Durchfall bei Meerschweinchen
Wie erkenne ich dass mein Meerschweinchen Durchfall hat?
Mitunter sieht man es an dem Meerschweinchen selber nicht sofort an, man findet
aber schmierige oder sogar Breiige Kotabsonderungen im Käfig.
Hat das Meerschweinchen schweren Durchfall ist das Fell am Po verschmutzt,
mitunter ist der Durchfall flüssig (dann sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht
werden). Das Tier wirkt teilnahmslos, es frisst nicht mehr richtig, spielt nicht
und hat Schmerzen, das Fell wirkt struppig, mitunter sabbert das Tier
stark und es verliert sehr schnell Gewicht. Teilweise riecht der Durchfall sehr stark.
Woher kommt der Durchfall?
Durchfall kann verschiedenen Ursachen haben, eine häufige Ursache ist, dass die
Meeries eine schnelle Futterumstellung nicht verkraftet haben, gerade junge
Tiere müssen sehr langsam an neues Futter (Frischfutter/Grünfutter) gewöhnt
werden, da sonst der Darm kollabiert.
Evtl. wurde beim Kauf nicht das gewohnte Trockenfutter aus der Tierhandlung
mitgenommen? Oder es wurde ungewohntes Frischfutter oder Trockenfutter in
solchen Mengen gegeben, dass der Darm überfordert war?
Im Sommer müssen Meerschweinchen vor dem
Raussetzen auf die Wiese erst langsam an frisches Gras und Grün etc. gewöhnt werden! Siehe auch: Kleine Graserei / Umstellung.
Seltener ist eine Bakterielle Infektion der Grund für Durchfall, dann sollte auf alle Fälle eine Kotprobe
untersucht werden und evtl. ist eine Behandlung mit Antibiotika nötig. Ebenso kann es sein, dass das Tier eine andere Erkrankung hat und der Durchfall also ein Folge der Schwäche ist. In diesem Fall also durch die andere Krankheit das Immunsystem soweit geschwächt ist, dass sich Fehlernährung negativ auf den Darm auswirken kann. Bei vorhandenen anderen Krankheiten wie Zahnfehlstellungen oder Erkältungen kann es zu Durchfall
kommen, da dann ja auch eine Nahrungsumstellung stattfindet.
Die Gabe von Antibiotika kann ebenfalls Durchfall hervorrufen. Auch die Gabe von ungeeigneten Medikamenten (wie z.B. von Penicilin, welches bei Meerschweinchen nicht eingesetzt werden darf) führt zu Durchfall.
Es kommt ebenso bei falscher Ernährung oder bei Jungtieren häufiger zu eine Besiedelung des Darmes mit Parasiten wie Kokzidien oder Würmern, auch sie lassen sich durch eine Kotprobe aufspüren und leicht behandeln. Bei Krankheiten, Bakterien und Kokzidien ist neben einer Behandlung und strenger Diät auch auf absolute Sauberkeit zu achten. Mehr Infos dazu hier: Darmparasiten beim Meerschweinchen
Mitunter kommt es zu einem massivem Hefepilzbefall im Darm, auch dieser kann Kotveränderungen auslösen.
Gespritztes und nur unzureichend gewaschenes
Gemüse oder Obst (also eine Vergiftung), oder nicht gut abgetrocknetes
Gemüse und Grünfutter kann u.U. Durchfall auslösen.
Ein häufiger Grund für Darmprobleme ist ebenfalls, dass die Meerschweinchen etwas für sie
Schädliches gefressen haben: Plastik, Katzenstreu, andere giftige Einstreu,
chemisch behandeltet Gegenstände, giftige Pflanzen, Zigaretten, etc.
Der Hauptgrund für ständig wiederkehrenden Durchfall ist meist eine grundsätzlich falsche Fütterung der Tiere. Getreide und/oder Melassehaltiges oder stark verkleinertes Trockenfutter und Snacks sorgen dafür, dass der Darm nicht vernünftig arbeiten kann. In dem Fall hilft nur eine langsame Umstellung auf eine gesunde Ernährung der Tiere.
Wichtig:
Durchfall bei Meerschweinchen sollte niemals länger als 24
Stunden nach der Entdeckung ohne Tierarztbesuch behandelt werden, länger
andauernder starker Durchfall führt zum Tode des Tieres (der Darm wird träge und stellt
die Arbeit ganz ein)! Ist nach 24 Stunden keine eindeutige Besserung in Sicht,
muss beim Tierarzt eine Kotprobe des kranken Tieres untersucht werden um die
Ursache des Durchfalls einzugrenzen. Der Tierarzt wird wahrscheinlich eine
Aufbauspritze geben wollen, das ist aber oft unnötig und verschlimmert die Lage
nicht gerade selten. Werden Bakterien im Kot gefunden, ist eine Behandlung mit einem Antibiotikum sinnvoll. Am Besten vertragen wurden bisher bei den meisten
Meerschweinchen eine Behandlung mit den Wirkstoffen
Tetrazyklein, Marbofloxacin und Enrofloxacin. Bei einem Befall mit Hefepilzen wird meist Nyastin, bevorzugt als Saft, über einen Zeitraum von ca. 10 Tagen verabreich. Häufig wird zur Behandlung ein Spasmolytikum (z.B. Buscopan) angewandt. Wir haben damit keine guten Erfahrungen gemacht und in Fachärztekreisen wird eher davon abgeraten. Dieses Mittel lähmt den Darm der Meerschweinchen zu stark, es
sollte also nur eingesetzt werden, wenn andere Mittel nicht wirken. Colosan kann sich positiv auf den Darm auswirken.
Sofortmaßnahmen bei Durchfall:
Versuchen Sie die Ursache für den Durchfall abzuklären, überprüfen Sie vor allem
das Futter des Tieres.
Hochwertiges Heu sowie eine gute Trockenkräutermischung bilden die Grundlage, für eine sinnvolle Ernährung bei Durchfall. Für einen Zeitraum von mindestens 7 Tagen darf das Meerschweinchen ausschließlich Wasser/Tee, Heu, Trockenkräuter und wenig Grünfutter (Gras, Löwenzahn etc.) zu sich nehmen! Salate, Gurken und andere wasserhaltige Gemüse sollten nicht verfüttert werden.
Sinnvoll sind täglich kleine Stückchen Fenchel, Reibeäpfel (kurz zum Anbräunen
stehen lassen), dazu geriebene Karotte oder eventuell Quetschbanane, das regt den
Appetit an. Etwas Baby-Karotten- oder Baby-Apfelbrei regt ebenfalls zur Futteraufnahme an. Fenchel- und Kamillentee beruhigen den Magen-Darmtrakt und sollten immer warm (nicht heiß) und leicht verdünnt angeboten werden.
Die verschmutzte Afterregion ist zu reinigen (am besten mit einem feuchtem
Waschlappen) da sonst an den Stellen Hautreizungen und Entzündungen entstehen
können!
Das Tier muss vor dem Austrocknen (dehydrieren)
geschützt werden. Sollte es nicht selber trinken, ist es Wichtig ihm Wasser
einzuflößen (mehrmals am Tag mit einer Pipette)! Das Wasser mit Traubenzucker
(z.B. Dextroenergen) vermischen (ca. 1/4 Tl am Tag). Ist das Tier dehydriert,
d.h. ausgetrocknet, muss es sofort von einem Tierarzt mit
einer elektrolytische Injektion behandelt werden! Eine Austrocknung des Tieres erkennt man, wenn
beim Ziehen oder Zusammendrücken einer
Hautfalte diese sich nicht mehr an den Körper anlegt, sondern stehen bleibt.
3 x täglich sollte das Gewicht kontrolliert werden, nimmt das Tier schnell ab, muss es zwangsernährt werden.
Meist haben die Tiere zusätzlich zum Durchfall noch starke Blähungen. Vorsichtshalber wird also immer ein Mittel gegen Gasbildung im Darm eingesetzt. Als gut verträglich gelten Medikamente mit dem Wirkstoff Simeticon (z.B. Lefax®Tropfen, Sab Simplex®). 3 - 5 x tägl zwischen 0,2 und 0,4 ml vermischt mit der gleichen Menge Wasser werden direkt ins Mäulchen gegeben.
Darmflora:
Die beschädigte Darmflora des erkrankten Tieres muss wieder aufgebaut werden.
Dazu wird vom Tierarzt meist Bird Bene Bac verabreicht, dieses Gel besteht aus gefriergetrockneten Bakterien, welche der Darmflora helfen sollen, sich zu regulieren. Leider enthält Bird Bene Bac Zucker und von daher ist es fraglich, ob es wirklich so sinnvoll ist - denn Zucker schädigt den Darm.
Einfacher und gesünder ist die Köttelfütterung (s.U.) Alternativ kann auch Omniflora N gegeben werden, diese Kapseln für Menschen sind in der Apotheke rezeptfrei zu bekommen. Der Inhalt der Kapseln wird in Wasser aufgelöst. Bei akutem Durchfall wird eine Kapsel wird über den Tag verteilt gegeben, bei abklingendem Durchfall wird eine Kapsel auf 4 Tage verteilt.
Wenn das Meerschweinchen zu wenig oder
gar nicht frisst, bzw. zu stark abnimmt, muss es Zwangsernährt werden, damit die
Darmtätigkeit nicht zum Erliegen kommt. Bitte wägen Sie gut ab, ob das Tier
zwangsernährt werden muss, da das Päppeln das Tier sehr stresst und Stress den
Heilungsprozess negativ beeinflusst. Anweisungen für das Zwangsernähren finden Sie hier: Päppeln.
Köttelfütterung:
Um die zerstörte Darmflora eines durchfallkranken Meerschweinchens wieder
aufzubauen, kann man die frischen Köttel von gesunden Tieren verfüttern. Diese
beinhalten einige der Bakterien, die in der gesunden Darmflora leben. Man
zermahlt/pulverisiert 2 x tägl. 2 - 3 Köttel und gibt das "Pulver" mit etwas
Wasser in eine 2 ml-Spritze (ohne Nadel). Das gibt man dem Tier direkt ins
Mäulchen. Die Dauer dieser Behandlung kann durchaus 8-10 Tage betragen.
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