Keine Einzelhaltung von Kaninchen in der Heimtierhaltung!

Kaninchen leben also normalerweise in großen Gruppen zusammen. Menschen auch. Ein Mensch wird in Einzelhaft gesteckt, um ihn für eine schlimme Tat zu bestrafen, was hat wohl das Kaninchen getan, dass es mit Einzelhaft bestraft wird?

Warum nicht allein?

Kaninchen leben in Gruppen -> siehe: Wildlife. Sie sollten sich deshalb von vornherein für mindestens zwei Kaninchen entscheiden. Einzelhaltung sollte nur ein Kompromiss sein, z.B. bei kranken Tieren oder bei Rammlern, die frisch kastriert sind. Die Einzelhaltung sollte nicht lange dauern und Sie müssen sehr viel Zeit für das Tier aufwenden! In freier Wildbahn leben Kaninchen in großen Sippen bzw. Gruppen zusammen. Sie grasen miteinander, geben sich gegenseitig Sicherheit in der Gruppe und haben eine strenge Rangordnung untereinander. Allerdings: Im Kaninchenbau hat jedes Kaninchen/jedes Paar seinen eigenen Bereich! Das bedeutet, dass Kaninchen, die in der Gruppe gehalten werden, immer so große Gehege brauchen, dass sie sich auch mal aus dem Weg gehen können und problemlos getrennte Schlafplätze suchen können.

Welche Kombination passt?

Es kann keine generell gültige Richtlinie aufgestellt werden, welche Kombination nun wirklich die Beste ist. Aber grundsätzlich verstehen sich Paare am besten und bilden eine sehr harmonische Einheit. Zwei gleichgeschlechtliche Kaninchen verstehen sich normalerweise bis zur Geschlechtsreife gut, danach werden häufig schwere Rangkämpfe ausgetragen und die Tiere müssen getrennt werden. Wenn Rammler allerdings vor der Geschlechtsreife kastriert werden, dann besteht eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie sich dauerhaft verstehen. Unkastrierte Rammler hingegen vertragen sich meist absolut nicht und werden nach der Geschlechtsreife blutige Rangkämpfe ausfechten. Gleiches gilt für Weibchen: zwei erwachsene Weibchen vertragen sich selten, häufig werden ab dem 6. - 8. Lebensmonat schwere Rangkämpfe ausgetragen. Eine Zusammenführung von erwachsenen Weibchen ist absolut nicht ratsam. Es ist ebenfalls nicht ratsam, Mutter und Tochter zusammen zu halten, auch hier wird die Tochter den Rang der Mutter mit erreichen der Geschlechtsreife anfechten und die Tiere müssen getrennt werden. Es gibt natürlich auch Kaninchenweibchenpaare, die über einen langen Zeitraum relativ friedlich zusammen leben. Allerdings zeigen unsere Beobachtungen deutlich, dass diese Paare nie sehr harmonisch sind und schon bei kleinen Veränderungen (Krankheiten etc.) auseinander fallen. Die Kastration der Weibchen bringt Ruhe in Weibchengruppen, sollte aber nur dann durchgeführt werden, wenn es keine andere Möglichkeit gibt.

In größeren Gruppen können auch mehrere kastrierte Rammler mit mehreren Weibchen zusammengehalten werden. Voraussetzung dafür ist ein sehr großes Gehege (mindestens pro Tier 2 m² - besser mehr).

Mitunter wird immer noch empfohlen, Kaninchen mit Meerschweinchen zu vergesellschaften, da dann keine Kastrationkosten zu bezahlen sind - davon können wir nur sehr dringend abraten, diese Tiere passen überhaupt nicht zusammen. Mehr dazu können Sie hier nachlesen: Kaninchen und andere Haustiere.

Im Allgemeinen versteht sich ein Pärchen am besten.

Wenn Sie nur zwei Tiere halten möchten, dann sollten Sie sich also von vornherein für ein Kaninchenpaar entscheiden und den Rammler frühkastrieren lassen. Für spätere Vergesellschaftungen gilt: grundsätzlich bei erwachsenen Tieren immer nur einen kastrierten Rammler mit einem Weibchen vergesellschaften - niemals nur zwei Weibchen, zwei Rammler nur dann, wenn beide kastriert sind.

Warum Kaninchen niemals einzeln gehalten werden dürfen!

Kaninchen haben ihren Artgenossen gegenüber ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten, sie kuscheln und putzen sich gegenseitig, geben sich Sicherheit und spielen miteinander. Es ist eine Freude, zwei Kaninchen dabei zuzusehen, wie sie hintereinander herlaufen, zusammen die Wohnung erkunden, zusammengekuschelt in ihrer Lieblingsecke liegen oder sich liebevoll die Ohren abschlecken. Wie traurig hingegen ist der Anblick eines einzelnen Kaninchen, welches in der Ecke vom Käfig seine Zeit absitzt, bis "sein" Mensch einmal am Tag für wenige Minuten oder Stunden kommt, um es zu füttern und zu streicheln. Wie traurig ist ein einzelnes Kaninchen, das lustlos umherhoppelt und beim Auslauf nur mit einem Menschen spielen kann, der es nicht versteht, der seine Spiele nicht spielen kann und der ganz bestimmt keine Fellpflege nach Kaninchenart bei ihm macht.

Viele Menschen bilden sich ein, sie müssten ihr Kaninchen allein halten, damit es nur den Menschen mag. Das ist doch eine sehr selbstsüchtige Einstellung und nicht im Interesse des Kaninchens. Wollen Sie wirklich, dass Ihr Kaninchen Sie nur mag, weil es keine andere Chance hat, ein wenig Zuwendung zu bekommen? Wäre es nicht besser, zwei Kaninchen zu haben, die beide angehoppelt kommen und nach einem Leckerchen betteln? Es ist auch nicht richtig, dass einzeln gehaltene Kaninchen grundsätzlichanhänglicher sind. Nicht selten werden allein gehaltene Weibchen sogar angriffslustig und aggressiv ihrem Menschen gegenüber. Einzeln gehaltene Rammler werden mitunter fresssüchtig und faul. Richtig ist, dass auch Kaninchen die im Rudel gehalten werden, ihren Menschen mögen und mit ihm spielen. Sie erkennen ihn als Futterbringer und können sehr anhänglich werden. Aber Sie können das Tier auch mal guten Gewissens allein lassen - könnten Sie das auch, wenn Sie genau wüssten, dass Ihr Kaninchen allein im Käfig hockt und einsam ist, während Sie ausgehen? Ob ein Kaninchen anhänglich wird und seinen Menschen als Freund ansieht, hängt meist ohnehin nur vom Charakter des einzelnen Tieres ab.

Häufig bekommen wir von Haltern die Ausrede, "Ihr" Kaninchen würde sich nicht mit anderen Kaninchen verstehen.
Nur sehr sehr selten gibt es Kaninchen, die wirklich dermaßen psychisch geschädigt sind, dass sie nicht mehr mit Artgenossen klarkommen. Und diese Tiere sind häufig schon ein Leben lang falsch gehalten worden. Solche Kaninchen sind so selten, dass ich hier mit Sicherheit sagen kann: Es ist fast immer nur eine Ausrede aus Bequemlichkeit. Sehr häufig sind die Gehege dieser Tiere viel zu klein und sie haben gar keine Möglichkeit, sich darin wirklich zu vertragen. Sehr häufig ist es auch so, dass ein- oder zweimal geschaut wurde, wie das Kaninchen sich mit dem Kaninchen vom Nachbarn versteht oder fremde Tiere einfach im Revier des einen Kaninchen zusammen gesteckt wurden und wenn dieses Kaninchen dann sein Revier verteidigt hat, wird einfach gesagt: "Es geht nicht". Aber so kann es auch nicht gehen, und auch Sie würden wohl einen fremden Menschen nicht einfach so in Ihrer Wohnung dulden. Eine Vergesellschaftung von fremden Kaninchen ist nicht immer leicht und es müssen viele Regeln eingehalten werden. Manchmal ist es auch langwierig und schwer. Es wird mitunter recht wild und oft jagen sich die Tiere so sehr, dass der Mensch Angst bekommt und den Tieren erst gar keine Chance gibt, sich kennen zu lernen und eine Rangordnung auszumachen. Nicht immer ist es bei Kaninchen Liebe auf den ersten Blick, und damit eine Vergesellschaftung Erfolg hat, sind viele Regeln einzuhalten, welche Sie hier nachlesen können: Vergesellschaftung von Kaninchen.

Leider bekommen wir auch Mails von Leuten, die meinen, ihr Tier wäre unverträglich, weil es sich mit seinem Partner nicht versteht, obwohl es doch Weibchen und Männchen sind. Ja, das kommt durchaus vor, nicht immer vertragen sich die Tiere, nicht immer leben sie harmonisch zusammen. Wenn klar wird, dass die Tiere nicht miteinander auskommen, sollten sie getrennt und mit anderen Partnern vergesellschaftet werden. Je länger Tiere zusammen leben müssen, die sich nicht vertragen, umso größer wird der psychische Schaden beim Tier und umso schwerer wird es, diese Tiere später wieder mit einem Artgenossen zusammen zu bringen.

Ein wichtiger Hinweis: Kaninchenweibchen die unverträglich sind könnten ein Hormonproblem haben. Soetwas kommt gar nicht selten vor. Diese Tiere haben meist eine Veränderung der Gebärmutter. Eine Hormonbehandlung oder eine Gebärmutterentfernung bringt in diesen Fällen Abhilfe. Lesen Sie dazu auch diese Seite: Scheinschwangeschaft beim Kaninchen

Machen Sie sich bewusst, dass es niemals tiergerecht sein kann, wenn Sie Ihr Kaninchen einzeln halten!

Sie sind immer noch nicht überzeugt? Dann schauen Sie sich diese Seiten an:
Erfahrungsbericht und Bilder:
Nie allein

Gibt es Argumente für die Einzelhaltung von Kaninchen?
Kaninchen-at-home.com

Warum leben Kaninchen bei vielen Züchtern in Einzelboxen?

Wer zum Züchter geht um sich Kaninchen zu kaufen, sieht dort häufig auch die typischen kleinen Boxen, in denen die Kaninchen einzeln aufbewahrt werden. Wer das sieht und dann auf dieser HP liest, der wundert sich selbstverständlich über diese Haltungsunterschiede. Die Gründe für die Einzelhaltung der Kaninchen beim Züchter sind vielfältig und haben ihre Ursachen häufig in der Zucht selbst:
  • Viele Züchter haben schlicht nicht genug Platz für tiergerechte Gehege.
  • Große Gehege kosten viel Geld. Sie müssen gebaut und sauber gehalten werden und das beansprucht schon bei kleinen Tiermengen viel Zeit und kostet viel Geld.
  • Die Rammler sind bei Züchtern natürlich nicht kastriert, da sie zur Zucht eingesetzt werden. Ausgewachsene und potente Rammler können aber nicht zusammen gehalten werden, weil sie sich dann starke Revierkämpfe liefern würden.
  • Weibchen vertragen sich ebenfalls nur bedingt in großen Gruppen, sobald sie geschlechtsreif werden.
  • Kaninchen sollten zur Zucht auch nicht dauerhaft als Paar gehalten werden, weil die Häsin dann dauerschwanger wäre. Das ist mit massivem Stress verbunden und zerrt an den Kräften des Tieres. Wenn das Gehege nicht mindestens 6 m² für ein Weibchen mit Jungtieren groß ist, stresst diese Gemeinschaft die Tiere zusätzlich. Die Jungen bedrängen das Weibchen ständig und sie kann ihnen nicht ausweichen, was allerdings für das Kaninchenweibchen natürlich wäre.
  • Da Kaninchen sich auch in kleinen Boxen und unter schlechten Haltungsbedingungen gut vermehren lassen, besteht für die meisten Züchter kein Bedarf an einer guten Tierhaltung.
  • Die Einsicht, dass Kaninchen Lebewesen mit Bedürfnissen sind, ist bei vielen Züchtern einfach gar nicht vorhanden. Für die meisten Züchter sind Kaninchen einfach lebende Spielsachen, mit denen sie Pokale gewinnen oder sich ihre Zeit vertreiben können. Das Kaninchen wird von vielen Züchtern leider nicht als Lebewesen mit Bedürfnissen gesehen, sondern nur als Objekt, das bestimmten Standards zu entsprechen hat.

Nur weil viele Züchter ihre Tiere aus oben genannten Gründen alleine halten, muss ein einfacher Heimtierhalter das nicht nachmachen. Die Aussage: "Mein Züchter hält die Tiere auch allein." ist eben nur eine Ausrede, die nicht standhält, wenn man sich die Unterschiede in der Heimtierhaltung und der Zucht ansieht und sich klar macht, dass eine Zucht, bei der die Tiere in Einzelboxen sitzen auch nichts mit tiergerechter Haltung zu tun hat.

Gute Züchter lassen ältere Rammler kastrieren und halten diese dann zusammen mit den Weibchen in Kleingruppen. Jungrammler bleiben in Gruppen zusammen, mitunter beim Altrammler, bis sie alt genug zum Decken sind. Es gibt sogar schon Züchter, die Ihren Tieren große Wiesenausläufe bauen, sowie den Aufwand und die Kosten für eine hochwertige Ernährung und die Gruppenhaltung nicht scheuen. Leider sind solche Züchter bisher noch die Ausnahme, nicht die Regel.