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Sommerprobleme

Kaninchen vertragen als Höhlenbewohner und dämmerungsaktive Tiere hohe Temperaturen nur schlecht. So bringt die Aussenhaltung in der wärmeren Jahreszeit einige Probleme mit sich. Ab 30 °C besteht die Gefahr eines Hitzeschlages. Aus diesem Grund gehen wir hier auf einige Sommerprobleme näher ein.

Wie kann ich meinen Kaninchen im Sommer Kühlung verschaffen?
Andere Fütterung
Erste Hilfe bei Hitzeschlag
Madenbefall?

Wie kann ich meinen Kaninchen im Sommer Kühlung verschaffen?

Ideal wäre bei Tieren in Wohnungshaltung natürlich ein Klimagerät, welches die Raumtemperatur auf einer gleichbleibenden Temperatur hält. Starke Temperaturschwankungen sollten vermieden werden und das Gerät wird immer so aufgestellt, dass es nicht direkt das Gehege kühlt, es sollten mindestens 2 m Abstand zum Gehege eingehalten werden. Natürlich kann sich nicht jeder so ein Gerät leisten, aber auch mit einfachen Mitteln ist es möglich den Tieren Kühlung zu verschaffen.

  • Achten Sie auf eine gute Belüftung im Wohnungsgehege! In Außenhaltung dürfen die Tiere auf keinen Fall in üblichen Kaninchenbuchten sitzen - sie müssen jederzeit Zugang zu einem großzügigem Auslauf mit guter Belüftung haben.

  • Vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung in das Kaninchenzimmer oder auch auf das Kaninchenaußengehege.

  • Bei langhaarigen Tieren (z. B. Löwenkopfkaninchen) muss das Fell gekürzt werden.

  • Legen Sie Kacheln ins Gehege, solche kühlen Plätze sind im Sommer sehr beliebt. Ein Sandkasten wird ebenfalls mitunter gern genutzt, auch angefeuchteter Sand oder mit Wasser besprühter Rasen werden gern zu Abkühlung aufgesucht - auf keinen Fall darf das ganze Gehege feucht sein!

  • Geben Sie einen großen oder zwei kleine Kühlakkus in eine Tüte, wickeln sie ein Tuch darum und legen Sie es oben auf das Gitter auf eine Seite vom Gehege/Schutzhaus. Dort fließt dadurch kühle Luft in das Gehege. Die Kühlwirkung von Akkus ist allerdings sehr begrenzt, nur direkt unter dem Akku bis 20 cm Abstand ist sie überhaupt messbar, mehr Infos dazu hier: Kühlwirkung von Akkus auf Kleintiergehegen. In sehr großen Gehegen können Sie eine Glasflasche mit gefrorenem Wasser (die Flasche nur 3/4 füllen) auch in ein Handtuch gewickelt ins Gehege legen (nicht ohne Handtuch!), die Tiere können dann ja selber bestimmten, ob sie in der Nähe bleiben möchten oder nicht. Nehmen Sie dafür keinen Kühlakku, dieser könnte von den Tieren angenagt werden!

  • Feuchte Handtücher können ebenfalls angeboten werden, z. B. über einen Korb gelegt zum drunterkrabbeln. Allerdings nur bei Tieren, die diese garantiert nicht anknabbern - sonst drohen Verdauungsprobleme.

  • Sollten Ihre Tiere tagsüber Auslauf im Garten bekommen, ist darauf zu achten, dass mehrere, gut belüftete, schattige Unterstände vorhanden sind. Das Gehege darf auf keinen Fall in der prallen Sonne stehen (Vorsicht, die Sonne wandert - beobachten Sie bitten den Sonnenstand über einen Tag, damit Sie sicher sein können, dass immer ein Teil des Geheges beschattet ist!). Die Versorgung mit Trinkwasser und Grünfutter muss gewährleistet sein. Wenn es über Mittag sehr heiß wird und die Tiere offensichtlich darunter leiden, dann sollten Tiere die nicht ganzjährig Draussen wohnen und über Mittag keinen Auslauf im Garten bekommen, verlegen Sie den Auslauf auf die Morgen- und Abendstunden und bringen Sie die Tiere Mittags an einem kühlem Ort unter.

  • Auf keinen Fall dürfen Kaninchen im Sommer in einem handelsüblichen Käfig auf den Balkon oder in den Garten gestellt werden!

  • Bei starker Hitze sind Transporte zu vermeiden oder nur in klimatisierten Fahrzeugen durchzuführen. Die Klimaanlage sollte aber nur leicht kühlen und die Tiere dürfen auf keinen Fall direkt davor gestellt werden oder Zug bekommen, eine zu starke Temperaturschwankung ist zu vermeiden. Sollte ein Transport zum Tierarzt nötig sein, dann legen Sie diesen in die frühen Morgen- oder in die späten Abendstunden. Für den Transport keine allseits geschlossenen Behälter verwenden (gut eignen sich kleine Gitterkäfige, die günstig gebraucht zu bekommen sind ). Auf alle Fälle sollte im Transporter Wasser angeboten werden und der Transport muss unbedingt so schnell wie möglich erfolgen (keine Umwege, kein kurzer Einkauf, die Tiere dürfen nicht allein im Auto verbleiben)! Ein kühles Handtuch oder ein Kühlakku erleichtern den Transport, alle 5 Minuten sollte der Transporter zur Belüftung geöffnet werden, das Tier sollte Wasser angeboten bekommen und sein Zustand kontrolliert werden. Auf Ausstellungen und ähnliche Veranstaltungen sollte wärend der heißen Sommermonate dringend verzichtet werden.

Info zu Wasser/Feuchtigkeit im oder am Gehege:
Durch feuchte Tücher oder feuchten Sand kommt es zu einer leichten Abkühlung in der direkten Umgebung, da das Wasser beim Verdunsten der Umgebung Energie in Form von Wärme entzieht. Wird es allerdings zu feucht, gibt es Schimmelbildung und Atemwegsprobleme.

Ein wirklich schöner Vorschlag zur Kühlung von Pia Maar:

Im Baumarkt oder Gartenfachhandel wird ein großer Topfuntersetzer aus Plastik gekauft. Er wird einfach umgedreht, es werden ein paar Kühlakkus drunter gelegt, dann kommt oben noch eine Decke oder ein Handtuch drüber und schon haben die Kaninchen eine kühle Insel. Auf dem Foto sehen wir Kaninchen Emilie die diese Insel offensichtlich genießt:
Kaninchen Emilie auf Kühlinsel

Andere Fütterung?

Bei großer Hitze werden die Tiere eher träge und bewegen sich wenig. Das sollte bei der Fütterung bedacht werden und entsprechend energieärmer solle die Futterration ausfallen. Möhren und ähnliche Gemüsesorten werden bei großer Hitze meist ohnehin verschmäht. Aber leider dürfen Sie Ihren Tieren auch nicht zu viel Salate und Gurken anbieten, vor allem nicht über Mittag. So erfrischend diese auch sein können, wenn sich die Tiere wenig bewegen und es dazu noch sehr warm ist, kommt es durch stark wasserhaltiges Futter eher zu Fehlgährungen im Darm. Die Tiere bekommen schmerzhafte Blähungen. Also füttern Sie bei großen Temperaturen erst gegen Abend größere Mengen Frischfutter und über Tag nur sehr kleine Mengen. Gras und Kräuter dürfen Kaninchen in Außenhaltung natürlich den ganzen Tag über zu sich nehmen.

Erste Hilfe bei Hitzeschlag

Kaninchen können nicht schwitzen, sie hecheln kaum und durch ihr dickes Fell sind sie kaum in der Lage Wärme abzugeben, nur über die Ohren können sie ihre Temperatur etwas regeln. Bei sehr hohen Umgebungstemperaturen (direkte Sonneneinstrahlung, keine schattigen Rückzugsmöglichkeiten), besonders auch bei hoher Luftfeuchtigkeit, kann es zu Überhitzung des Kaninchens kommen. Von Hitzeschlag besonders betroffen sind überfütterte, fette Tiere, ebenso alte oder schwangere Tiere. Bei starker Hitze sind Transporte zu vermeiden oder nur in klimatisierten Fahrzeugen durchzuführen (s.o.).

Die Symptome eines akuten Hitzeschlags sind: völlige Teilnahmslosigkeit - die Tiere liegen auf der Seite, schnelle flache Atmung - Flankenatmung, schneller schwach fühlbarer Puls. Sollten Sie diese Symptome bei heißem Wetter bei einem sonst gesunden Kaninchen bemerken ist unverzüglich zu handeln.

  • Wickeln Sie Ihr Kaninchen in ein kühles, feuchtes Handtuch.

  • Flößen Sie ihm Flüssigkeit ein.

  • Tauchen Sie seine Füßchen in kühles (kein eiskaltes) Wasser ein.

  • Fahren Sie unverzüglich zu einem Tierarzt, dieser wird dem Tier Infusionen geben und evtl Corticoide gegen Kreislaufversagen spritzen.

Warten Sie mit dem Tierarzt Besuch nicht bis zum nächsten Morgen oder bis sie mal Zeit hätten, denn dann haben Sie kein Kaninchen mehr dass sie mitnehmen könnten. Ein unbehandelter Hitzeschlag kann innerhalb kurzer Zeit zum Tod des Tieres führen.

Madenbefall (Myiasis)

Gerade im Sommer kommt es leider häufiger zu Madenbefall bei Kaninchen in Aussenhaltung (seltener auch bei Tieren in Innenhaltung). Schmeißfliegen, Goldfliegen und auch andere Fliegenarten legen ihre Eier am Tier ab, ja nach Art bevorzugt in Hautläsionen (Verletzungen der Haut) und in der Anogenitalregion (am After) sowie an verkoteten Stellen. Die Maden können innerhalb sehr kurzer Zeit aus diesen Eiern schlüpfen, bei der am häufigsten für Fliegenmadenbefall verantwortlichen Lucilia sericata schlüpfen die Maden je nach Temperatur innerhalb von 8 Stunden bis 3 Tagen. Sie fressen sich dann tief in die Haut und ernähren sich vom Gewebe und den Sekreten der Haut. Als Folge kommt es zu massiven Verletzungen der Tiere, inneren Blutungen, zu einer bakteriellen Sekundärinfektion, zur einer starken Schwächung und schlimmstenfalls zum Tode des Tieres. Gesunde Tiere sind kaum betroffen, aber ältere, geschwächte oder gestresste Tiere (z. B. durch vorhergehende Erkrankungen, Durchfall, Rangordnungskämpfe) werden leicht Opfer von diesen Fliegenmaden. Haben die Tiere zu lange Haare, so dass sie sich kaum noch selber putzen können, oder wird der Käfig nicht gründlich gereinigt oder haben die Tiere Durchfall kommt es eher zu einem Madenbefall.

Vorbeugend sollten Sie langhaarigen Tieren das Fell vor allem am Po stutzen. Die Gehege sollten auf jeden Fall sehr sauber und trocken gehalten werden - Feuchtigkeit und Kot zieht Fliegen an. Wenn möglich, sollten rund um das Gehege Fliegengitter angebracht werden. Gitter können auch bei starkem Fliegenaufkommen alle vier Wochen mit einem entsprechendem Mittel gegen Fliegen (z. B. Ardap) eingesprüht werden. Komposthaufen und Mülltonnen dürfen nicht in der Nähe des Geheges aufgestellt werden, die Gehegeumgebung muss so sauber sein wie das Gehege selbst. Verschmutze Tiere sind zu säubern, kranke Tiere und vor allem verletzte Kaninchen sollten vorsichtshalber im Haus untergebracht werden. Täglich werden die Tiere auf Madeneier kontrolliert. Einen Madenbefall erkennen Sie vorab an den weißlichen Eiern die auf der Haut oder in Wunden liegen. Und natürlich an den geschlüpften Maden (dickliche, kleine, weiße Würmchen). Die Gehege müssen regelmäßig heiß ausgewaschen werden um evtl. vorhandene Parasiteneier weg zu waschen.

Es ist ebenfalls möglich, wenn mit vermehrtem Schmeißfliegenaufkommen zu rechnen ist oder ein Befall im Bestand vorliegt, prophylaktisch zu behandeln. Im Frühjahr wird dann der Insektenwachstumsregulator Dicyclanil pour on auf das Tier gegeben (Dosierung 30 - 100 mg/kg), das Mittel hält etwa 16 Wochen vor (Quelle WielandBeck / Nokola Pentchev "Praktische Parasitologie bei Heimtieren" Verlag Schlütersche 2006, Seite 29) und verhindert, dass die frisch geschlüpften Maden einen Chitinpanzer ausbilden können. Allerdings ist das Mittel in Deutschland schwer zu bekommen und es ist nicht ganz klar, welche Nebenwirkungen diese Behandlung haben könnte. Sie sollte nur im Notfall zum Einsatz kommen.

Sollten Sie einen Befall feststellen, entfernen sie die sichtbaren Maden und suchen Sie unverzüglich einen Tierarzt auf. Dieser wird möglichst alle Maden entfernen und die Wunde reinigen. Sind starke Wunden vorhanden, dann ist es nötig, diese mehrfach zu spülen, beispielsweise mit Rivanol oder Fibrolan. Tiefe Wunden können mit einem Leukase N Kegel versorgt werden. Liegen Entzündungen vor, wird ein geeignetes Antibiotikum verabreicht. Frisst das Tier nicht oder ist es stark geschwächt, können Infusionen helfen. Schmerzmittel sind nötig, wenn das Kaninchen deutliche Schmerzsymtome (z. B. Futterverweigerung, Zähneknuspeln, Zucken, geducktes unentspanntes Sitzen) zeigt.Wenn der Madenbefall sehr tief geht und nicht sicher ist, ob alle Maden und vor allem alle Eier entfernt sind, wird ein geeignetes Mittel gegen Maden verabreichen. Geeignet sind fast alle Mittel geben Milben. Stronhold hält länger vor und tötet alle noch schlüpfenden Fliegenmaden zuverlässig ab. Ebenfalls geeignet wären Ivomec oder Dectomax.