sind absolute Nichtraucher und haben empfindliche Lungen, auf den Genuss von Zigaretten und anderen Tabakwaren muss in den Räumen, in denn Meerschweinchen wohnen, verzichtet werden. Auch auf Räucherstäbchen, Räuchermännchen und Raumdüfte reizen die empfindlichen Atemwege der Tiere. Das Gehege sollte an einem zugfreien Ort untergebracht werden, der Raum sollte aber trotzdem regelmäßig gelüftet werden. Natürliches Licht, auch Morgen- oder Abendsonne, sind sinnvoll. Allerdings darf das Gehege natürlich nicht längere Zeit direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, damit es sich nicht zu stark aufheizt. Die ideale Umgebungstemperatur liegt bei 18 - 22°C und die Luftfeuchtigkeit solle bei etwa 40 - 70 % liegen. Bei trockener Heizungsluft haben sich deshalb auch Luftbefeuchter als sinnvoll erwiesen.

Höhe

Da Meerschweinchen sind nicht sehr ausbruchsfreudig, können ihre Gehege oben offen bleiben. Meerschweinchen sind sehr vorsichtig, wenn sie nicht wissen, was sich hinter so einer Absperrung befindet, dann springen sie auch ohne Not nicht drüber. Normalweise reicht deshalb ein Gehegerand mit einer Höhe von etwa 25 - 30 cm (je nach Einstreuhöhe) aus. Wir haben sogar teilweise niedrigere Umrandungen, wo die Tiere sich am Rand abstützen und uns entgegen schauen, wenn wir sie füttern wollen. So niedrige Umrandungen der Gehege sind also auch praktisch um die Tiere besser kennenzulernen und sie zu sehen.

Allerdings gibt es natürlich Ausnahmen: Fühlen sich die Tiere in ihrer Unterkunft sehr unwohl, z. B. weil das Gehege überfüllt ist oder die Tiere allein unter gebracht sind, das Gehege zu klein ist oder sie gerade vom Menschen gejagt werden, dann versuchen sie in Panik zu entkommen und springen natürlich dann evtl. auch aus dem Gehege. Andere Ausnahmen sind z. B. Böcke, die im Nachbargehege Weibchen riechen. Hier sollte eine Randhöhe von 50 cm zwischen den Gehegen eingehalten werden. Einrichtungsgegenstände sollten natürlich auch nicht direkt neben dem Rand stehen, damit kein Schweinchen über einen solchen einfach in die Freiheit "fällt". Meerschweinchen springen zwar normalerweise nicht, aber sie könnten: Unsere Etagen sind teilweise höher, als unsere Gehegeumrandung und nahezu jedes Meerschweinchen springt ohne Problem auf die Etagen. Aber aus den Gehegen ist hier noch kein Meerschweinchen gesprungen.

Gehegestrukturierung:

Das Meerschweinchengehege sollte mindestens 80 cm tief sein und eine Länge von mindestens 180 cm aufweisen um eine vernünftige Struktur zu ermöglichen*. Denn nicht nur die Größe und Art eines Meerschweinchengeheges ist wichtig, auch die Inneneinrichtung muss den Bedürfnissen der Meerschweinchen entsprechend, wobei gewisse Grundstrukturen beachtet werden sollten. Meerschweinchen benötigen dunkle Ruheplätze, vor allem Etagen und große Unterstände sind dafür beliebt (siehe auch: Häuser / Etagen). Im hinteren Bereich des Geheges sollten sich deshalb entsprechende, sichere Ruheplätze befinden. Der vordere Bereich des Geheges muss hingegen ausreichend Platz zum Laufen und Futtersuchen bieten. Es müssen Flächen vorhanden sein, auf denen mindestens zwei Meerschweinchen ganz bequem aneinander vorbei laufen können (also gut 30 cm breit) und wo sie die Möglichkeit haben, am Stück mindestens 1,5 m zu laufen, ohne auf Hindernisse zu stoßen.

Ein weiterer Teil der Lauffläche darf oder sollte sogar mit Unterschlüpfen ausgestattet werden, durch welche die Tiere hindurch rennen können. Korkhalbröhren, Weidenbrücken und Ähnliches sind hierfür geeignet. Wilde Meerschweinchen legen sich im hohen Gras regelrechte Pfade an, die sie immer wieder abgehen und wo sie sich sicher fühlen, die Unterschlüpfe bieten ihnen also künstliche Pfade, sie sollten so angelegt sein, dass die Tiere gut hindurch laufen können und über diese sicheren Pfade zu Futternäpfen und Ruheplätzen gelangen können. Heuraufen und Futterplätze runden das Gehege ab, wobei grundsätzlich auch immer Heuberge im Gehege an den beliebtesten Ruheplätzen zu finden sein sollten.

*Das bedeutet nicht, dass das optimale Gehege 90 * 180 cm groß sein soll, das wäre als Gesamtgehege zu klein. Es bedeutet, dass die 2 m² Mindestfläche eben auch nicht lang gezogen sein sollten, sodass die Tiere sich bei 40 oder 50 cm Tiefe aneinander vorbeiquetschen müssen oder sie bei quadratischen Gehegen nur eine Lauffläche von 140 cm haben.

Wie Sie Ihr Gehege meerschweinchengerecht einrichten, können Sie unter Einrichtung nachlesen.

Gehegearten

Es empfiehlt sich auf alle Fälle, über einen größeren Eigenbau nachzudenken, das ist meist nicht teuer, aber viel schöner als mehrere Käfige aneinander oder übereinander zu stellen.

Käfig:
Gitterkäfige sind wohl die am häufigsten verwendeten Meerschweinchenbehausungen, sie bestehen aus einer Kunststoffbodenwanne und einem Gitteroberteil, welches abgenommen werden kann. Meist haben sie an der Front und im oberen Gitter eine Tür. Der Gitterabstand liegt zwischen 1,5 - 2,5 cm. Informationen zur Farbe von Käfiggittern gibt es hier: Beschichtungen von Käfiggittern.

Allerdings sind alle im Handel angebotenen Gitterkäfige für die tiergerechte Meerschweinchenhaltung zu klein! Käfige werden in verschiedenen Größen angeboten, die Größenangaben sind aber häufig sehr irreführend oder schlicht falsch, wie Sie hier nachlesen können: Tatsächliche Käfiggrößen.

Solche Gitterkäfige sollten niemals als alleinige Behausung verwendet werden, sie können aber ein Bestandteil einer Meerschweinchenwohnlandschaft werden. Die Käfige werden mit offenen Türen aufgestellt, damit die Tiere den Käfig für den Auslauf verlassen können, wird die Tür geöffnet und eine Holzrampe angebracht: es wäre gefährlich, die Tiere ohne Rampe nur über das Gitter der nach unten geöffneten Tür laufen zu lassen, die Meerschweinchen könnten mit ihren Füßen im Gitter hängen bleiben und sich schwer verletzten! Die meisten Bodenschalen sind so hoch, dass Meerschweinchen sie nicht gern überspringen, schöner wäre es, die Bodenschalen auf einer Seite aufzusägen, damit die Tiere einfach rein und raus spazieren können. Käfige sind für Tier und Halter allerdings eine eher unschöne Haltungsform: die Tiere sitzen immer hinter Gitter und der Anblick eines Tieres hinter Gitter ist nie schön, außerdem schauen die kleinen Meerschweinchen den ganzen Tag nur gegen die bunte Bodenwannenschale, denn um durch die Gitter aus dem Käfig zu schauen, müssen sich die Tiere aufrichten und das tun sie naturgemäß nicht sehr häufig (meist nur um sich zu strecken oder um zu betteln).I

Ständiger Auslauf ist bei Käfighaltung Pflicht: Wer den Tieren nicht überall in der Wohnung Auslauf gewähren möchte, kann einfach ein fertiges "Freilaufgehege" kaufen und für den Käfig stellen. Diese Freilaufgehege gibt es z. B. von der Firma Trixie, sie bestehen aus 6 Gitterelementen, Größe 25 x 48 cm und können einfach vor den Käfig gestellt werden. Natürlich kann auch einfach eine Auslaufbegrenzung selbst gebaut werden: Das Klebe-/Klappgehege.

Große Käfige und den passenden Auslauf dazu können Sie im Internet bestellen, z. B. hier: Zooplus, Das Heimtierparadies

Eigenbau aus Holz:
Viele Meerschweinchenhalter bauen ihre Gehege aus Massivholz oder beschichteten Spanplatten. Es gibt viele Möglichkeiten, so ein Gehege zu bauen. Häufig werden die Rück- und Seitenwände aus Holz/Spanplatte gefertigt und eine Vorderfront aus Glas/Plexiglas angebracht, auch zwei bis drei Fronten aus Glas/Plexiglas sind möglich und sorgen für ein helles und freundliches Gehege, mindestens eine Wand sollte aber aus Holz bestehen oder abgedunkelt werden, damit die Meerschweinchen sich dort sicher fühlen. Bei kleineren aber höheren Eigenbauten ist es sinnvoll, mindestens eine Seitenwand aus Volierendraht zu bauen, damit eine gute Belüftung gewährleistet ist. Der Boden sollte entweder mit PVC/CV oder einer Wachstischdecke oder mit mehreren Lackschichten urindicht versiegelt werden. Es ist darauf zu achten, dass die Schweinchen den Bodenbelag nicht annagen können. Auch die Wände sollten bis 25 cm hoch versiegelt werden, denn Schweinedamen pinkeln hoch und weit. Idealerweise wird ein Teil der Vorderfront mit einer Tür versehen, damit die Meerschweinchen ihren Auslauf leicht erreichen. Sind andere Tiere oder Kleinkinder im Haus, die den Meerschweinchen gefährlich werden können, wird das Gehege mit mehreren Gitterdeckeln versehen, die unabhängig voneinander geöffnet werden können. Diese werden aus einfachen Holzrahmen, die mit Volierendraht bespannt werden hergestellt und mit Scharnieren am Käfigrand befestigt. Im vorderen Bereich reicht es aus, den Gehegerand 25 cm hoch zu machen, im hinteren Bereich sollte das Gehege höher sein, damit eine Etage angebracht werden kann.
Beispiele und Bauanleitungen für solche Gehege finden Sie hier: Gehegevorstellungen Holzgehege

Welche Materialien geeignet sind und was noch zu beachten ist, können Sie hier nachlesen: Kleine Materialkunde.

Kaufen können Sie entsprechende Gehege z. B. hier: Kleintiervilla, Happy Nager, Kleintierställe Schweiz .

Das günstige Klapp-/Klebegehege:
Diese Idee stammt praktischerweise einfach von uns, denn wir hatten erst unseren zu kleinen Holzeigenbau und wollten daran noch einen Auslauf bauen. Unsere ersten Klappgehege bestanden aus beschichteten Hartfaserplatten, mittlerweile greifen wir gern auf fertige Plexiglasplatten (Bastlerglas 2 - 4 mm dick) aus dem Baumarkt zurück, die es dort schon in der passenden Größe zu kaufen gibt. Wir verwenden Platten mit einer Größe von 25 x 50 cm. Für die Vorderfront der Gehege verwenden wir durchsichtige Platten, für die Rückwände und Seiten verwenden wir bunte Platten (keine knalligen Farben!), welche hinten etwa 40 - 50 cm hoch sind, damit die Wände vor Urin geschützt sind, da dort immer eine Etage im Käfig angeboten wird. Diese Platten werden einfach an der kurzen Seite mit Gewebeklebeband zusammen geklebt, wobei ein kleiner Zwischenraum gelassen wird, damit die Platten ggf. zusammen geklappt oder etwas variabel aufgestellt werden können. Es eignet sich wirklich nur Gewebeklebeband, andere Arten Klebeband reißen bei der Beanspruchung recht schnell.

Diese Klebegehege können als variabler Auslauf vor dem Gehege oder Käfig verwendet werden. Sie können aber auch als Gehege verwendet werden, dann wird ein günstiger CV/PVC Belag, eine Wachstischdecke oder eine Teichfolie unter das Gehege gelegt, und zwar so, dass der Bodenbelag leicht übersteht und nicht von den Meerschweinchen angenagt werden kann. Das Klappgehege wird einfach draufgestellt und kann dann normal eingestreut werden. Sollen die Meerschweinchen Auslauf bekommen, dann wird eine Platte statt mit Klebeband mit Klettband befestigt. Dazu wird das Gewebeklebeband halb an der Platte festgeklebt und die andere Seite wird mit Klettband beklebt. Auf die daneben liegende Platte wird das Klettband direkt darauf geklebt und dann kann das Gehege leicht verschlossen und geöffnet werden.

Das Gehege steht von selbst, wenn Sie es "über Eck" aufstellen, idealerweise über mindestens zwei Ecken. Wollen Sie nur eine Wand aufstellen, empfehlen wir Standbeine einzubauen. Dazu benötigen Sie etwa 15 x 15 cm große Hartfaser- oder Plexiglasplattenstücke, sägen Sie in der Mitte der äußeren Wandplatte eine 7,5 cm tiefe Einkerbung ein, welche so breit sein sollte, wie die Platten dick sind. Dann sägen Sie in die kleinen Platten ebenfalls eine solche Einkerbung und schieben die Platten ineinander. So bekommen sie Standbeine, welche beim Abbau einfach abgezogen werden können, sodas Sie das Gehege zusammenklappen können.

Beispiele für solche Gehege finden Sie hier: Gehegevorstellungen Klappgehege

Etagengehege aus alten Schränken, Volieren:
Aus Platzmangel wird häufig empfohlen, Meerschweinchen in Etagengehegen unterzubringen. Meist werden diese aus Schränken oder Regalen gebaut. Ideal ist diese Unterbringung nicht, denn die Schränke und Regale sind für eine vernünftige Strukturierung des Geheges nicht tief genug. Das Meerschweinchengehege sollte mindestens 80 cm tief sein und eine Länge von 180 cm aufweisen. Bei so einer Grundfläche ist es dann sicher möglich, auch in die Höhe zu bauen und den Tieren die selbe Grundfläche noch mal als Etage anzubieten. Kleinere Etagen aus Schränken oder Regalen sind allerdings nur als nette Abwechslung, nicht als echte Grundfläche anzusehen. Handelsübliche Volieren sind für gewöhnlich von der Grundfläche her zu klein. Meerschweinchen sind Bodenbewohner, keine kletternden Tiere wie Ratten oder Chinchillas.

Vivarien:
Für Meerschweinchen werden auch sogenannte Vivarien angeboten. Diese bestehen aus durchsichtigem Plexiglas, sind meist um die 35 - 50 cm hoch und rundherum geschlossen. Sie haben normalerweise eine Grundfläche von 150 x 75 cm, werden aber auch größer angeboten. Für die Haltung von 2 - 3 Meerschweinchen mit viel Auslauf ist das ausreichend, aber schon beim Auslauf gibt es das erste Problem: die Tiere müssen für den Auslauf heraus gefangen werden und können nicht selbstständig bestimmen, wann sie Auslauf bekommen. Die durchsichtigen Seitenwände bieten den Tieren keine dunklen Rückzugsecken. Wenigstens eine Wand im Gehege sollte abgedunkelt sein. Die Wände sind nicht hoch genug, als das eine hohe Etage an einer Seite angebracht werden könnte. Vivarien sind also nicht optimal, für die Meerschweinchenhaltung.

Vollplastikkäfige, Aquarien, Terrarien:
Gehege mit Plastikabdeckung, Aquarien und Terrarien eigenen sich nicht für die Meerschweinchenhaltung. Meerschweinchen urinieren sehr viel und dadurch bildet sich am Boden des Geheges schnell massive Feuchtigkeit. Diese kann in geschlossenen Gehegen nicht ausreichend entweichen, eine Belüftung nur nach oben reicht nicht aus.

Balkongehege = siehe: Außenhaltung

Viele Beispiele für Käfigeigenbauten und Käfigideen finden Sie hier:
Tiergerechte Meerschweinchengehege - Bilder und Beschreibungen
Meerschweinchengehege / schnell * günstig * artgerecht
Tierische Eigenheime
Mels HP
Eine wirklich ausführliche Seite zum Gehegebau, mit Material-, Werkzeugkunde und viele weiteren Infos finden Sie hier:
Das Salatgurken.net / Gehegebau

Die richtige Einstreu:

Im Fachhandel werden viele Einstreuarten angeboten, die für Meerschweinchen geeignet sind, z. B. Hanfstreu, Strohpellets, Buchengranulat, Leinstreu (Euro Lin) oder das normale Kleintierstreu aus Holzspan, welches wir verwenden. Sie sollten das Gehege dick einstreuen, ca. 5 cm wären sinnvoll. Wird das Gehege zu dünn eingestreut, kommt es schnell zu einer Geruchsbelästigung und zu Urinflecken am Gehegeboden. Vor allem in den bevorzugten Pinkelecken, meist unter Etagen und Häusern oder unter der Heuraufe, muss dick eingestreut werden. Wir empfehlen über die Einstreu eine dicke Heuschicht zu geben, teilweise darf auch weiches Stroh verwendet werden (Haferstroh ist am besten geeignet). Heu und Stroh leiten die anfallende Flüssigkeit und auch die Köttel nach unten, sodass die Oberfläche schön sauber und trocken bleibt. Es verhindert außerdem, dass sich bei langhaarigen Tieren die Streu im Fell verfängt und die Streu fliegt bei einem Meerschweinchenblitzstart nicht durch die Wohnung. Liegt kein Heu über der Einstreu, wird jedes feuchte Futterstück sofort mit feiner Holzstreu eingepudert (was auf Dauer für die Verdauung unangenehm ist), außerdem staubt sogar staubarme Einstreu noch sehr stark, wenn die Tiere darüber laufen. Scharfkantige Holzspäne sind unangenehm für die nackten Fußsohlen der Tiere. Außerdem lieben es die Tiere einfach im Heu zu liegen oder sie laufen lieber über Heu, weil sie darin nicht so tief einsinken wie in der weichen Einstreu. Stroh oder Heu allein reicht nicht aus, da sie keine Flüssigkeit aufsaugen.

Pelleteinstreu oder Granulate müssen immer mit einer dicken Lage Stroh oder Heu überdeckt werden, da die Pellets zu hart für die empfindlichen Meerschweinchenpfoten sind. Nicht selten sind Ballenabszesse die Folge von zu harter Einstreu. Werden die Pellets gefressen, müssen sie unverzüglich aus dem Gehege entfernt werden, denn sie können massive Darmprobleme verursachen.

Wer ein sehr großes Gehege besitzt, kann auch die Bereiche, in denen mehr gelaufen und weniger geschlafen wird (und wo somit auch weniger Ausscheidungen vorhanden sind), mit alten Bettbezügen, Bettlaken oder Fleecedecken auslegen. Diese müssen allerdings selbstverständlich regelmäßig gewaschen werden.

Verwenden Sie kein Katzenstreu. Das Klumpstreu wird evtl. gefressen und kann im Magen der Tiere verklumpen und zum Tode führen. Auch der Staub von Klumpstreu ist gefährlich, er gerät beim Einatmen in die Lungen und verklumpt dort, was zu Lungenproblemen führen kann. Das normale Katzenstreu kann bei Verzehr giftig sein, außerdem ist Katzenstreu unnötig, da es bei einem regelmäßig gereinigten Käfig zu keiner Geruchsbelästigung kommt.

Streuentsorgung: In manchen Gemeinden ist es erlaubt, die gebrauchte Einstreu im Biomüll oder im Gartenabfallcontainer zu entsorgen. Allerdings ist das nicht überall möglich, informieren Sie sich beim zuständigen Amt, wie und wo Ihre Einstreu entsorgt werden kann.

Zubehör

Eine saubere Trinkflasche kann im Gehege angeboten werden. Die Trinkflasche muss fest am Käfig befestigt sein, trotzdem muss sie natürlich täglich leicht zum Auswechseln des Wassers herausgenommen werden können. Die Meerschweinchen sollten in einer möglichst geraden Haltung aus der Tränke Wasser bekommen. Empfehlenswert sind Tränken mit einem Stempel. Der Stempel wird von den Tieren hochgedrückt und dann läuft das Wasser heraus, Tränken mit Kugelventil geben das Wasser nur tropfenweise ab und sind damit ungeeignet.

Wasserschalen sind zu bevorzugen. Die Körperhaltung, die beim Trinken aus der Wasserschale eingenommen wird, ist natürlicher. Außerdem sind Wasserschalen sauberer. Auch wenn uns das Wasser in Tränken sauber erscheint, gerade hier sammeln sich Bakterien und Algen in den Röhrchen und Nippeln und meist auch an den Tränkenrändern. Ein Napf verschmutzt zwar mit groben Schmutzteilen, dafür ist er sehr leicht zu reinigen und wenn er täglich unter fließendem Wasser ausgespült wird, kommt es nicht zu einer Verschmutzung mit Bakterien und Algen. Allerdings können Näpfe in einem kleinen Käfig, der rundherum eingestreut ist, kaum so angebracht werden, dass sie nicht schnell verschmutzen. Wir empfehlen dann, den Napf auf einer Etage anzubieten. Im Auslauf kann die Wasserschale erhöht auf einem Stein angeboten werden, so bleibt auch dort das Wasser sauber.

Feste, schwere Futternäpfe, die nicht umgestürzt werden können und genug Platz bieten, damit alle Meerschweinchen problemlos gleichzeitig daran sitzen können, sind für die Frischfuttergaben sinnvoll. Dazu eignen sich große Hundenäpfe aus Ton ebenso, wie große Tonuntersetzer aus dem Blumenhandel.

Heuraufen sind ebenfalls notwendig, damit immer frisches Heu im Gehege zu finden ist, lesen Sie hier mehr dazu: Heuraufen.

Reinigung

Meerschweinchen haben einen schnellen Stoffwechsel und gewöhnen sich zudem meist nicht an eine bestimmte Ecke zum Harn- und Kotabsatz. So wird das Gehege schnell feucht und dreckig und wird es nicht regelmäßig gereinigt, kann es zu Krankheiten und Parasitenbefall beim Tier kommen.

Mindestens einmal in der Woche sollte das Gehege gründlich gereinigt werden. Entfernen Sie die Einstreu und waschen Sie das Gehege aus. Nehmen Sie zum Auswaschen nur heißes Wasser, bei stärkeren Verschmutzungen mit unparfümierter Seife oder Essig. Urinstein können Sie gut mit Essigessenz einweichen und dann ablösen. Spülen Sie den Käfig danach gründlich mit heißem Wasser nach. Lassen Sie den Käfig trocknen und streuen Sie dann neu ein. In kleinen Käfigen kann es nötig sein, häufiger zu reinigen. Verschmutztes Heu aus Kuschelecken und unter der Heuraufe sollte täglich ausgetauscht werden. Verwenden Sie antibakterielle Reinigungsmittel nur, wenn ein Tier aus der Gruppe erkrankt ist. Eine tägliche Komplettreinigung ist meist nicht nötig und stresst die Tiere nur zusätzlich, ein zu sauberer Käfig schwächt das Immunsystem der Tiere. Der anfallende Staub der Käfigreinigung kann die Atemwege der Meerschweinchen reizen, setzen Sie die Tiere erst wieder ins Gehege, wenn sich der Staub gelegt hat.

Trinkflasche, Wassernapf und Futternapf müssen täglich gereinigt werden. Zum Säubern der Trinkflasche verwenden Sie idealerweise eine Flaschenbürste, wie sie für Babyfläschchen verwendet wird. Ist diese nicht zur Hand, geben Sie etwas Toilettenpapier und Wasser in die Flasche, schütteln es ordentlich und spülen es dann wieder gut aus, bei hartnäckigen Verschmutzungen können Sie statt Papier auch Sand verwenden. Die Röhrchen der Flasche müssen ebenfalls regelmäßig gereinigt werden, gerade dort sammeln sich Pilze und Bakterien, reinigen Sie die Röhrchen mit Pfeifenreinigern oder Wattestäbchen, Kalkablagerungen können Sie entfernen, indem Sie das Röhrchen über Nacht in Essig einweichen. Wasser- und Futternapf können Sie wie ihr Geschirr reinigen, achten Sie aber darauf, das eingesetzte Geschirrspülmittel gründlich abzuwaschen.

Auslauf

Kein Meerschweinchen möchte immer nur im Käfig oder Gehege sitzen. Also planen Sie einen festen Auslauf mit ein, oder lassen Sie Ihre Meerschweinchen wenigstens eine Stunde am Tag frei in der Wohnung laufen. Da Meerschweinchen Fluchttiere sind, ist es wichtig, dass sie selbst bestimmen, wann sie den Auslauf nutzen und es ist vor allem wichtig, dass sie schnell von selbst wieder in ihr Revier, also ihr Gehege, zurücklaufen können. Es ist nicht optimal, die Tiere für den Auslauf aus einem Käfig oder Gehege zu fangen und sie hinterher wieder einzufangen, um sie zurückzubringen. Meerschweinchen lassen sich nur ungern anfassen. Zwar lassen sich die Tiere das Einfangen dann auf Dauer gefallen, aber es gefällt ihnen noch besser, wenn sie selbst bestimmen können, wann sie ihr Gehege verlassen und wann nicht.

Da Meerschweinchen nur selten stubenrein werden und die Angewohnheit haben, unter Sofas und Schränken zu verschwinden und mitunter auch Kabel annagen, ist es empfehlenswert, ihnen nur einen begrenzten Bereich für ihren Auslauf zur Verfügung zu stellen. Wie so eine Auslaufbegrenzung leicht selbst gebaut werden kann, können Sie hier nachlesen: Das Klebe-/Klappgehege. "Freilaufgehege", die aus 6 Gitterelementen, Größe 25 x 48 cm bestehen, können auch fertig gekauft und als Auslaufbegrenzung genutzt werden. Der Boden des Auslaufes kann mit alten Bettbezügen abgedeckt werden (diese können bei Verschmutzungen gewaschen werden). Die Strukturierung des Auslaufes muss an die Bedürfnisse der Meerschweinchen angepasst werden. Meerschweinchen müssen sich auch beim Auslauf sicher fühlen, deshalb sind Weidenbrücken, Korkhalbröhren, Kartons mit mehreren Öffnungen und andere Unterschlüpfe wichtig. Manche Schweinchen trauen sich mitunter gar nicht aus ihrem Käfig heraus und nutzen den Auslauf nicht, dann wäre es sinnvoll, ihnen direkt an der Tür vom Gehege schon den ersten Unterschlupf anzubieten, damit sie sicher und vorsichtig den Auslauf genießen können. Unter besonders beliebten Unterschlüpfen im Auslauf sollten Toiletten gestellt werden, dann da wo ein Meerschweinchen sich wohlfühlt, da pinkelt es auch gern. Dafür eignen sich Bodenschalen von Hamsterkäfigen, die häufig schon für 1 - 2 Euro bei eBay zu bekommen sind.

Sommerauslauf im Garten

Im Sommer können Sie Ihren Meerschweinchen auch Auslauf auf der Wiese geben. Geben Sie nur Auslauf auf Wiesenstücken, die Sie auf giftige Pflanzen hin überprüft haben. Das Gehege sollte nicht in der prallen Sonne stehen, ein Teil muss immer Schatten haben (siehe auch: Sommerprobleme), es muss rundherum, auch nach oben, gesichert sein (gegen Katzen, Hunde und Marder) und natürlich dürfen dort die Einrichtungsgegenstände wie Unterschlupf, Futterschale und Wasserflasche nicht fehlen. So ein Gehege kann leicht gebaut werden: Sie benötigen engmaschigen Volierendraht (viereckig, Gitterabstand bis 2 cm, kein Kaninchen- oder Hühnerdraht) und Holzleisten. Aus den Holzleisten werden viereckige Rahmen gebaut, darauf wird das Gitter aufgetackert, verbunden werden die Einzelteile mit Scharnieren, damit das Gehege leicht wieder zusammen geklappt werden kann, in welcher Größe Sie es bauen, ist egal, nur: je größer, desto besser. In Zoofachgeschäften werden fertige Außengehege angeboten, doch leider sind diese oft nur unzureichend gegen andere Tiere gesichert und häufig auch zu klein. Gut geeignet wäre z. B. der Auslauf "Natura" von Trixie - wenn Sie zwei davon nehmen ;). Absolut ungeeignet sind Käfigoberteile, die einfach auf die Wiese gestellt werden. Diese sind normalerweise zu klein und bieten kaum Platz für sichere Unterschlüpfe und Schattenplätze.

Es ist auch möglich, Meerschweinchen ganz- oder halbjährig draussen zu halten, was dabei zu beachten ist können Sie hier nachlesen:
Halb-/Ganzjährige Außenhaltung von Meerschweinchen