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Trommelsucht /Blähungen bei Kaninchen

Trommelsucht ist auch bekannt als Blähsucht, Blähung, Aufgasung oder Tympanie. Die Bezeichnung wird wohl daher abgeleitet, dass die Kaninchen bei akuter Trommelsucht mit den Hinterläufen klopfen (eine weitere Erklärung wäre, dass es klopfende Geräusche gibt wenn die Gase abgehen).

Anzeichen von Trommelsucht?

Kaninchen zeigen eine Trommelsucht sehr deutlich an. Gut zu ertasten und oft auch zu sehen ist eine Aufblähung des Bauches, die Bauchdecke ist stark gespannt. Kaninchen verweigert bei akuter Tympanie die Nahrungsaufnahme. Sie sitzen im Anfangsstadium rund in der Hocke, meist mit leicht gesträubtem Fell da und atmen stärker. Die Tiere bekommen nicht selten Atemnot oder auch eine Kreislaufschwäche, sie liegen dann mit starker Flankenatmung, oft mit panisch aufgerissenen Augen oder schon teilnahmslos im Gehege. Sie kühlen stark aus und wirken irgendwann apatisch. Sie haben sichtbare Schmerzen und knirschen mit den Zähnen.

Was löst die Trommelsucht aus?

Meist entsteht die Trommelsucht wenn ungewohntes Frischfutter oder Trockenfutter in solchen Mengen gegeben wird, dass der Darm überfordert ist - dadurch kommt es zu starken Fehlgärungen im Darm. Vor allem im Sommer müssen die Tiere vor dem Raussetzen erst langsam an frisches Gras etc. gewöhnt werden, sonst entstehen diese schmerzhaften Blähungen sehr schnell. Siehe auch: Kleine Graserei / Umstellung. Auch wenn die Tiere sehr unausgewogen oder schlicht falsch ernährt werden, z.B. nur einmal ab Tag frisches Futter bekommen, dadurch schlingen und zu viel Luft schlucken kommt es schnell zu Aufgasungen.

Stark blähendes/gährfähiges Futter wie Kohl, Hülsenfrüchte, Zwiebelgewächse, Klee und feiner Rasenschnitt sowie angegorenes, gefrorenes oder erwärmtes Gras verursachen, vor allem wenn sie ungewohnt sind oder in großen Mengen gegeben werden, häufig gefährlichen Blähungen.

Ebenso kann es auch bei vorhandenen anderen Krankheiten wie Zahnfehlstellungen etc. zu Trommelsucht kommen, da dann ja auch eine Nahrungsumstellung stattfindet.

Ein Grund für Trommelsucht kann auch gespritztes und nur unzureichend gewaschenes Gemüse oder Obst sein (also eine Vergiftung). Oder nicht gut abgetrocknetes Gemüse und Grünfutter.

Bewegungsmangel und Übergewicht ist oft auch ein Grund für Darmprobleme. Kaninchen benötigen viel Auslauf um den Darm in Schwung zu halten, Bewegung kann helfen, Blähungen zu lösen.

Seltener ist eine bakterielle Infektion der Grund für Trommelsucht. Mitunter sind Colibakterien oder Kokzidien der Grund für häufiger wiederkehrende Trommelsucht.

Ein massiver Befall mit Hefepilzen kann ebenfalls Aufgasungen hervor rufen: Darmmykose (Hefepilzinfektion im Darm).

Wichtig:

Stellen Sie massive Aufgasungen bei Ihren Kaninchen fest, müssen Sie unverzüglich einen Tierarzt aufsuchen.
Starke Blähungen können innerhalb weniger Stunden zum Tode des Tieres führen! Der Tierarzt wird etwas entkrampfendes Spritzen und ggf. ein Cortison verabreichen. Häufig wird zur Behandlung ein Spasmolytikum (z. B. Buscopan) angewandt. Dieses Mittel lähmt den Darm der Kaninchen zu stark und führt in vielen Fällen dazu, dass die Darmtätigkeit völlig zum Erliegen kommt. Es sollte also nicht eingesetzt werden! Als Alternative eignet sich zum Entkrampfen ein Schmerzmittel mit Metamizol also beispielsweise Novalgin (Dosierung: 50 mg/kg Metamizol = ~0,1 ml Tropfen/kg) oral, alle 4 - 6 Stunden). Ist das nicht zur Hand, sollte auf jeden Fall ein anderes Schmerzmittel, beispielsweise Metacam (0,2 mg/kg tägl) verabreicht werden. Zur Unterstützung des Kreislaufes wird eine Infusion gespritzt. Außerdem wird grundsätzlich ein Medikament mit dem Wirkstoff Simeticon eingegeben (s. U.) um die Gasbläschen im Darm aufzulösen.

Bei Blähungen sollten ohne genaue Ursachenkenntniss keine Antibiotika angewenden werden. Antibiotika greifen auch die gesunden Bakterien im Darm an und sind meist ohnehin nutzlos bei einer Aufgasung.

Bei extremen Fällen von Aufgasung wird mitunter versucht, den Darm oder Magen zu entgasen. Zur Darmentgasung wird eine Kanüle in den entsprechenden Bereich eingeführt und das Gas wird so langsam zum Entweichen gebracht. Der Magen wird über eine Magensonde entgast. Diese Methoden sind umstritten, denn sie stresst das Tier, ist Schmerzhaft und kann, wenn der Tierarzt nicht sehr geübt darin ist, zu massiven inneren Verletzungen führen.

Bei wiederkehrender Trommelsucht muss eine Kotprobe entnommen werden, um die Ursache der Trommselsucht eindeutig fest zu stellen.

Grundsätzlich ist es wichtig, die Ursache für die Trommelsucht herauszufinden und die Haltung oder Fütterung entsprechend zu ändern.

Sofortmaßnahmen bei Trommelsucht (bis zum Tierarztbesuch und als weiterführende Therapie):

Bis die massive Aufgasung abgeklungen ist, darf das Kaninchen vorwiegend Wasser/Tee und Heu, wenig Grünfutter und getrocknete Kräuter zu sich nehmen! Gemüse, vor allem Blattgemüse und Kohlsorten, werden sofort abgesetzt. Heu sollte immer im Käfig vorhanden sein. Getrocknete Kräuter wie Pfefferminze, Dill, Kamille, Melisse und Schafgabe wirken lindernd und können gern angeboten werden. Wiesengrün und anderes Grünfutter sollte vorerst nur in kleinen Portionen über den Tag verteilt gegeben werden, um einer Verstopfung vorzubeugen. Frische Kräuter, Blätter und Blüten sind ebenso nur in kleinen Mengen erlaubt. Sobald die massive Blähungen sich gebessert hat (der Bauch also nicht mehr hart und aufgebläht ist), wird das Kaninchen vorsichtig wieder an Frischfutter gewöhnt. Dazu werden kleine Stückchen Fenchel, Reibeäpfel (kurz zum Anbräunen stehen lassen), dazu (evtl. geriebene) Karotte gereicht. Die Diät wird nicht länger als 2 Tage durch geführt, halten die Aufgasungen länger an, muss jede weitere Diät mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Frisst das Kaninchen vor Schmerzen nicht freiwillig und helfen Schmerzmittel nicht, darf das Tier natürlich einfach alles fressen, was es gern mag - hauptsache es frisst überhaupt. Hier wäre jede Form von Diät oder Futtermitteleinschränkung falsch!

Sab Simplex® Tropfen, Lefax® oder ein anderes Medikament mit dem Wirkstoff Simeticon oder Dimeticon ist einzugeben. Mehrmals täglich (in heftigen Fällen alle 2 Stunden) etwa 0,3 ml/kg vermischt mit der gleichen Menge Wasser. Anschließend kann der Bauch vorsichtig mit kreisenden Bewegungen massiert werden (eher streicheln, nicht drücken!). Bei starker Aufgasung kann auch wesentlich mehr von dem Mittel eingegeben werden - als Notfallgabe auch 2 - 3 ml zu Anfang um massive Aufgasungen zu lösen.

Geben Sie dem Tier zum krampflösen Fencheltee oder Kümmeltee oder Pfefferminze.

Mitunter wird zu einer Wärmflasche geraten, wir raten aber eher von zusätzlicher Wärme ab. Zwar entspannt Wärme, aber ebenso bringt die zusätzliche Wärme den Darminhalt stärker zum gären, so dass die Blähungen stärker werden.

Sollte das Kaninchen eine Nahrungsaufnahme verweigern, müssen Sie es päppeln, Anweisungen dafür finden Sie hier: Päppeln. In so einem Fall ist allerdings fast alles erlaubt, bieten Sie dem Tier das gesamte Spektrum an Lieblingsfutter an.

Darmflora:

Die beschädigte Darmflora der Kaninchen muss wieder aufgebaut werden. Dazu wird vom Tierarzt meist Bird Bene Bac verabreicht, dieses Gel besteht aus gefriergetrockneten Bakterien, welche der Darmflora helfen soll, sich wieder zur regulieren.

Einfacher und gesünder wäre es natürlich, den Tieren Blindarmkot gesunder Kaninchen anzubieten, häufig versuchen die Kaninchen von sich aus, ihren Gehegegenossen diesen Kot zu stibizen. Als Mensch wird man da aber leider kaum dran kommen, aber es reicht auch aus, frische Köttel von gesunden Tieren aufzulösen und in den Päppelbrei zu mischen oder so zu verabreichen. Alternativ kann Omniflora N gegeben werden. Diese Kapseln für Menschen sind in der Apotheke rezeptfrei zu bekommen. Der Inhalt der Kapseln wird in Wasser aufgelöst. Bei akutem Durchfall wird 1/5 Kapsel pro 1 kg Tier über den Tag verteilt gegeben, bei abklingendem Durchfall wird die Hälfte der Menge gegeben.

Mitunter wird behauptet, Joghurt würde sich positiv auf die Darmflora von Kaninchen auswirken - das stimmt nicht. Zwar stimmt es, dass im Joghurt die entsprechenden Bakterienkulturen lebend vorhanden sind und in Präparaten wie Omniflora oder Bird Bene Bac nur gefriergetrocknete Kulturen, die ebenfalls aus Milchprodukten gewonnen wurden, vorhanden sind. Aber: Kaninchen vertragen Milchprodukte wegen des hohen Anzeils an Milchzucker (Lactose) nur sehr schlecht. Kaninchen haben eine Lactoseintolleranz (sie stellen nur bis zum Abstillen Laktase her, welche die Lactose aufspaltet). Lactose wird von Kaninchen im Dünndarm nicht ausreichend in Galactose und Glucose aufgespalten und gelangt unverdaut in den Dickdarm, dort wird sie dann von den Darmbakterien vergoren, was zu Blähungen und Durchfall führt. Auch geringe Mengen Joghurt können diesen Effekt beim Kaninchen haben und sind deshalb bei Darmerkrankungen eher kontraproduktiv. Wird ein Joghurt mit vielen Milchsäure-Bakterien angeboten, gelangen diese zu einem großen Teil mit in den Dickdarm und spalten dort weiter Lactose auf - die Gefahr von Blähungen und Durchfall sinkt, deshalb bekommen viele Kaninchen zwar von neuartigen Joghurtsorten keinen Durchfall und keine Blähungen mehr, aber der therapeutische Nutzen ist nicht gegeben, da nur ein geringer Anteil Bakterien überhaupt im Dickdarm ankommen und durch die Lactose der Darm zusätzlich belastet wird.